Schattenspiele abgesagt

Berlin. Wie die gerade im Umorganisationsprozess befindliche Leitung des großen Theaters am Potsdamer Platz mitteilte müssen die für die kommende Theatersaison geplanten Schattenspiele nun doch abgesagt werden. Als Grund hierfür gab man rechtliche Bedenken an. Man werde aber bemüht sein, das Publikum wie bisher mit den beliebten Taschenspielertricks bei Laune zu halten.

Mal ernsthaft: Wenn der Schattenhaushalt von Schwarz-Gelb wegen rechtlicher Bedenken geippt wurde, dann frage ich mich schon, wie es da beim anderen Sondervermögen aussieht, dass die letzte Regierung ganz fix beschlossen hat. Immerhin wurden da mal schnell 480.000.000.000 Euro für das Finanzmarktstabilisierungsgesetz als “Sondervermögen” eingerichtet. Oder besser gesagt: Als zukünftige Schulden.

Finanzminister Schäuble?!

Gerade eben auf Google-News: Schäuble soll Finanzminiser werden.  Na ja, immerhin hat der ja schon einschlägige Erfahrung mit Geldkoffern. Nachfolger im Innenminsterium wird der bisherige Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU). Also wird es wohl da auch nicht besser werden.

Guttenberg wechselt laut ARD vom Wirtschaftsministerium zum Verteidigungsministerium, laut Stern darf er zwischen Verteidigungsminiser und Innenminister wählen. Wenn ich er wäre würde ich Innenminister machen, denn beim Job des Verteidigungsministers muß er ja auch gelegentlich die Truppe besuchen und da könnte das Outfit leiden.

Guido Westerwelle wird Außenminister, trotz der Gerüchte über seine bescheidenen Englischkenntnisse.

Da bleibt eigentlich nur die Frage, ob Zensursula weiterhin im Familienministerium für Aufregung sorgt oder woanders hin wechselt. Vielleicht sollten wir in Orrwellscher Manier ein “Wahrheitsministerium” einrichten, dafür wäre sie ja prädestiniert mit ihrer langen Erfahrung im Ignorieren von Wahrheiten.

Weihnachtsgeschenk für Geeks

Nachdem das Fest der Freude ja sozusagen vor der Tür steht hier mal ein Geschenktipp für die Leute, die nicht wissen, was sie ihrem computerbegeisterten Lebensabschnittspartner schenken sollen. Ein Anbieter aus Frankreich verblüfft uns mit einem neuen USB-Gadget das besonders für Weintrinker interessant sein dürfte. Leider sind es Franzosen und die sind von ihrer Landessprache ja so begeistert dass es das Werbevideo nur in Französisch gibt. Aber die Bilder sprechen deutlich für sich.

Einen (nicht per Download erhältlichen) Wermuts-Tropfen hat dieses Teil dennoch: Bislang gibt es nur Treiber für Windows und Mac, Linux-Treiber sind leider nicht verfügbar.

Wichtig wäre auch, dass die PC-Hersteller die Zeichen der Zeit erkennen und endlich die Front-Panel-USB-Steckplätze so einbauen, dass der USB-Stecker waagrecht eingeführt werden kann, denn ein senkrechter USB-Steckplatz am PC-Gehäuse dürfte die Freude an diesem Gadget erheblich schmälern.

Politik und Neusprech

Heute bin ich über ein schon älteres Video vom 25C3 gestolpert. Martin Haase referiert hier über “Neusprech im Überwachungsstaat“. Mein Fazit: Absolut sehenswert, vor allem weil er sehr viele anschauliche Beispiele bringt. In der Abschlußdiskussion mit dem Publikum wird dann auch ein Buch “Politiker-Deutsch für Anfänger” erwähnt. Da habe ich doch gleich mal die Suchmaschine meiner Wahl befragt und bin hier gelandet: “Politiker-Deutsch für Fortgeschrittene“. Sozusagen ein kleines Wörterbuch mit vielen anschaulichen Beispielen, von A wie

Abweichler: Abgeordneter, der sich auf Grundgesetz Art.38 beruft und seinem Gewissen folgt.

bis Z wie

zielgenau einsetzen: “Derzeit fällt es den Politikern im Osten Deutschlands schwer, die Subventionsmilliarden zielgenau einzusetzen.” (Nachrichten BR, 2.10.2006).
Im Klartext: das Geld wird verschwendet.

