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Ene mene muhh, der Terrorist bist Du

Manche Dinge sind so krass, die kann man als vernünftiger Mensch sich gar nicht ausdenken. So zum Beispiel die neueste Idee des britischen Innenministeriums, dass man doch nun auch in Kinderkrippen und Kindergärten nach „auffälligen Verhaltensmustern“ Ausschau halten soll um zukünftige Terroristen bereits in der frühkindlichen Phase des Terrorismus zu identifizieren und notwendige Gegenmaßnahmen einzuleiten. Oh, ja, kleine Kinder können schon Terroristen sein, das weiß ich als Vater von zwei kleinen Nervensägen aus leidvoller Erfahrung zu berichten. Und auch so macher Windelinhalt den wir als Eltern entsorgen mussten hätte durchaus das Zeug gehabt, als Massenvernichtungswaffe eingestuft zu werden.

Aber was die Briten da wieder ausgeheckt haben ist geeignet jedem klar denkenden Menschen Alpträume zu bescheren. Denn mal ernsthaft, was sind denn die Verhaltensmuster auf die man achten sollte? Der Artikel sagt unter anderem:

Von den Mitarbeitern wird erwartet, dass sie Kinder identifizieren, bei denen dieses Risiko besteht, und dass sie extremistische Ideen, die dazu benutzt werden, um Terrorismus zu legitimieren, kritisch entgegnen.

Extremistische Ideen die dazu benutzt werden um Terrorismus zu legitimieren? Also so was wie wenn ich behaupte „Der Mohamed von den Taliban ist ein ganz böser Extremest“ und den dann samt einer Portion umstehender Passanten mittels Drohne ins Jenseits schicke?

Leider kommt es noch krasser:

Es ist wichtig, dass Kindern fundamentale britische Werte in einer dem Alter angemessenen Weise beigebracht werden. Für Kleinkinder heißt das, dass sie lernen, richtig von falsch zu unterscheiden, und dass die Erzieher sich kritisch mit negativen Haltungen und Vorurteilen auseinandersetzen.

Da drängt sich unwillkürlich die Frage nach der Deutungshoheit für „richtig“ oder „falsch“ auf. Und was sind bitteschön „fundamentale britische“ Werte? Das was man während der Kolonialzeit über den Planeten verbreitet hat?

Da beschleicht mich doch das Gefühl, dass man hier sozusagen die Terrorismuskeule gegen Kinder schwingen will, die eben nicht ins „Schema F“ passen und sich vielleicht sogar anmaßen, die britischen Werte zu hinterfragen.

Und Terrorismus ist ja auch so eine Sache der Interpretation. Das kann auch mal gewalttätige Fußballfans treffen. Und wie wir unlängst aus diversen Meinungsumfragen gelernt haben ist man ja durchaus geneigt, Verdächtigen denen man Terrorismus vorwirft ihre Menschenrechte abzuerkennen. Sie zu foltern und nötigenfalls auch mal ohne Gerichtsverfahren hinzurichten.

Tja, da fällt mir nur noch ein, dass Orwell wohl ein hoffnungloser Optimist war…

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

6 Kommentare

  1. Ist es übertrieben, wenn ich zum Ausdruck bringe, dass mich da ein ganz doppelplus ungutes Gefühl beschleicht?

    • Nein. Denn dieses ganz ungute Gefühl beschleicht mich auch schon seit langem. Spätestens seitdem man hier bei uns die Kindertagesstätten nach ISO 9000 zertifiziert und Kinder wie Werkstücke am Fließband behandeln will…

  2. Blogwart …………… Sippenhaft …………… ?????????????? Und alles andere, was wir unter diesem Thema aus der Geschichte schon zu genüge kennen!!

    • Immerhin wissen wir jetzt, dass Blockwarte und Abschnittsbevollmächtigte ein deutscher Exportschlager sind … 🙁

  3. Ich soll auch noch schön von einem Herrn McCarthy grüßen. Er hatte Tränen der Freude in den Augen.