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Qualifiziert euch!

Vorletzte Woche kam in unserer Lokalzeitung die Nachricht, dass der Autozulieferbetrieb hier um die Ecke gerade die Hälfte der Belegschaft entlassen hat. Das macht natürlich betroffen, zumal ich vor vielen Jahren dort auch mal einen Ferienjob gemacht habe.

Die Firma ist in Insolvenz und laut Zeitungsartikel war dieser Schritt trotz voller Auftragsbücher notwendig. Aber die Aufträge brachten wohl nicht genügend ein um die Arbeitsplätze zu erhalten. Da kratzt man sich dann schon am Kopf und fragt sich, wie das kommen kann. Klar, man hört ja immer, dass der Druck in disem Geschäft gigantisch ist und nicht die Zulieferer den Preis bestimmen, sondern die Abnehmer, also Konzerne wie Volkswagen die ja gerade wegen anderen Mauscheleien in den Schlagzeilen sind. Aber prinzipiell scheint es wohl so abzulaufen wie bei der Milchwirtschaft. Da diktieren auch die Abnehmer den Preis und die Bauern müssen sehen, wie sie damit überleben können.

Besonders könnte ich mich aber wieder über Formulierungen wie „Die Betroffenen werden in eine Transfergesellschaft überführt und es wird versucht, sie hier zu qualifizieren.“ Oder anders ausgedrückt, sie sind erst mal aus der Arbeitslosenstatistik herausgerechnet. Die Transfergesellschaft macht einen guten Schnitt weil das ja von der Bundesagentur für Arbeit bezaht wird. Und diess „Qualifizieren“ dürfte ein Schlag ins Gesicht aller sein, die jahrelange Berufserfahrung haben. Wofür bitte sollen sie sich denn „qualifizieren“? Für einen nicht vorhandenen Arbeitsmarkt? Klar, die Anbieter von Qualifizierungstrainings freuen sich, denn so eine Maßnahme spült kräftig Geld in die Kasse. Für die Betroffenen dürfte es aber kaum was bringen außer „Beschäftigungstherapie“.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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