Allerdings ist diese Seite nicht mehr so ganz aktuell, denn das neueste Buzzword unserer Politiker heißt derzeit ja “Schattenhaushalt“. Ja, wenn ich mir meinen Geldbeutel ansehe, da sieht es auch ganz schön schattig aus, was wohl auch an den gigantischen Tarifabschlüssen der letzten Jahre liegt.

Existierst Du nur oder bist Du schon relevant?

Jetzt muß ich doch auch mal meinen Senf zu dem Löschamoklauf in der deutschen Wikipedia abgeben. Wie ihr ja vielleicht mitbekommen habt wurde unlängst der Artikel über MOGIS (MißbrauchsOpfer gegen InternetSperren) gelöscht, weil er nicht relevant ist. Fefe hat aktuell sehr viele Posts zu den gerade stattfindenden Löschorgien in der Wikipedia.

Besonders schön fand ich den Artikel “99% aller Deutschen sind irrelevant” von Pavel. Der beschreibt sehr schön, welche Kriterien erfüllt sein müssen um von einer bloßen und nicht durch Sekundärquellen belegten Existenz hin zum für Wikipedia Deutschland relevanten Thema aufzusteigen.

Ein wenig krass find eich es schon. Relevanzkriterien könnte ich bei Medien mit relativ beschränktem “Volumen” noch verstehen. Also z.B. dass man in eine Nachrichtensendung nur die tatsächlich relevanten Nachrichten des Tages reinpackt, aber auch hier habe ich schon Sendungen erlebt, deren Beiträge alles andere als relevant waren.

Was die Wikipedia-Blockwarte mit ihrem Amoklauf anrichten schadet auf zwei Arten:

  • Niemand wird noch große Lust verspüren, seine Freizeit für das Erstellen eines Wikipedia-Artikels zu opfern wenn der damit rechnen muß, dass dieser wegen mangelnder Relevanz dann wieder der Lösch-Kettensäge der Blockwarte zum Opfer fällt.
  • Die Leute die dort etwas nachschlagen wollen werden auf alternative Medien ausweichen, z.B. Google oder die englischsprachige Wikipedia, eben weil “erfolglose Suchen” letztlich nur die Erkenntnis bringen, dass das Nachschlagewerk nix taugt.

In beiden Fällen ein meiner Meinung nach gravierender Schaden für das Projekt. Und ja, ich setze hier absichtlich den Tag “Zensur”, denn wenn Dinge wie “Zensursula” auch plötzlich irrelevant sind, dann stelle ich mir schon die Frage, ob hier bewußt die Geschichte verfälscht werden soll. Klar kann man das als “Schmähkritik” bezeichnen, aber trotzdem ist in der Wikipedia auch hinterlegt, dass Ex-Kanzler Helmut Kohl den Spitznamen “Birne” hatte.

Zerrüttete Vertrauensverhältnisse

Es ist wieder passiert. Ein Altenpflegerin hat sich erdreistet, ein paar Maultaschen vor der Mülltonne zu retten und einer sinnvollen Verwendung zuzuführen, nämlich ihren Hunger zu stillen, und wurde daraufhin von ihrem Arbeitgeber gefeuert.

Und dieser Fall wurde nun vom Arbeitsgericht verhandelt das zu der interessanten Schlußfolgerung kam, dass diese Kündigung zu Recht erfolgte.

Der Träger des Heims hatte von einem Diebstahl gesprochen, der das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und der Mitarbeiterin zerrüttet habe

Ja, das schlimm zerrüttete Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Wenn das mit ein paar Maultaschen steht oder fällt, oder gar mit dem Laden eines Handys dann gibt mir das schon zu denken.

In einer normalen Welt könnte man so etwas ausdisktuieren oder wenn man es unbedingt sehr formell machen will mit einer Abmahnung den Arbeitnehmer eben darauf hinweisen, dass er dieses ungewünschte Verhalten abstellen soll.

