Warum kann ich mich darüber nicht freuen?

Heute war die Schlagzeile in den Newstickern dass Thilo Sarrazin nun von seinem Boss wegen der sehr kontrovers diskutierten Äußerungen diszipliniert worden. Ja, ich mag Herrn Sarrazin absolut nicht und finde seine jünsten Äußerungen absolut widerwärtig. Aber ist es wirklich rechtens, wenn er dafür Nachteile im Beruf hinnehmen muß? An dieser Stelle fällt mir unweigerlich Voltaire ein:

Ihre Meinung ist mir zwar widerlich, aber ich werde mich dafür totschlagen lassen, daß sie sie sagen dürfen.

Gilt das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht auch für Herrn Sarrazin? Klar, seine Polemik spaltet Deutschland und so sieht man nun, wie z.B. Spiegel-TV in einem Beitrag alle Klischees bedient und damit die Drehzahl von Rudolf Augstein in seinem Grab auf Maximalwerte beschleunigt.

Aber ganz unabhängig davon, was der Herr Sarrazin gesagt hat und egal für wie unerträglich ich seine Äußerungen halte, so fallen sie letztlich für meine Begriffe trotzdem unter den Überbegriff der freien Meinungsäußerung. Sanktionen aufgrund dieser Äußerungen hätte ich vielleicht noch verstanden, wenn sie von seiner Partei kämen und diese damit klarstellen will, dass er hier nicht den Parteistandpunkt vertritt.

Aber mal ehrlich: Von der Bundesbank erwarte ich auch keinen Standpunkt zu sozialpolitsichen Themen und als ich von den Äußerungen des Herrn Sarrazin las war für mich klar, dass er hier wieder mal so wie auch in der Vergangenheit vom Leder zieht. Eine Verbindung zu seinem Arbeitgebern sehe ich in solchen Äußerungen nicht. Man stelle sich nur mal vor, was passieren würde, wenn so etwas Schule machen würde. Wird dann die Supermarkt-Kassiererin degradiert weil sie in ihrer Freizeit sagt, dass Politiker X ein Idiot ist und der Supermarktleiter jetzt fürchten muß, dass alle Kunden die X oder seine Partei gewählt haben ausbleiben weil sie sich auf den Schlips getreten fühlen? Wo ist die Grenze zwischen “Meinungsäußerung” die geduldet wird und “Meinungsäußerung” die vom Arbeitgeber bestraft wird?

Nur mal als Hintergrundinfo: Als Blogs immer populärer wurden erhielt ich von meinem Arbeitgeber einen Satz “Richtlinien für Blogger” in denen ich aufgefordert wurde, meine Anstellung möglichst nicht zu erwähnen, da man sonst vielleicht meine im Blog geäußerte Meinung mit der der Firma verwechseln könnte. Und natürlich sollte ich nicht abfällig über die Firma schreiben usw. Wenn man es ganz eng sieht ist so was schon ein halber Maulkorb.

Daher bei allem Ärger über Sarrazin: Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden und auch wenn er mich mit seinen Äußerungen zur Weißglut bringen kann, so möchte ich lieber jede Woche einmal aufglühen statt in einem Staat zu leben, in dem Menschen Angst haben müssen, ihre Ansichten kund zu tun.

Ungewöhnliche Klaviere

Heute scheint der Tag der Klaviere zu sein, zumindest wenn ich sehe was meine Blogroll für mich bereitgehalten hat. Bei Spreeblick fand ich das sprechende Klavier:

Und der Schockwellenreiter hat heute auch ein sehr motivierendes Klavier im Angebot:

Aber ich bin sicher, unser Sohn Stefan hätte trotzdem die Rolltreppe genommen, denn er liebt Rolltreppefahren über alles.

