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Facebook und die Polizei

Heute nachmittag hatte ich mit meiner Tochter einen sehr interessanten Termin im Polizeirevier. Grund war die Einladung zu einer Zeugenaussage, denn eine auf mich registrierte Prepaid-Telefonnummer wurde von einem Facebook-Account als Kontaktnummer angegeben und der Account-Inhaber hat sich bei einem anderen Facebook-Nutzer so unbeliebt gemacht dass er eine Anzeige bekam. Und da diese Prepaid-SIM-Karte im Handy meiner Tochter steckt durfte die mit zur Aussage kommen.

Um keine Details über laufende Ermittlungen zu veröffentlichen sind die Personen im folgenden einfach „Polizist“, „Täter“ und „Opfer“. Irgendwie vermutet die Polizei, dass der Täter wohl in einem anderen Bundesland sitzt, wie sie darauf kommen, wurde uns jedoch nicht mitgeteilt. Der Täter hat dabei wohl in einer öffentlichen Gruppe auf Facebook das Profilbild des Opfers genommen und mit einem Text versehen (gibt es für diese schlauen Sprüche eigentlich eine API?). Der Text war jedoch alles andere als schmeichelnd, denn da stand „I like to have a dick in my ass“. Mit dem Bild des Opfers.

Der war natürlich nicht angetan von diesem Posting und forderte den Täter sofort auf, es zu löschen, da er sonst Anzeige erstatten würde. Der Täter hat diese Aufforderung ignoriert und so kam es dann zur Anzeige gegen Unbekannt und weil der Täter irgendwie die Telefonnummer von Töchterchens Handy irgendwo im Profil hatte kamen wir mit ins Spiel.

Dass meine Tochter hier nichts mit zu tun hat war spätestens in dem Moment klar als sie meinte, die verstehe den beleidigenden Text nicht weil sie noch nicht so gut Englisch kann. Und von dem anderen Bundesland sind wir weit entfernt und haben uns dem in den letzten 15 Jahren auch kaum genähert.

Bleibt die Telefonnummer. Entweder hat der Täter sie „erfunden“ und dabei halt uns erwischt, oder er hat sie über irgendwelche Querverbindungen. Bei über 400 „Freunden“ die Töchterchen auf Facebook hat würde es mich nicht wundern, zumal ja Messenger-Programme wie „WhatsApp“ wohl auf der Telefonnummer als Identifikationsmerkmal beruhen und die Nummer daher mehr oder weniger „öffentlich“ ist.

Unsere Zeugenaussage war dann auch, dass wir nix wissen. Töchterchen glaubt zwar, vom Opfer schon mal Postings irgendwo gesehen zu haben, aber sicher ist das nicht. Das Opfer ist 21 Jahre alt und auch der Täter dürfte in diese Altersgruppe fallen. Mir tut eigentlich der Polizist leid der wegen dieses idiotischen Vorfalls nun eine Menge Papierkrieg hat. Seitenweise Screenshots vom Handy als „Beweis“ und kaum eine Chance, den Täter zu ermitteln.

Am Ende wird das Verfahren wohl wegen „Täter nicht zu ermitteln“ eingestellt werden und in die Statistik der ständig steigenden Internet-Kriminalität einfließen. Und irgendwelche Politiker werden wieder schwadronieren dass das Internet kein rechtsfreier Raum sein darf und wir unbedingt Vorratsdatenspeicherung und Totalüberwachung brauchen um mit den Tätern wieder auf Augenhöhe zu sein. Und das alles weil irgend ein idiotischer Halbstarker glaubt auf Facebook rumpöbeln zu müssen.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

1 Kommentar

  1. Tja, es wäre schön, wenn das in der Kriminalstatistik fein säuberlich getrennt würde,
    was reine Pöbelei,
    was Hetze
    und was Kriminell ist.
    Da wären wir schon einen riesen Schritt weiter.

    Wichtiger wäre, wenn Facebook tatsächlich sich die Posts wirklich durchlesen würde! Und nicht mit einem (wie mir scheint) Bilderkennungsprogramm arbeitet. Denn manches bleibt, obwohl deutliche Hetze, einfach so offen stehen.

    Geht ja auch in allen direkten Delikten, dass es da die feinen Unterscheidungen in der Statistik gibt.

    Ich bin jedenfalls froh, dass außer dem unerfreulichen Termin bei der Polizei die ganze Sache für Euch glimpflich verlaufen ist.