Natürlich kann man Korinthenkackerei betreiben und das als Diebstahl bezeichnen, aber letztlich geht es hier um etwas, was sowieso im Abfall gelandet wäre. Man kann also eher vermuten, dass hier eine langjährige und entsprechend teure Arbeitskraft günstig “entsorgt” wurde um die Stelle mit einer billigeren Kraft zu besetzen. Schließlich handelt es sich bei der Altenpflege ja auch um einen optimierbaren Produktionsprozess und irgendwelche persönlichen Beziehungen zwischen Pflegekraft und Pflegebedürftigen (sprich, das gleiche und gewohnte Gesicht) sind nebensächlich, Pflegekräfte kann man beliebig austauschen wie eben Produktionsmittel.

Interessanterweise ist dieser Tage auch das Schwarzbuch 2009 des Steuerzahlerbundes erschienen. Was wäre wohl, wenn der Steuerzahler als “Arbeitgeber” angesichts dieser Verschwendungen in weitaus größeren Kategorien das Vertrrauen in seine “Arbeitnehmer” verliert und diese dann ebenfalls entläßt oder zur tatsächlich zur Rechenschaft zieht. Denn sind wir mal ehrlich: Das Schwarzbuch listet zwar schön auf, wo verschwendet wurde, aber echte Konsequenzen ergeben sich daraus nicht.

150 Euro für die Bildung

Heute nachmittag im Autoradio gehört und jetzt bei der TAZ gefunden:

Die neue Bundesregierung werde “jedem neu geborenen Kind ein Zukunftskonto mit einem Startguthaben von 150 Euro einrichten”, heißt es in dem Papier, das der taz vorliegt. Darüber hinaus wolle man Einzahlungen bis zur Volljährigkeit mit einer Prämie unterstützen. Die Initiative, die sich an der bisherigen Förderung des Bausparens orientiert, solle “ein wirksamer Anreiz für mehr private Bildungsinvestitionen” sein.

Na, das hört sich ja wieder toll an. “Zukunftskonto”. So wie es da oben steht entnehme ich, dass das ein Sparbuch wird welches am 18. Geburtstag fällig werden wird und mit 150 Euro Startkapital ausgestattet wird. Und wer seinem Kind da was einzahlt bekommt Prämien auf die eingezahlten Beiträge, die dann auch erst mal auf diesem Zukunftskonto gebunkert sind.

Warum nur erinnert mich das ganze irgendwie an die Riester-Rente. Hier ist der Köder der einem hingeworfen wird nicht die angebliche “Versorgungslücke” im Alter, sondern natürlich die Zukunft der Kinder. 150 Euro sind, wenn es um die Ausbildung der Kinder geht nicht viel, das reicht aktuell gerade für einen guten Schulranzen und Turnbeutel im Set. Aber halt, das Geld gibts ja erst mit 18, also nix mit Schulranzen.

Hier wird unterschwellig ein Druck auf die Eltern aufgebaut, fleißig für die Zukunft ihres Nachwuchses zu sparen damit der dann später seine Studiengebühren bezahlen kann. Wobei es ja nicht so ist, dass ich meinen Kindern keine Ausbildung finanzieren will, wer es sich leisten kann hat jetzt schon so etwas wei eine “Ausbildungsversicherung”, also eine spezielle Kapitallebensversicherung die im Falle des Todes dann auch den Betrag auszahlt und man so den Kindern in jedem Fall eine Ausbildung ermöglichen kann. Wie gesagt, wenn man es sich leisten kann, denn pro Kind wollen die Versicherungskonzerne hier im Monat schon um die 50 Euro.

Also wird nun für die Geringverdienenden ein “Zukunftskonto” angelegt, damit die halt das Geld, was eventuell (wenn auch sehr unwahrscheinlich) am Monatsende noch übrig ist vorbildlich in dieses Zukunftskonto stecken und so das Geld erst mal den Banken zum Spekulieren geben.

Statt nach dem Gießkannenprinzip 150 Euro über jedes Neugeborene auszuschütten (Kinder der “Reichen” werden das sicher nicht nötig haben) hätte man eher die zukünftigen Kosten der Bildung der Kinder angehen können. Der Wegfall von Studiengeübhren dürfte um einiges sinnvoller sein, als dieses angebliche “Zukunftskonto”.