Polterabend in Berlin

Berlin. Sie sind das Traumpaar des Jahres, die fesche Angela M. und ihr zukünftiger Angetrauter Guido W. Die Hochzeit dieses Traumpaares soll schon bald über die Bühne gehen und da beide großen Clans angehören hat man die letzten beiden Wochen ausgiebig Polterabend gefeiert.

Auch wenn die Braut in anderen Clans nicht viele Freunde hat, so fand sich vor dem Haus der Angela M. doch ein stattlicher Scherbenhaufen, ein Zeichen, dass ihr viele Freunde viel Glück wünschen. Zum Eklat kam es allerdings als Hermann Otto S., ein enger vertrauter des Bräutigams, den Scherbenhaufen genauer unter die Lupe nahm und feststellte: “Das ist kein fremdes Porzellan. Sieht aus als hätte Angie hier selbst das Porzellan aus ihrer Mitgift zerdeppert.” Die so angegegriffene Braut weist natürlich jede Schuld von sich und meint, das hätte ihr Ex noch vor dem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung demoliert.

Peinlich ist die Situation insofern als sowohl Angela M. als auch Guido W. von ihren Clans die Erlaubnis zur Heirat nur erhalten haben, weil sie ihren Anhängern reichhaltige Geschenke nach der Hochzeit versprochen hatten. Daraus wird wohl nun nichts mehr werden, da die Aussteuer der nicht ganz unvermögenden Braut zum Scherbenhaufen transformiert wurde.

Auf der Suche nach weiteren verwertbaren Dingen aus der Mitgift der Braut mußte dann leider auch festgestellt worden, dass das wertvolle Tafelsilber bereits vor Jahren zu Spottpreisen verschleudert wurde um kurzfristige finanzielle Engpässe zu kaschieren. Lediglich ein Anteil an einer Modell-Eisenbahn ist aufgrund der Wirtschaftskrise von dem frühzeitigen Verkauf verschont geblieben, man munkelt aber in gut unterrichteten Kreisen, das dieser Verkauf weiterhin auf dem Programm steht.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich Angela M. als sie noch mit ihrem Ex zusammen war zu einer eidestattlichen Versicherung hinreissen ließ in der sie äußerte, künftig nur noch in sehr begrenztem Maße Schulden machen zu wollen. Um dieses Ziel zu erfüllen sucht das nun kurz vor der Hochzeit stehende Brautpaar weitere Einnahmequellen. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu vernehmen ist könnte das auf die Einführung einer Straßenbenutzungsgebühr für PKW auf Straßen, die von den Clans kontrolliert werden hinauslaufen. Die Freunde dieser Clans fühlen sich jetzt ein wenig über den Tisch gezogen….

Sorry für diese böse Glosse, aber wie anders soll man das kommentieren was gerade bei den Koalitionsverhandlungen passiert? Seltsamerweise war es allen außer den Politikern wohl klar, dass der Staat wohl kaum Luft für Steuersenkungen haben wird, aber klar, wenn man vor der Wahl so ehrlich gewesen wäre das zuzugeben, dann hätte das womöglich etliche Stimmen gekostet. Da belügt man lieber das liebe Wahlvieh und hofft darauf, dass es diese Lüge in 4 Jahren wieder vergessen hat.

Jamaica an der Saar

Heute die Top-Meldung auf Google-News. Der Grünenparteitag im Saarland hat sich für eine Jamaika-Koalition an der Saar ausgesprochen. Schuld daran ist Oskar Lafontaine, zumindest für den Grünen Chef Hubert Ulrich:

“Zu diesem Mann und zu dieser Partei habe ich keinerlei Vertrauen

Tja, da kann man nix machen, wenn das Vertrauen fehlt, dann hat ein Bündnis auch keinen Zweck da es von vorne herein wohl schon zum Scheitern verurteilt ist. Apropos Vertrauen. Was haben eigentlich die Grünen im Wahlkampf versprochen? Oskar Lafontaine wirft den Grünen nämlich Betrug am Wähler vor. Da stellt sich die Frage, wie die Wähler die Entscheidung des Parteitages der Grünen sehen. Und auch in den Reihen der Grünen gibt es wohl Widerstand:

“Ich war nicht in Gorleben und an der Startbahn-West, um mit einer marktliberalen Atomstrom-Partei zu koalieren”, sagte der Kreisvorsitzende von Saarbrücken, Thomas Brück.

