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Ein kurzer Blick auf openSUSE 13.2

Diese Woche hatte ich mal die Gelegenheit im Testlabor das neue openSUSE 13.2 ein wenig auszuprobieren. Die Installation erfolgte auf einer High-End-Workstation die da gerade rumlag. Und verlief relativ problemlos, doch ein paar Wermutstropfen fand ich schon. Ich habe einmal mit KDE und einmal mit XFCE jeweisl mit Default-Settings installiert und in beiden Fällen stand ich ziemlich doof da weil zwar die Applets für den NetworkManager installiert wurden und auch liefen, aber eigentlich keine sachdienlichen Informationen zu den vorhandenen Netzwerken lieferten. Der Aha-Effekt kam dann als ich in YaST sah, dass die Netzwerkkarten nun von wicked verwaltet werden, sprich es läuft kein NetworkManager und damit haben auch die Applets nichts auf das sie sich beziehen könnten. Natürlich kann man das wieder auf NetworkManager umstellen, aber der ahnungslose Nutzer steht erst mal da und wundert sich, ein klarer Verstoß gegen die „Rule of the least surprise„.

Eine weitere Überraschung erlebt man, wenn man mal schnell ins Syslog schauen will, das gibt es nämlich nicht mehr. openSUSE 13.2 ist hat nun den journal-Daemon von Systemd installiert und das bedeutet, dass alle Log-Einträge in einer binären komprimierten Datei gespeichert werden. Um ins Log zu schauen muss man nun ein Tool namens journalctl nutzen. Auch das erzeugt erst mal Stirnrunzeln, vor allem wenn man seit einer gefühlten Ewigkeit in /var/log/messages nach Problemen sucht und dazu halt die Standardtools wie grep bemüht. Geht alles auch irgendwie mit journalctl, aber erfordert wieder einen neuen Lernprozess. Ich werde das wohl auch lernen müssen, denn viele Distributionen tendieren nun stark zu Systemd während andere das eben genau wegen den binären Logdateien ablehenen. Was ich durchaus verstehen kann, denn einfacher wird es dadurch nicht. Oft schieße ich mir die Logfiles eines Rechners mit Problemen auf meinen Arbeitsdesktop hoch wo ich sie dann mit vielen Tools sezieren kann und z.B. mit fldiff mit anderen Logfiles (wo das Problem beispielsweise nicht auftritt) vergleichen muss. Diese Toolchain ist jetzt „broken“ wenn der Büro-Rechner nicht auch mit systemd läuft, denn dann habe ich kein journalctl und kann die Rohdaten nicht auswerten. Was IMHO sehr schade ist.

Ansonsten ist bei openSUSE nicht besonders viel Aufregendes zu sehen. Es funktioniert wie es soll, wenn man von den paar Stolpersteinen absieht die Neulingen in den Weg gelegt werden.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

4 Kommentare

  1. Open Suse. Lang ists her. Ich glaub das war so 1996, als ich da mal Installationsdisketten in der Hand hatte. Da war das mit dem Netzwerk auch sehr seltsam gelöst, zumindest anders als mit Trumpet Winsock 😀
    Nee, mal im Ernst. Taugt dieses Yast mittlerweile was? Und unterscheiden die immer noch zwischen yast und yast2? Ich fand das immer seltsam.

  2. @martin Unterschieden wird dazwischen noch immer, jedoch ist yast2 das Standardtool und es funktioniert ziemlich gut.
    Was nicht bedeutet, dass andere Konfigurationswege verschlossen bleiben.

    Ich selbst benutze openSUSE jetzt seit der Version 10 durchgängig auf allen meinen Systemen und sogar in der Firma produktiv als Entwicklungssystem für ein großes Datenprojekt.

    Es gab immer wieder mal größere und kleinere Nickligkeiten, aber keine großen Bockschüsse.
    Allesamt Geschichten, über die man streiten kann (und wohl auch ewig streiten wird…) wie etwa Grafiktreiber, MP3-Unterstützung…

    Systemd oder nicht ist da nur der letzte Streit all jener, die in der Hauptsache Systeme administrieren und warten.
    User, die mit dem System überwiegend arbeiten, finden dagen die Zusammenfassung in systemctl und journalctl durchaus gut, man sucht nicht dauernd nach dem richtigen Startpunkt für irgendeinen Service oder Hinweisen, warum was gerade nicht geht.

    Die Sache mit dem Netzwerk ist normalerweise aber nicht problematisch:
    In Vorversionen entschied der Installer, je nachdem ob er vermutet sich auf einem Laptop oder einem Desktop zu befinden entweder den NetworkManager oder ifup zu bentutzen.
    Seit 13.2. kommt aber der NetworkManager offenbar als Standard.

    Da hast du offenbar einen Bug im Installer gefunden, Rainer. 😉

    • Bugs finde ich ja alle Naselang, und quer über alle Distributionen. openSUSE habe ich damals vor vielen Jahren produktiv im Testlabor genutzt als es noch „SUSE Linux Professional“ hieß. Als man mir mit einem Update aber dann den Support für das TokenRing-Netzwerk kaputt machte war ich relativ sauer, auch wenn das Problem natürlich behebbar war. openSUSE ist eben mehr oder weniger „bleeding Edge“ und für was Stabiles nimmt man eben Debian. Mache ich seit Jahren und bin relativ zufrieden damit, auch wenn Debian an manchen Stellen schon arg antik scheint.

  3. Klingt aber so, als könnte ich als bloßer Anwender das mal wieder ausprobieren. wie siehts mit der Paketauswahl aus? So Umfangreich wie Debian oder Fedora?