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Buch gelesen: Gioconda Belli – Mondhitze

Normalerweise lese ich ja Bücher aus dem Science-Fiction Genre, also was mit Weltraum und so. Auch wenn das jetzt fertig gelesene Buch den Mond im Titel hat geht es dort nicht um das Aufheizen des Erdtrabanten sondern um ganz andere Dinge.

Zu dem Buch bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Wir (also meine Frau und ich) waren neulich im Weltladen und da gab es Werbung für eine Lesung der Autorin Gioconda Belli. Meine Frau hat von ihr schon einige Bücher gelesen, ich hingegen kannte sie nicht. Nun, meine Frau wollte natürlich unbedingt zu dieser Lesung und als guter Ehemann geht man da eben mit.

Es war ein sehr interessantes Erlebnis. Gioconda Belli kommt aus Nicaragua und spricht Spanisch, aber natürlich hatte sie ihren Übersetzer dabei, der ihre Bücher auch ins Deutsche übersetzt. Es wurde immer abwechselnd in Spanisch gelesen und dann vom Übersetzer ins Deutsche übersetzt. Und obwohl das Spanisch mir im Wortsinn spanisch vorkam so hörte ich doch sehr gerne zu, denn Gioconda Belli schaffte es, dass man aufmerksam zuhörte, auch wenn man wenig bis nix verstand. Und sie las aus ihrem neuen Buch „Mondhitze“ vor, und nachdem ich den Anfang der Geschichte hörte wollte ich natürlich wissen wie es weitergeht. Also fix das Buch dort gekauft und von der Autorin signieren lassen. Meine Frau ebenso, aber die hat die Version in Spanisch, die mir ja nicht viel bringen würde. Und in der letzten Woche habe ich dann angefangen das Buch zu lesen.

Es geht um Emma. Emma ist 48 Jahre alt, eigentlich noch topfit, aber heute ist sie unkonzentriert, denn ihre Regel hätte einsetzen sollen, doch da ist nix. Sie ist auf dem Heimweg mit dem Auto und in einem Vorort von Managua trifft sie auf Ernesto. Na ja, sie trifft ihn mit dem Auto, denn Ernesto geht gedankenverloren und ohne zu schauen über die Straße, läuft Emma vors Auto und wird von ihr angefahren.

Emma kümmert sich um ihn, leistet erste Hilfe und bringt ihn in ein Krankenhaus, denn die notärztliche Versorgung in diesem Teil von Managua ist sehr schlecht. Emmas Ehemann ist Arzt und Emma kümmert sich um Ernesto, den Möbelschreiner. Der wollte beim Überqueren der Straße eigentlich zu Margerita, die in einer Drogerie arbeitet.

Emma durchlebt eine turbulente Zeit, denn sie fühlt sich für die Genesung von Ernesto verantwortlich und besucht ihn oft im Krankenhaus und nach seiner Entlassung auch in seiner kleinen Möbelschreinerei. Gleichzeitig kämpft sie gegen ihr Schicksal an, denn was ihrem Körper widerfährt heißt im Fachbegriff einfach „Menopause“.

Es kommt wie es kommen muss, sie verliebt sich in Ernesto und durchlebt mit ihm eine Art zweite Jugend. Und auch ihr Mann Fernando bemerkt die Veränderung seiner Frau in der Menopause und nähert sich Margerita, dem Mädchen aus der Drogerie die eigentlich seine Tochter sein könnte.

Ok, genug gespoilert. Ich bin mir noch sehr unschlüssig in welches Genre ich dieses Buch einsortieren soll, man könnte es „Liebesroman“ nennen oder „Frauenroman“. Aber das würde dem Buch nicht gerecht werden, denn es enthält so viel philosophische Elemente in der Auseinandersetzung mit dem Thema „Menopause“, was ja was ganz natürlich biologisches ist, aber wohl mit heftigen Nebenwirkungen abläuft die ich als Mann mir auch nach dem Lesen des Buches nur schwerlich vorstellen kann. Aber trotzdem bin ich froh, dieses Buch gelesen zu haben, denn es öffnet die Augen für die Veränderungen die passieren und die Autorin weiß das durch ihre Protagonistin Emma sehr gut zu schildern.

Nebenbei erfährt man noch einiges über die Geschichte Nicaraguas, die Probleme der Armen in der Hauptsadt und dem Aufeinandertreffen der reichen Arztfrau auf den einfachen Schreiner, der sich von Auftrag zu Auftrag durchkämpft und trotzdem mit seinem Leben zufrieden ist während Emma sich wie in einem goldenen Hamsterrad fühlt.

Alles in allem ein Buch das man gerne liest, das aber auch Tiefgang hat und mehr als nur „Unterhaltung“ ist. Unbedingte Leseempfehlung von mir.

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