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20 Dinge über mich

Momentan ist es in der deutschen Blogsphäre in, mal ein paar Dinge aus seinem Leben zu verraten. Angefangen hat die Buchautorin Pia Ziefle und auch Juna hat schon ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert. Also werde ich auch mal ein wenig erzählen warum ich so bin wie ich bin.

  1. Geboren wurde ich an einem Sonntag. Wir waren arm, meine Mutter Hausfrau und mein Vater Frührentner. Spielzeug gab es wenig außer einer Waschmittelkiste voll Lego-Steine und viele Wünsche mussten unerfüllt bleiben.
  2. Bereits im Säuglingsalter lernte ich die Gesetze der Physik kennen. Meine Geschwister durften mich im Kinderwagen schieben und gingen zu einem Hügel hier am Ort. Dort fast oben angekommen hatten sie die fabelhafte Idee für die Mama Blumen zu pflücken und so lernte ich als erstes die Hangabtriebskraft und ihre Wirkung auf einen Kinderwagen ohne Bremsen kennen. Das ganze endete mit einem Ausflug in die Botanik wo ich erste Erfahrungen mit Brennesseln machte.
  3. Auch in der späteren Kindheit hatte ich diverse Aha-Erlebnisse. Als wir beim Spielen alle „Bienen fangen“ spielten wunderte ich mich, warum meine Spielkameraden das so umständlich mit Gurkengläsern machen wollten, wo man doch zwei gut funktionierende Hände hat. Na ja, der Stachel der Erkenntnis sorgte dann für eine geschwollene Hand.
  4. In meinem Spielzimmer machte ich die ersten Erfahrungen mit Elektrizität als ich mit der Metallachse meines Spielzeugautos in einer Steckdose rumstocherte. Da bekam ich eine gewischt und kurz darauf nochmal eine von meinem Vater der als Elektriker sehr augebracht über meine Versuche mit der Elektrizität war. Trotzdem war mir klar, dass ich irgendwann wohl einen technischen Beruf ergreifen würde, denn der Funke war sozusagen übergesprungen. Zu Weihnachten gab es dann auch einen Philips-Elektronik-Experimentierkasten.
  5. Als Junge träumte ich davon als Pilot um die Welt zu fliegen und verschlang alle Pilotenbücher die es in der Stadtbücherei gab. Ich hätte damals bestimmt eine 747 landen können.
  6. Eines meiner traumatischsten Kindheitserlebnisse war, als ich im Sommer kurze Hosen anziehen wollte und meine Mutter das Wetter für „noch nicht warm genug“ hielt und mich zwang, unter der Shorts eine Strumpfhose zu tragen. Das war selbst für meinen schwach ausgeprägten Modegeschmack zuviel.
  7. Dank des Sputnik-Schocks hatte ich als Arbeiterkind trotzdem die Gelegenheit das Gymnasium zu besuchen. (Das mit dem Sputnik-Schock habe ich übrigens erst vor ein paar Monaten in einem Interveiw mit Georg Schramm erfahren). Da war ich aber nach 3 Jahren mit meinem Latein am Ende und hatte die zweifelhalfte Ehre, der schlechteste Schüler der ganzen Schule zu sein. Das Jahreszeugnis hatte 2 Sechser, 5 Fünfer und 4 Vierer zu bieten, hätte also für viermal Durchfallen gereicht. Unser damaliger Klassleiter Dr. Peter H. hat dann meiner Mutter auch prophezeiht, dass ich „zu doof für die Hilfsschule“ wäre.
  8. Meine Mutter hat sich zum Glück von dem Geschwätz des Pädagogen nicht einschüchtern lassen und mich vom Gymnasium runter auf die Realschule gesetzt. Dort durfte ich die 7. Klasse wiederholen und war bei gleichem Faulheitsnivau plötzlich vorne dran. Am Ende wurde der „zu doof für die Hilfsschule“ dann Diplom-Informatiker.
