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Wie die Aufmerksamkeit gekapert wird

Fefe hat heute einen sehr tiefschürfenden Beitrag verlinkt. Es geht darum, wie moderne Technologie uns austrickst und unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht, obwohl wir eigentlich andere Dinge tun sollten.

Hier eine kurze Zusammenfassung der einzelnen Strategien:

  1. Wenn Du das Menü bestimmst, kontrollierst Du was gewählt wird. Das ist ein wenig wie in der Politik. Wenn man nur zwischen „Republikanern“ und „Demokraten“ auswählen kann, dann wird man keine „Grünen“ wählen. Ein wenig erinnert mich dieser Punkt an Barry Schwartz und seinen Vortrag „The Paradox of Choice„.
  2. Platziere einen Spielautomat in der Hosentasche. Hier geht es um das ständige „Checken“ des Smartphones weil man ja immer wieder mal mit „Notifications“ belohnt wird. Du hast Post. Yeah.
  3. Die Angst etwas wichtiges zu verpassen. Natürlich müssen wir permanent online sein, denn wir könnten ja etwas Wichtiges verpassen. Leider verpassen manche dabei ihr „real life“. Im Kontext von Nachrichtenkanälen sieht man zu welchen Auswüchsen das passiert wenn man nach Ereignissen wie Flugzeugabstürzen oder Wahlen im Minutentakt „Updates“ raushaut obwohl keinerlei gesichterte Erkenntnisse vorliegen.
  4. Soziale Anerkennung. Ja, wir alle sind stolz auf unser Facebook-Posting das 1342 Likes bekommen hat oder auf den Tweet der 132 mal „gefaved“ wurde. Aber ist das wirklich wichtig?
  5. Soziales „eine Hand wäscht die andere“. Ich folge Dir, also folgst Du bitte auch mir, auch wenn Dich mein Gesabbel ganz und gar nicht interessiert. Besonders beliebt bei Jugend.
  6. Teller ohne Boden, unendliche Fedds und Autoplay. In einer Studie hat man herausgefunden, dass der Mensch der aus einem Teller isst der sich ständig neu auffüllt nicht aufhört zu essen wenn er satt ist. Diesen Trick nutzen dann die Social Networks um den „Stream“ unendlich zu machen. Oder hat schon mal einer in seiner Timeline bis ans Ende gescrollt? Eben. Und dann gibts da noch das „Autoplay“ um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
  7. Sofortige Unterbrechung statt „rücksichtsvoller Information“. Ich schreibe was und bei Dir muss es sofort piepsen. Möglichst laut und aufdringlich, damit Du Dich sofort darum kümmerst.
  8. Deine Gründe für etwas mit ihren Interessen verknüpfen. Aus diesem Grund sind die Dinge, die man am häufigsten im Supermarkt einkauft maximal weit weg vom Kassenbereich, denn auf dem Weg dorthin siehst Du dann all die anderen tollen Angebote die Du zwar nicht brauchst, die Du aber trotzdem kaufst weil sie ja gerade so günstig sind.
  9. Unbequeme Auswahlmöglichkeiten. „Natürlich können Sie ihre Zustimmung zum Empfang unserers Newsletters jederzeit widerrufen. Dazu begeben Sie sich bitte nach Alpha Centauri wo in einer Toilette die Formulare dafür ausliegen.“ Du kannst Dich online anmelden, zum abmelden aber bitte konventionell per Telefon zu bestimmten Uhrzeiten. Ich will nicht dass Du gehst, also mache ich es Dir so schierig wie möglich.
  10. Falsche Aufwandsschätzungen um den Fuß in die Tür zu bekommen. Kennen wir alle. Haste mal 2 Minuten? Und dann 2 Stunden später ist man endlich fertig. Hätte man es vorher geahnt, wie lange es dauert hätte man ja „Nein“ gesagt. Aber so ist man wieder in die Falle getappt.

Eine schöne Aufzählung der Strategien wie man unsere Aufmerksamkeit von den Dingen ablenkt die wir tatsächlich auf unserer eigenen „ToDo-Liste“ stehen haben um uns mit Dingen zu beschäftigen die für andere Leute oder Firmen wichtig sind. Es gibt ja den schönen Spruch, dass man bei Facebook nicht der Kunde ist sondern das Produkt mit dem Facebook sein Geld verdient. Diese Liste sollte man ich im Hinterkopf behalten wenn man mal wieder seine Aufmerksamkeit schweifen lässt anstatt sich auf das zu konstentrieren was einem selbst wichtig ist.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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