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Ernsthaft, Windows?!

Vor kurzem habe ich für die Dinge für die ich zwangsweise hin und wieder Windows nutzen muss (Vereinsverwaltungsprogramm) ein Windows 7 in einer virtuellen Maschine installiert. Das nutze ich nur sehr sporadisch, vielleicht einmal im Monat, aber trotzdem hatte ich die famose Idee, dass ich auch dieses Betriebssystem gerne aktuell halten möchte. Und da gibt es ja das famose Windows-Update.

Allerdings hatte ich so meine Zweifel, das dieses Update bei mir tatsächlich was macht, denn bei meiner Frau die einen Windows-Rechner hat kam nach den monatlichen Patchdays immer eine Update-Orgie beim Runterfahren, meine VM konnte ich rauf und runterfahren wie ich gerade wollte, nix mit Update.

Also habe ich gestern mal Windows-Update manuell gestartet und „Nach Updates suchen“ ausgewählt. Tja, und dann konnte ich eine ganze Weile auf einen grünen Balken gucken der hin und her wandert, aber ich sah keinen offensichtlichen Fortschritt. An dieser Stelle muss ich vielleicht einflechten, dass ich hier von Linux einfach verwöhnt bin. Wenn ich hier tatsächlich manuell nach Updates suche, dann bedeutet das, dass mein Paketmanagement die gerade akutelle Paketliste runterlädt und mit den installierten Versionen abgleicht. Das dauert keine Minute und ich weiß, welche Pakete ich aktualisieren kann.

Also habe ich mir die Zeit mit ein wenig Googeln vertrieben. Und Seiten gefunden die erklären, dass Windows-Update anders funktioniert. Hier schickt der Rechner die Liste dessen was installiert ist an Microsoft und auf der Microsoft-Seite wird dann errechnet, was man aktualisieren kann und dann kommt die Liste der Updates zurück. Und es gab dann die Meldung, dass Microsoft dieser Funktion bei Windows 7 Updates ein wenig die Rechenleistung gemindert hat damit man noch einen Grund mehr hat auf Windows 10 umzusteigen. Ernsthaft Microsoft?

Andere Webseiten wiesen dann darauf hin, dass man, wenn man einen Windows-Rechner nur sporadisch nutzt auch ein „kumulatives Update“ herunterladen könnte, dass alle Updates auf einen Rutsch installiert. Die Seite bot dann auch gleich einen Download an, aber sorry, ich lade doch nix on irgendwelchen Seiten runter, wer sagt mir, dass das keine Malware, Trojaner oder sonstiges ist. Also hätte ich gerne einen Download bei Microsoft. Da findet man unter „kumulatives update“ dann auch Seiten die wohl bei Microsoft gehostet werden. Doch wenn ich dort mit einem aktuellen Google-Chrome aufschlage bekomme ich die Meldung, dass man für diese Seite doch mindestens Internet Explorer 6 braucht. Ok, meine Windows 7 Installation hat IE 8. Also nochmal dahin. Und was sehe ich: Ich brauche mindestens Internet-Explorer 6. Also ist 8 kleiner als 6 oder was?

Egal. Gestern abend dann entnervt die VM runtergefahren. Und heute an meinem Urlaubstag um 7:30 Uhr wieder hochgefahren. Einfach mal stehen lassen, soll Windows doch vor sich hin gammeln. Und siehe da, zur Mittagszeit erscheint dann auch eine Meldungsbox dass jetzt Updates heruntergeladen wurden und entweder zur geplanten Zeit (20 Uhr habe ich eingestellt) installiert werden oder beim nächsten Runterfahren. Yippieh. Also VM runterfahren. Und siehe da, es werden 11 Updates installiert.

Dann wieder hoch mit dem virtuellen Windows. Geht fix, meine VM hat 4 von den 24 Prozessorkernen meiner Workstation und 4 GB RAM, also ausreichend Ressourcen um flott zu laufen. Dann wieder nach Windwos Update und schauen, was er nun im Update-Verlauf anzeigt. Ja, da sind tatsächlich 11 neue Updates. Doch oh-Schreck, im Windows-Update Fenster kommt die Meldung, dass 220 Sicherheitsupdates bereit stehen zum Runterladen und installieren. Ähm, was waren dann die 11 Aktualisierungen die ich gerade vorher beim Runterfahren gemacht habe?

Also klicke ich kurz nach 4 auf „Installation durchführen“. Und gucke minutenlang wieder auf einen grünenen sich hin und her bewegenden Balken der 0% Fortschritt anzeigt. Ein wenig später muss ich los, mit meinem Sohn eine Runde durch die Stadt. Jetzt, mehr als 3 Stunden später bin ich wieder da und sehe, dass wir aktuell bei Update 176 von 220 sind.

An diesem Punkt fragt man sich dann unweigerlich, wie total daneben diese Update-Prozedur ist. Fakt ist, dass der Windows-Rechner mittlerweile mehr als 12 Stunden läuft um Updates zu installieren. Und dann erinnern wir uns an die Experimente die gezeigt haben, dass ein ungepatchter Rechner manchmal der im Internet hängt manchmal schon nach 10 Minuten mit Walware verseucht ist. Meine virtuelle Windows-Kiste bietet also seit 12 Stunden Angriffsfläche für Schadsoftware, und das alles nur, weil die Updatefunktion offensichtlich ein totaler Griff ins Klo ist. Nur mal zum Vergleich. Auf meinem Debian laufen die Updates einfach so im Hintergrund ab, dauern nur ein paar Minuten und ich kann mich darauf verlassen, dass die installiert werden wenn ich den Rechner hochfahre. Und beim Installieren brauche ich keine Reboots und kann total ungestört mit der Maschine arbeiten.

Mich schaudert es bei dem Gedanken, dass wir auch unseren Vereins-PC mit Windows 7 bestücken wollen weil es ja jetzt ein neues Verwaltungsprogramm gibt. Wie halte ich das aktuell wenn die Vereinsabende nur ein paar Stunden dauern, der Rechner aber offensichtlich einen ganzen Tag laufen muss um überhaupt alle Updates zu schaffen? An den Ressourcen liegt es hier definitiv nicht, ausreichend Rechenpower ist da und meine Internet-Anbindung geht mit 50Mbit/s.

Und nein, ich will absolut kein Windows 10 haben. Nicht mal geschenkt. Denn damit verliere ich noch mehr Kontrolle über das was auf dem Windows-Rechner läuft. Auch wenn es nur eine VM ist von der ich jederzeit Snapshots machen könnte um sie auf stabile Zustände zurücksetzen zu können.

Bin ich von Linux schon so verwöhnt? Oder sind die Microsoft-Kunden so leidensfähig, dass sie so einen total kaputten Update-Prozess einfach schweigend ertragen statt zu reklamieren? Würde mein Paketmanagement auf der Linux-Seite ähnlich krass versagen wäre schon längst ein Bugreport raus. Aber wo melde ich solche Fehler bei Microsoft? Und interessiert es die überhaupt?

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

2 Kommentare

    • Hallo Carsten,
      ja, es würde theoretisch helfen wenn ich es mit meinen Bordmitteln irgendwie runterladen könnte. Aber auf dem Linux-Host meint er nur, ich hätte kein unterstütztes OS (klar) und in der Windows VM jammert er mich an, dass ich doch gefälligst mindestens IE6 nutzen soll. Dabei ist IE8 installiert. Also kein direkter Download des Convenience-Rollup-Updates.