Jetzt bin ich mal gespannt, wie politische Medien abseits vom Mainstream diese Entwicklung kommentieren werden. Denn eines ist klar, der “journalistische Mainstream” ist nicht ganz unschuldig an der Meinungsbildung und dem Buhmann-Image der Linkspartei.

Herbstfreuden

Heute war es trocken und leicht windig, also haben wir diese Wetterbedingungen gleich mal genutzt.

drachen3

Auf dem Feld am Haunstetter Krankenhaus war der Wind allerdings sehr gering, wohl weil rund um uns kleine Wälder waren. Anna hat, wie es sich für ein Piratenkind gehört auch gleich den passenden Drachen genommen.

drachen1

Und Stefan hat rausgefunden, dass man nicht vorhandenen Wind durch Laufen kompensieren kann.

drachen2

Unser vierbeiniger Hausgenosse war natürlich auch mit dabei.

lucy

Und Lucy nutzte natürlich auch jede Gelegenheit, um ein paar extra Streicheleinheiten zu ergattern.

lucy-kuschel

Fazit: Eine gemütliche Erholung für die ganze Familie und viel gesunde frische Luft. Müssen wir unbedingt wieder machen.

Ein Opfer der Justiz

Momentan fühlt sich der italienische Ministerpräsdient Sivlio Berlusconi als Opfer der Justiz. Es ist ja auch zu unfair, dass das italienische Verfassungsgericht sein “Lex Berlusconi” kassiert hat mit dem er sich selbst Immunität vor der Strafverfolgung sichern wollte.

Jetzt macht er einen auf armer politsch Verfolgter und vergallopiert sich dabei allerdings auch mal gerne. In den deutschen Zeitungen liest man davon allerdings nix, aber in den italienischen. La Repubblica hat einen Artikel zu einem sehr interessanten freudschen Versprecher von Berlusconi. Meine bessere Hälfte konnte mir das dann auch gleich übersetzen, ein wenig anders als die Übersetzung von Google. Berlusconi sagte nämlich, dass er in den letzten Jahren “200 Millionen Euro für Berater (consulente) und Richter (giudici) ausgegeben hat, äh natürlich Anwälte”. Google übesetzt “giudici” mit Gerichten, aber laut LEO darf man das auch mit Richter (plural) übersetzten.

Aber klar, der arme Mann dürfte gerade unter einem Adrenalischock stehen. Nicht nur, dass er sich für seine Playboy-Affären rechterfertigen muss, jetzt wird ihm auch noch die Immunität aberkannt.

Freiheit

Heute mal ein kleiner Streifzug durchs Netz zum Thema Freiheit. Ingo Jürgensmann stellt fest “Freiheit ist das Fehlen von Zwang” und stellt die Frage, ob unser Zugangserschwerungsgesetz bereits Zwang ist oder ob dieser erst durch das Erzwingen der Verwendung von “zensierenden DNS-Servern” erfolgt. Wir erinnern uns dass dieses Gesetz ja angeblich gegen die massenhafte Kinderpornographie im Netz eingesetzt werden soll. Mittlerweile stehen aber andere Interessenvertreter Schlange um weitere “sperrwürdige” Seiten mit dem Bann des Stoppschildes der Zensursula zu belegen.

Als ich vorhin nach ein paar Zitaten zum Thema Freiheit gesucht habe stolperte ich auch über eines aus einer Zeit als es noch kein Internet gab und auch Fernsehen nur für ein paar Leute:

Die Freiheit der Rede hat den Nachteil, daß immer wieder Dummes, Häßliches und Bösartiges gesagt wird. Wenn wir aber alles in allem nehmen, sind wir doch eher bereit, uns damit abzufinden, als sie abzuschaffen.