  9. Im Unterbewusstsein hängt mir das aber immer noch rum. Auf meiner Diplom-Urkunde steht „Die Fachhochschule Augsburg verlieht Rainer König den akademischen Grad Diplom-Informatiker (FH)“ und in meine schlimmen Alpträumen (absichtlich mit „p“ geschrieben, auch wenn man es nach der neuen Rechtschreibreform mit „b“ schreiben kann) will die FH den Titel zurückhaben, denn er ist ja nur verliehen.
  10. In der Zeit an der Fachoberschule (zweiter Bildungsweg) hatte ich dann auch mal die Marine in Kiel besucht um mich über eine Offizierslaufbahn schlau zu machen. Nach dem Fachabitur kam dann aber die Mitteilung, dass ich noch nicht mit meiner Einberufung zu rechnen habe, so fing ich mit dem Studium an.
  11. Kaum im Studium sollte ich dann zum 1. Januar nach Mittenwald einrücken. Das konnte ich vermeiden und erst mal studieren. Damals passierte dann auch KAL007 und mir war klar, dass ich eigentlich nicht beim Kriegspielen mitmachen wollte. Also habe ich den Wehrdienst verweigert als man mich nach dem Studium einziehen wollte. Wehrdienstverweigerung wurde damals mit 20 Monaten „Zuvieldienst“ belohnt. Ich durfte zunächst in eine Klink nach Zusmarshausen und wurde dort ohne Vorwarnung auf Patienten mit offener TBC losgelassen. Das führte dazu, dass ich mich weigerte da weiter meine Zivildienst zu machen, und wurde dann nach drei Monaten zum Fahrdienst beim Malteser Hilfsdienst versetzt.
  12. Diese 17 Monate Schichtdienst im Behinderten-Taxi waren rückblickend sehr lehrreiche und wichtige Monate in meinem Leben. Klar, ich war Ingenieur und wollte das große Geld verdienen, aber in dieser Zeit lernte ich viele Menschen kennen, die weitaus größere Probleme hatten als ich und die trotzdem frohen Mutes waren und sich nicht unterkriegen ließen. Das relativiert die Sichtweise auf die eigenen Problemchen sehr.
  13. Nach dem letzten Prüfungstag im Studium wollte ich mit meinen Freunden einen kleinen Camping-Urlaub in Venedig machen. Doch an diesem Donnerstag kam auch ein Brief zum Siemens-Einstellungstest in München Perlach am kommenden Montag. Egal, wir fuhren trotzdem nach Venedig und wollten am Sonntag zurückkommen. Allerdings sind wir ein wenig zu lange in der Disco oben auf dem Zirler Berg hängengeblieben und so kam ich erst gegen 5:30 Uhr nach Hause, und bin dann gleich mit dem Zug zum Einstellungstest. Da war ich wohl zu müde um was falsch zu machen und weil der Test so gut lief wollte mich Siemens dann nach Ende des Zivildienstes gleich einstellen. Also fing ich  dort als Softwareentwickler an und durfte mich die ersten Jahre mit Cobol-Spaghetti-Code rumärgern. SAP-Kurse durfte ich machen, aber diese Erbsenzählerei war für mich nicht so toll, auch wenn man mir bescheinigte ich könne das gut.
  14. Politisch war ich erstemals in meiner Studienzeit aktiv. Damals lernte ich die Ortsgruppe von amnesty international hier kennen und wir schrieben Briefe (damals noch richtig auf Papier) an die Botschaften von z.B. Chile um unsere Besorgnis über das Verschwinden von Oppositionellen in dem Land zu bekunden. Da waren wir die guten, als wir gegen die deutschen Rüstungsexporte wetterten waren wir die Bösen.