Nur meine Meinung und vielleicht irre ich mich hier ja auch, aber ich bin zu oft schon von unserer neoliberalen Elite veräppelt worden um so etwas ohne es gründlich zu hinterfragen zu bejubeln.

Update: Das ganze steht jetzt auch im Koalitionsvertrag ab Zeile 2594 also kriegt der Artikel jetzt auch “Koalitionsvertrag” als Stichwort..

Hightech vom Feinstern

Gestern mußten etliche Penlder auf ihre Züge warten, weil der neue Fugger-Express vom Raureif ausgebremst wurde. Die Augsburger Allgemeine schreibt:

Wegen des Raureifs an den Oberleitungen hatte der Stromabnehmer zeitweise keine Spannung. Daraufhin legte die Software des Bordcomputers den Antrieb lahm. Kommende Woche soll eine neue Software aufgespielt werden, mit der diese Probleme nicht mehr auftauchen.

Also mal wieder ein superkluger Bordcomputer der meint alles besser zu wissen. Und natürlich ist Raureif um diese Jahreszeit ja auch ein extrem seltenes Wetterphänomen.

Besonders nett ist der “Workaround” für das Problem:

Um zu verhindern, dass sich heute die Probleme wiederholen, will die Bahn frühmorgens zunächst eine herkömmliche Lok auf die Strecken schicken, um den gröbsten Raureif von den Leitungen abzustreifen.

Do bekommt man doch gleich nostalgische Gefühle. Ich weiß noch gut vor vielen Jahren, irgendwann in den 80ern wird das gewesen sein, da hatten die Augsburger Straßenbahnen ein ähnliches Problem. Es gab Eisregen und der gefror in der Nacht an die Oberleitungen. Und zwar so dick, dass die Straßenbahnen keinen Strom mehr bekamen. Auch damals war die Maßnahme zur Problemvermeidung, dass man nachts trotz Betriebspause im Stundentakt das Streckennetz abfährt um die Vereisung zu vermeiden.

Aber beim aktuellen Fugger-Express-Problem sieht man mal wieder ganz gut, dass “modernste Technik” nicht unbedingt die überlegene Technik ist sondern dass eben mit jedem Gadget das verbaut wird auch eine potentielle Fehlerquelle einbaut.

Das Geschäftsmodell ist die Abzocke

Heute auf Wikilieaks: Präsentation zur Gewinnverbesserung durch Abmahnverfahren. Es gibt also tatsächlich eine Firma Digi-Right-Solutions die sich zur Aufgabe gemacht hat, Filesharer geschäftsmäßig abzumahnen. Netzpolitik.org hat hier einen schönen Artikel dazu, aber noch besser gefällt mir das, was Udo Vetter im Lawblog dazu schreibt.

Ein sehr schöner Beleg dafür, wie die Branche mittlerweile tickt. Überdies ein wunderbares Dokument, welches Gerichte sicher gerne lesen werden, wenn sie sich mit der Frage nach dem Rechtsmissbrauch durch Massenabmahnungen beschäftigen müssen.

Da bleibt mir als “Nicht-Anwalt” ja nur noch, ein wenig über die Präsentation dieser seltsamen Firma abzulästern. Also wirklich, was da auf 30 Seiten in der PDF geboten wird ist für einen Design-Puristen und gelegentlichen Leser von Presentation ZEN sozusagen ein Brechmittel. Textblöcke die die Fußzeilen überpinseln, Wörter die umgebrochen werden ohne Trennstrich und jede Menge grobe Designfehler, die wirklich geeignet sind sich die letzte Mahlzeit nochmal durch den Kopf gehen zu lassen.

Und Deutsch können diese Spezialisten auch nicht. Wenn ich z.B. so was lese wie:

DigiRights Solution GmbH wurde im Jahr 2007 zum Schutz von Urheberrechtsverletzungen in P2P- Netzwerken gegründet

Soso. Zum Schutz “von” und nicht “vor”. Ok, in gewisser Weise ist das ja verständlich, denn immerhin sind die Urheberrechtsverletzungen ja die Existenzgrundlage dieser Firma und die muß natürlich mit allen Mitteln geschützt werden.