Gesagt hat dieses Zitat kein Geringerer als Winston Churchill (britischer Staatsmann, 1874-1965). Und ja, auch wenn andere die Freiheit der Rede in einer für uns schier unerträglichen Weise mißbrauchen, so wäre die Abschaffung dieser Freiheit doch noch viel unerträglicher.

Zu den anderen Grundfreiheiten gehört meines Erachtens auch die Freiheit der Person, also der Schutz davor einfach von der Straße unter fadenscheinigen Begründungen weggeholt und eingesperrt zu werden. Das aber genau ist zwei muslimischen Mitbürgern in München passiert, als man in Panik verfiel weil Osama bin Laden mit Anschlägen auch auf das Oktoberfest gedroht hat. Udo Vetter vom Lawblog hat hier einen Artikel, der beschreibt, “wie man jeden wegsperren kann“. Ja, die Beweislage war in diesem Fall auch wirklich erdrückend:

Er soll mal mit jemandem gesprochen haben, der wiederum einen bekennenden Terroristen kennt.

Da kommen gruselige Erinnerungen an Andrej Holm hoch der 2007 wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verhaftet wurde, unter anderem weil er die gleichen Worte benutzt wie die sogenannte Militante Gruppe, nämlich “Gentrifizierung” und “Prekarisierung”. Man male sich mal die Drohkulisse aus, die man hier errichten kann, wer also bestimmte Vokabeln kennt oder jemanden kennt der diese kennt kommt in den Verdacht ein Terrorist zu sein. Da fehlt nur noch, dass so wie es Orwell in “1984″ beschrieben hat ein Wahrheitsministierium geschaffen wird welches “Neusprech” definiert und damit den “politisch korrekten” Wortschatz der Bürger.

Udo Vetter jedenfalls stellt fest:

Wer so denkt und entscheidet, handelt nicht mehr rechtsstaatlich.

IANAL (I am not a lawyer, ich bin kein Rechtsanwalt), aber ich durfte im Studium mal ein Semester Rechtslehre als allgemeinwissenschaftliches Wahlpflichtfach genießen. Das war allerdings zu Beginn der 80er Jahre als die Welt noch in Ost und West aufgeteilt war und der “Westen” sich selbst als “die Guten” definierte und man noch gegen eine staatlich angeordnete Volkszählung bis vors Bundesverfassungsgericht ging. Heute sind wir ja alle wieder mit einer Personenkennziffer – der Steueridenfikationsnummer – katalogisiert und die privaten Daten gibt man sowieso gerne für die Aussicht auf ein paar Rabattpunkte ab.

Und während man sich früher noch an das Zitat von Rosa Luxemburg erinnerte dass Freiheit immder die Freiheit der Andersdenkenden ist werden heute auf Andersdenkene oder Andersgäubige gerne Hexenjagden veranstaltet. Es ist ja nicht so, dass wir hier keine historische Erfahrung hätten. Aber wenn wir nicht aus unserer unseligen Vergangenheit lernen können, dann vielleicht aus der hypothetischen Zukunft?

Und dass unser Preis für die Freheit ständige Wachsamkeit ist wird auch von Ingo erkannt:

Es heißt also, weiterhin wachsam zu sein und den Politikern auf die Finger zu schauen und auf die Füsse zu treten, ebenso wie jeder dazu aufgerufen ist, sich auch nach der Wahl in den nächsten 4 Jahren weiterhin für Grund- und Bürgerrechte einzusetzen!

Dem kann ich mich nur anschließen.

