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Onlinezwang?

Meine Tochter muss zu einem Facharzt und der Termin ist innerhalb der Unterrichtszeit. Sollte ja kein Problem sein diesen Nachmittag mal kurz frei zu nehmen, denn gesundheitliche Belange haben ja Vorrang vor dem Unterricht. Aber natürlich will man das passend ankündigen und daher habe ich persönlich im Schulsekretariat angefragt, ob sie mir denn ein Formular hätten um diese Freistellung zu beantragen.

Die Dame im Sekratariat hat sich dann befleißigt mir zu erklären, dass das ja im Elternbrief stand und man diese Formulare nun im Internet aus einem geschützten Bereich runterladen kann. Und dann hat sie mir eine A4 Seite ausgedruckt, wo groß die URL des geschützten Bereichs draufstand sowie die Zugangsdaten, also Nutzername und Passwort.

Da ich an diesem Tag keinen Nerv für Diskussionen hatte bin ich nach Hause gefahren und habe mir pflichtbewußt das Formular runtergeladen, ausgefüllt (von Hand, denn obwohl PDF hat es keine editierbaren Felder) und dann habe ich das wieder in die Schule gefaxt, denn man ist ja fortschrittlich. Trotzdem frage ich mich:

  • Was machen Eltern, die nicht „online“ sind? Bekommen deren Kinder keine Befreiung mehr vom Unterricht?
  • Was soll der Murks mit „geschützer Bereich“ wenn dann die Zugangsdaten quasi öffentlich ausgegeben werden? Da kann man sich das „geschützter Bereich“ auch gleich sparen.
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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

5 Kommentare

  1. Carsten Kettner

    10/02/2015 @ 07:43

    Diese Art von Online-Zwang und Digitalisierung von Verwaltungsgängen an Schulen spiegelt perfekt die Medienkompetenz an solchen wider. Ich muß mich auch immer wieder über den elektronischen Fortschritt an der Schule meiner Kinder wundern; angefangen bei einer Website, die kaum gepflegt wird, über Übungsaufgaben, die in geschützten Bereichen liegen bis hin zu PowerPoint-Präsentationen bei Elternabenden. Gerade die PPT-Präsentationen zeigen, wie man grundsätzlich alles falsch machen kann (überfrachtet, zu kleine Schriften, epische Romane etc.). Und dann sollen die Kinder den richtigen Umgang mit schlicht den Anwendungen auf PCs in den entsprechenden Fächern lernen?
    Meine Zweifel wachsen, und ich stimme dem thüringischen Datenschutzbeauftragten zu (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Datenschutzbeauftragter-Schuelern-fehlt-Medienkompetenz-2543695.html). Denn auch der Umgang mit sozialen Medien sollte in der Schule differenziert diskutiert werden.

    • Was PowerPoint betrifft, da halte eich es mit diesem Artikel. Und habe mir daher lieber das Buch „Presentation Zen“ von Garr Reynolds gekauft und schaue mir lieber echte professionelle Präsentationen auf TED an als diese Bullet-Wüsten die man mit PowerPoint verbricht.

  2. „Eigentlich“ geht es „nur“ darum, Kopierkosten zu sparen!

    Seien es nun Arbeitsblätter für die Schüler oder Formulare für die Eltern!!

    NICHTS anderes ist hier gewünscht!

    Außerdem möchte man sich die „nervigen“ Nachfragen der Eltern ersparen, die „immer“ irgendwas vom Sekretariat wollen!

    Oder hattest Du ernsthaft was anderes vermutet?? 🙄

    Übrigens habe Ich mich erst letztends über einen Stundenplan-Ausdruck geärgert, auf dem unten stand

    ………… hier könnte ihre Werbung stehen ……………

    • „Hier könnte ihre Werbung stehen“. Ich könnte kotzen. Bildung muss frei sein und nicht von den Bertelsmännern der Republik diktiert (CHE lässt grüßen), wenn ich Spaghetti Bolognese will kann ich mir die kochen und muß keine Hochschulreform starten. Aber klar, im Neoliberalismus geht alles vor die Hunde und zuallererst Bildung, denn kritische Bürger stören ja nur.

      • Eine Grundschul-Lehrerin sagte die Tage zu mir, dass wir eigentlich nur noch

        „systemkonforme, wirtschaftlich interessante und widerspruchslose Menschen“

        in den Schulen formen lassen.

        Wenn man sich dann so umschaut……………… der Eindruck drängt sich einem sehr stark auf.