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Der Tag an dem es dunkel wurde

Sonnenfinsternis 1999Morgen ist es so weit. In Mitteleuropa ist eine Sonnenfinsternis zu sehen, die bei uns leider keine totale Finsternis sein wird, so wie das zuletzt am 11. August 1999 der Fall war. Das nebenstehende Bild stammt von diesem Ereignis und zeigt die Endphase der Finsternis, ein ähnliches Bild ist morgen zu erwarten, denn der Wetterbericht hat einen schönen wolkenlosen Frühlingstag für Augsburg angekündigt. Die Sonnenfinsternis taucht ja schon seit einiger Zeit immer wieder in den Medien auf, hauptsächlich aber um die Panik vor einem Stromausfall zu schüren, denn wenn es „plötzlich“ dunkel wird hat der Solarstrom natürlich ein Problem.

Allerdings impliziert der Begriff „plötzlich“ eigentlich einen Moment der Überraschung und so ein Ereignis wie eine Sonnenfinsternis kommt alles andere als überraschend, denn der Termin ist schon lange bekannt, man könnte sich also bestens darauf vorbereiten.

Wer sich anscheined aber überhaupt nicht darauf vorbereitet hat sind unsere Schulen. Das Blog „Skyweek Zwei Punkt Null“ hat hier einen schönen Rant über die verpasste Chance an den Schulen. Man muss allerdings der Fairness halber auch sehen, dass die Schulen hier als Institutionen die die Aufsichtspflicht über die Kinder haben in einer gewissen Streß-Situation sind, denn sollte ein Kind ohne enstprechenden Schutz zu lange in die Sonne schauen drohen Augenschäden. Mela hat hier heute auf sehr wichtige und ernstzunehmende Hinweise zur Beobachtung der Sonnenfinsternis hingewiesen. Da ist es klar, dass die Schulen auf Anweisung der Ministerien die Kinder lieber in einem abgedunkelten Raum einsperren als das Risiko einzugehen, dass eines der Kinder Augenprobleme erleidet. Ja, verstehe ich, denn die Verantwortung für Augenschäden will keiner tragen. Also packt man die Herde der unberechenbaren Kinder einfach weg.

Dabei wäre es ein einfaches gewesen, sich auf dieses Ereignis entsprechend vorzubereiten. Jedes Schuljahr darf ich eine Menge Geld für „Kopiergeld“ abdrücken, da hätte ich auch noch 5 Euro drauf gelegt damit die Schule eine Sammelbestellung der Pappbrillen machen kann und so jeder Schüler eine bekommt. Dann könnten die Kinder dieses Schauspiel verfolgen und bei entsprechender Begleitung durch den Unterricht auch etwas lernen. Es ist relativ müßig, über mangelnde Studienanfänger in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft & Technik) zu jammern und dann ein solches Ereignis das die Begeisterung für die Wissenschaft wecken könnte ungenutzt im abgedunkelten Klassenzimmer verstreichen zu lassen.

Meine Tocher hat den Vorteil, dass sie gerade krank daheim ist und da ich die Sonnenfinsternis-Brillen von 1999 noch habe kann sie morgen dieses Schauspiel sehen ohne Augenschäden befürchten zu müssen und undabhängig davon, wie ihre Schule das Ereignis handhaben wird. Und auch mein Sohn bekommt eine Brille mit in die Schule, ich hoffe er kann sie nutzen und wird nicht von diesem Naturereignis ausgeschlossen.

Denn auch wenn es nur ein Schatten ist den der Mond wirft, so ist eine Sonnenfinsternis doch etwas, was man nur selten zu sehen bekommt und was einem bewußt macht, wie klein und unbedeutend man doch ist. Ich erinnere mich noch gut an den 11. August 1999, auch ohne die Bilder die ich damals gemacht habe. Es war ein besonderer Tag, damals als „der Tag der schwarzen Sonne“ in den Medien und statt Panikmache hat man die Leute neugierig auf dieses Ereignis gemacht.

Update (20:44 Uhr): Auch Julias Kinder werden weggesperrt.

Update (21:00 Uhr): Martin, ein Lehrer, ist ebenfalls stinksauer.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

4 Kommentare

  1. Carsten Kettner

    19/03/2015 @ 21:07

    Ich kann mih auch noch sehr gut an die Finsternis von 1999 erinnern: das war ein tolles, volksfest-ähnliches Event von leider kurzer Dauer, aber es war spektakulär.
    Bezüglich des Wegsperrens der Kinder in Schulen ist leider noch hinzuzufügen,, dass der Kommerz offenbar die kommende partielle Sonnenfinsternis auch total verpennt hat: wer vor einer Woche noch versucht hat, eine Brille zu bekommen, ging in der Regel leer aus: Entweder die Läden (darunter auch F***mann in Rhein-Main) haben gar keine geordert, oder viel zu wenige. Der Physiklehrer meines Sohns war dagegen tough und hat von der örtlichen Sternwarte einen Klassensatz bekommen. Warum die Schule sich für die ganze Schülerschaft nicht darum gekümmert hat, ist mir allerdings auch ein Rätsel.
    Meine Tochter lassen wir dagegen lieber aus dem Kindergarten bevor irgendjemand auf die Idee kommt, bei der Finsternis nach draussen zu gehen und es sich anzuschauen. Da ist bei uns der Stressfaktor am Ende zu groß, dass sich Erzieherinnen überfordert zeigen könnten.
    Alles in allem ein Trauerspiel…

    • Zitat Carsten: “ Da ist bei uns der Stressfaktor am Ende zu groß, dass sich Erzieherinnen überfordert zeigen könnten.“

      es gibt Kiga’s, die heute geschlossen haben.

      Zitat Carsten: „Alles in allem ein Trauerspiel…“

      JA

      mangelnde Kommunikation ist hier der ausschlaggebende Punkt!

      Das man als Eltern auch mal was vergisst, nicht realisiert ………….. aber Schulen ?? Physiklehrer??

      Naja, wenn man sieht, wie das Thema Optik in der Schule aufbereitet wird………… und wie die Schulbücher es aufgreifen……….. manchmal rätsel ich rum, wer denn diese Bücher verbrochen hat. *Ironie off*

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