Die Bahn erhöht die Preise

Von der Bahn erhalten die Kunden dieses Jahr ihr Weihnachtsgeschenk schon Mitte Dezember. Mit dem neuen Fahrplan werden die Bahntickets im Schnitt um 1.8 Prozent teurer. FTD hat das in einem Artikel thematisert zu dem ich auch gerne meinen Senf geben will. Fefe hat es satirisch betrachtet:

Wegen der hohen Kundenzufriedenheit, nehme ich an. Besonders im Großraum Berlin.

Schauen wir aber mal beim FTD-Artikel was uns hier erzählt wird:

Die Inflationsrate bei Verbraucherpreisen lag aber in den vergangenen zwölf Monaten nahe null Prozent. Treibstoff ist im Zuge der weltweiten Rezession sogar deutlich günstiger geworden. Auch die Strompreise sind zumindest nicht weiter angestiegen. Bahnvorstand Homburg erklärte jedoch, dass dies keinen Einfluss auf die Kostenbasis der Bahn habe. Bei Diesel-Kraftstoff für Loks sei das Unternehmen an langfristige Lieferverträge gebunden, womit der Preis unverändert geblieben sei. Beim für die Bahn wichtigsten Energieträger Strom hingegen werde zwar ständig von billigeren Preisen gesprochen. “Angekommen beim Kunden ist davon aber noch nichts”, erklärte Homburg.

Also Herr Homburg, wenn der Dieselpreis aufgrund der langfristigen Lieferverträge konstant geblieben ist, dann ist das eine sehr seltsame Begründung für eine Preiserhöhung. Und was den Strompreis angeht, da fallen mir zwei Dinge ein. Zum einen nämlich, dass die Bahn ja eigentlich mit 16,7 Hertz fährt und bis auf die Lastspitzen ihren Strom eh selbst produziert (zumindest laut Wikipedia). Zum anderen gibt es bei Telepolis heute einen schönen Artikel “Umverteilung” und da wird doch glatt behauptet:

“Sondervertragskunden”, das heißt Großabnehmer, zahlen hingegen 8,5 Prozent weniger als noch vor einem Jahr.

Es mutet seltsam an, wenn die Bahn mit ihren Lastspitzen von 300 Megawatt nicht auch als “Sondervertagskunde” günstige Konditionen aushandeln kann.

Die nächste interessante Behauptung gibt es dann zum Thema Personalkosten:

“Folgewirkungen” entfalteten dagegen nun die hohen Tarifabschlüsse von 2008, als die Lokführergewerkschaft GdL elf Prozent Lohnzuwachs erstritten hatte, sowie die Anfang diesen Jahres mit den anderen Bahngewerkschaften für 2009 und 2010 vereinbarten Gehaltsanhebungen um insgesamt 4,5 Prozent. Dies alles verursache eine Kostensteigerung im Personenverkehr von “drei Prozent oder größer”, sagte der Bahnvorstand.

Das Unternehmen gebe mit der nun angekündigten Preisanhebung um 1,8 Prozent also nur einen Teil seiner gestiegenen Kosten an die Kunden weiter.

Um die Plausibilität dieses Arguments zu verifizieren gucken wir einfach mal in den Geschäftsbericht der Bahn von 2008. Auf Seite 181 (Seitenzahl laut Geschäftsbericht, in der PDF ist das 185) sehen wir, dass die Personalkosten von 9.913 Millionen Euro in 2007 auf 10.583 Millionen Euro in 2008 gestiegen sind, also 670 Millionen mehr, was einer Steigerung von knapp 6,8 Prozent entspricht.

Andererseits: Die Bahn sagt selbst sie hätte 1.919 Millionen Reisende gehabt. Verteilt man die 670 Millionen Mehrkosten beim Personal auf die knapp 2 Milliarden Reisende so würde jeder mit 35 Cent Mehrkosten belastet werden. Da das natürlich in gewisser Weise ungerecht ist rechnen wir mal mit den Personenkilometern, das sind laut Geschäftsbericht ja stolze 77.791 Millionen. Was letztlich heißen würde, die gestiegenen Personalkosten schlagen mit 0,86 Cent pro Personenkilometer zu.