  15. Meine Eltern starben beide an Krebs, mein Vater hat hier wohl die Quittung für 2 Schachteln Zigaretten am Tag bekommen. Aus diesem Grund bin ich auch überzeugter Nichtraucher seit über 40 Jahren, als Kind haben wir ja das auch mal probiert, denn damals galt man ja als „groß“ wenn man eine Zigarette qualmte.
  16. Eines meiner Hobbies ist das Lesen. Ich kann nicht mehr zählen, wieviele Bücher und „Groschenromane“ wie Jerry Cotton oder Perry Rhodan ich in meinem Leben gelesen habe, vieles war rein zur Unterhaltung, vieles aber auch um etwas neues zu lernen. Ich bin ja mehr der Autodidakt und versuche mir alles selbst beizubringen.
  17. Von meinem ersten Gehalt kaufte ich übrigens ein Casio-Keyboard. Mein Cousin hatte damals eine tolle Orgel und bei uns hatte es wegen Geldmangel nur für eine Art „Melodica mit Gebläse“ gereicht die fürchterlich klang. Also investierte ich damals mein erstes Gehalt um mir ein kleines Keyboard mit Rhythmusgerät zu kaufen, sozusagen eine Kompensation für unerfüllte Kindheitsträume. Mittlerweile bin ich bei der Gitarre gelandet, trotz meiner dicken Wurstfinger. Als Kind hatte ich einen Schulkameraden der eine E-Gitarre hatte, die habe ich auch mal in die Hand genommen und dann mit der Erkenntnis „Wurstfinger sind inkompatibel“ wieder weggelegt. Hätte ich damals nur mehr Ehrgeiz gehabt, denn auch mit Wurstfingern kann man spielen, allein die Übung macht es.
  18. So richtig politisch interessiert bin ich erst, seit ich Kinder habe. Damals wurde mir von einem Kanzler die Horrorstory von der Versorgungslücke im Alter aufgetischt und ich habe mich zu einem Riestervertrag nötigen lassen. Den habe ich mittlerweile aber längst gekündigt und das Versicherungsunternehmen freut sich bestimmt über mein Lehrgeld. Es war eine gute Investition, denn es hat mich gelehrt sehr genau zu hinterfragen, wem das, was man einem angeblich gutes tun will wirklich nützt.
  19. Das Internet finde ich toll. Früher in der Steinzeit schrieb ich fleißig Leserbriefe an unsere Lokalzeitung und hin und wieder wurde was abgedruckt. Dann kam die Zeit von BTX und CompuServe wo ich in Foren unterwegs war und der Spiegel sogar einmal mit einem von mir in Compuserve verfassten Kommentar Werbung machte.  Jetzt im Internet kann ich einfach schreiben was ich denke und manche lesen das sogar. 🙂
  20. Mittlerweile bin ich zwar nicht reich was das Geld angeht, dafür aber durchaus reich an positiven wie negativen Lebenserfahrungen. Und als es mir finanziell mal so richtig gut ging dass ich mir sogar größere Wünsche hätte erfüllen können merkte ich plötzlich, dass diese materiellen Dinge einen nicht wirklich glücklich machen. Viel wichtiger ist es ein Lebensziel zu haben, das über die Anhäufung von Besitztümern hinausgeht und mit seiner Zeit was Sinnvolles anzufangen. Wobei die Definition von „sinnvoll“ durchaus variieren kann. Früher fand ich andere Dinge als heute sinnvoll. Früher war ich mehr so der eigentbrötlersiche Nerd der vor dem PC sitzt, Kartoffelchips mampft und blöde Spiele spielt. Heute bin ich mehr der Mensch, der gerne diskutiert, auch online wenn er denn die passenden Diskutanten findet. Das müssen keine Ja-Sager sein die mir recht geben, sondern Menschen die einfach einen Eindruck hinterlassen weil sie eben auch Wissen und Erfahrungen haben. Hier bin ich gerne der Sokrates, der seine Mitmenschen einfach zum Nachdenken und reflektieren anregen will.

So, jetzt wisst ihr ein paar Details mehr über mich.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.