Und vor allem haben wir bei der Rechnerei nun die gesamten Personalkosten auf den Personenverkehr der Bahn umgelegt. Das ist aber nicht richtig, denn laut Geschäftsbericht Seite 64 (68 in der PDF) ist der Personenverkehr greade mal mit 36 Prozent am Gesamtumsatz beteiligt. Also müssten wir auch die Kosten auf 36 Prozent reduzieren, sprich der Personenkilometer käme in der Rechnung um 0,3 Cent teurer.

Erinnern wir uns auch noch mal an den horrenden Tarifabschluß bei den Lockführern, die Horrormeldungen die damals durch die Presse geisterten waren die, dass damit nun 80 Millionen Mehrkosten auf die Bahn zukommen. Rechnen wir das mal auf die Personenkilometer um: 0,037 Cent pro Personenkilometer hat uns diese horrende Erhöhung gekostet (unter Berücksichtigung dass nur 36% Personenverkehr ist).

Da erscheint es mir dann schon merkwürdig, wenn die Bahn jetzt wieder 1,8 Prozent mehr Geld von den Kunden haben will. Zumal die Bahn ja in Sachen “Service” immer schlechter geworden ist, da vieles der Service-Leistungen wie Fahrkartenverkauf mittlerweile ja nur noch via Automat passiert. Die “Dienstleistungsgebühr” wurde ja gottseidank gekippt, aber ich habe den Eindruck, dass diese mit der angekündigten Erhöhung wieder durch die Hintertür eingeführt wird.

Und ich fürchte, dass das alles noch viel schlimmer werden wird wenn der aufgrund der Finanzkrise verschobene Bärsengang kommt und die Bahn teilprivatisiert wird. Was uns dann erwartet können uns die hochzufriedenen Kunden im Großraum Berlin erzählen.

Denker in Uniform

Die NachDenkSeiten haben heute einen höchst interessanten Artikel mit dem Titel “Bundeswehr: Marsch in die Vergangenheit“:

„Wir sind dabei, das Vertrauen der Afghanen durch die unverhältnismäßige Gewalt zu verlieren.“ Das schrieb der Oberstleutnant Jürgen Heiducoff, der von 2006 bis zu seiner Abberufung 2008 in der Funktion des militärischen Beraters in der deutschen Botschaft in Kabul war, in einem Brief an Bundesminister Frank-Walter Steinmeier. „Es ist unerträglich, dass unsere Koalitionstruppen und ISAF inzwischen bewusst Teile der Zivilbevölkerung und damit erhoffte Keime einer Zivilgesellschaft bekämpfen. Westliche Jagdbomber und Kampfhubschrauber verbreiteten Angst und Schrecken innerhalb der Zivilbevölkerung.“ Heiducoff, unter seinen Offizierskameraden als aufrichtig und engagiert geltend, warnte vor einer völkerrechtlichen Aushöhlung des UNO-Mandats und kritisierte in diesem Zusammenhang die sich immer mehr verselbständigende militärische Führung. Auch in der Informationspolitik gegenüber Politikern und Journalisten würde die militärische Lage unzulässig geschönt dargestellt. Die Militärführung und die sie stützende Bürokratie reagierte wie immer: Zunächst mit Druck.

Obwohl ich selbst nicht bei der Bundeswehr war halte ich unsere “Bürger in Uniform” trotz allem für Leute die sich eben entschieden haben, die Grundwerte unserer Demokratie eben notfalls auch mit militärischen Mitteln zu verteidigen. Zu den Grundwerten unserer Demokratie gehört aber meines Erachtens vor allem auch das Recht eines jeden Menschen die Handlungen die er tut oder zu denen er per Befehl verdonnert wurde zu hinterfragen und sich nötigenfalls auch Aktionen zu verweigern, die sich nicht mit seinem Gewissen vereinbaren lassen. Aus diesem Grund habe ich damals zur Hochzeit des Kalten Krieges auch den Wehrdienst verweigert, zu frisch waren Dinge wie Nato-Doppelbeschluß und der Abschuß von KAL 007 über Sachalin.

Dieser Artikel zeigt aber dann, dass Denker in Uniform wohl eher unerwünscht sind. So wie man sich es eben vorstellt, der Soldat hat zu kämpfen und nicht zu denken, das ist bei der Sache möglicherweise nur hinderlich. Wer trotzdem nachdenkt

wird zunächst als „Nestbeschmutzer“ stigmatisiert und der Konflikt zum individuellen Problemfall erklärt. Wenn Soldaten heute darüber hinaus riskieren, Missstände in der Bundeswehr oder der Sicherheitspolitik öffentlich aufzuzeigen, müssen sie mit harten Sanktionen oder Strafen rechnen.

Wir erinnern uns mal zurück, als die Mauer in Berlin fiel und Deutschland die Wiedervereinigung feierte. Wenig Grund zum Feiern hatten damals die Soldaten der DDR die wegen ihrer “Pflichterfüllung” an der innerdeutschen Grenze sich vor einem Gericht zu verantworten hatten, obwohl ihre Handlungen zur Zeit der Tat von DDR-Recht “gedeckt” waren. Damals hieß es, dass ein Soldat eben selbt auch feststellen muss  wann ein Befehl gegen internationales Recht verstößt und diesen dann eben nicht ausführen darf.

Heute, nicht mal 20 Jahre später kriegen mitdenkende Soldaten dann Probleme, wenn sie das was ihnen befohlen wird hinterfragen. So etwas ist bestimmt nicht das, was man gemeinhin unter dem Begriff “Rechtssicherheit” versteht.

Ich habe jedenfalls vor den Denkern in Uniform sehr viel Respekt, denn es zeigt dass es durchaus noch vernünftige Menschen bei der Bundeswehr gibt. Allerdings gehören diese wohl auch angesichts der Unionspläne die Bundeswehr auch im Landesinneren einzusetzen wohl zu der extrem unbequemen Kategorie, denn die könnten dann ja auch die Sinnhaftigkeit eines Inlandseinsatzes hinterfragen.

Seltsame Begrifflichkeiten

Wie unterschwellig die Journalisten uns zu manipulieren versuchen merkt man wenn man hin und wieder seinen Blick über die Schlagzeilen wandern lässt. Neulich tönte es noch “Die Mehrheit der Deutschen ist mit dem Wahlausgang zufrieden” wobei diese Mehrheit sich in 53 Prozent niederschlug. Heute abend lesen wir dafür von den als neoliberal bekannten Magazinen “Nur 77 Prozent für Gabriel”.  53 Prozent sind also eine klare Mehrheit, 77 Prozent (deutlich mehr als 2/3) hingegen reichen nur für ein “Nur”..?

Ja, ich weiß 53% sind die Mehrheit und 77% sind wenig wenn sonst solche Wahlentscheidungen mit Stimmanteilen >80% passieren. Aber andererseits dürfte der neue designierte Parteivorsitzende der SPD einen Höllenjob haben um die Partei wieder aus der Versenkung zu holen und sie vielleicht sogar wieder für Leute die in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Willi Brandt zugejubelt haben wählbar zu machen.

Auf der andern Seite sind 53% sozusagen eine sehr knappe Mehrheit, zumal hier ja tatsächlich nur eine Stichprobe genommen wurde und man sicher darüber philosophieren kann, ob diese Stichprobe tatsächlich für alle Deutschen repräsentativ ist.

Die politische Meinungsmache ist eben ein sehr subtiles Geschäft. Mein Tip an alle die sich hier ein wenig weiterbilden wollen: Lest das Buch “Meinungsmache” von Albrecht Müller.