Terror gegen den Reichstag?

Das ehemalige Nachrichtenmagazin hat sich in den letzten Tagen weit aus dem Fenster gelehnt und von einem bevorstehenden Anschlag auf den Reichstag in Berlin schwadroniert. Unabhängig davon wie wahrscheinlich diese Bedrohung durch den Terror ist hat man jetzt eine gute Begründung aus dem Viertel um den Reichstag in eine Hochsicherheitszone zu machen. Und die wird am 26.11. auch dringend benötigt wenn dann der Souverän seinen Repräsentanten beibiegen will, was vom an diesem Tag zu beschließenden Sparpaket zu halten ist:

Geschickt eingefädelt, das mit dem Terrorziel Bundestag. So kann man sich bestens abschotten und weiter die vom Volk nicht mehr getragene Politik machen. Hoffen wir, dass kein übernervöser Sicherheitsmann letale Waffen gegen Bürger einsetzt, die einfach nur demonstrieren wollen. Wenn man mittlerweile schon herrenlose Plastiktüten sprengt, dann lässt das sehr eindeutige Rückschlüsse auf die staatlich geschürte Paranoia in Deutschland zu.

Risikoanalyse

Gerade auf Twitter:

Darf ich die Herren Politiker mal auf ihr Risiko hinweisen:

Artikel 20 (Grundgesetz der Bundesrepubilk Deutschland)

(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.

(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.

(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

Bitte besonders Absatz 4 beachten.

Wenn der Staat Amok läuft

Heute am 30. September 2009 ist in Stuttgart ein Stück Demokratie gestorben. Statt einer Herrschaft durch das Volk wurde von den vermeintlich Herrschenden auf das Volk einprügeln lassen. Bei den Demonstrationen gegen das Projekt “Stuttgart 21″ eskalierte die Situation und die gewaltbereite und entsprechend ausgerüsteten Polizeikräfte setzten Wasserwerfer, Schlagstöcke und Reizgas ein.

Etliche hundert Menschen wurden verletzt, von einem Demonstranten wurde gar berichtet dass er mindestens die Sehfähigkeit eines Auges eingebüßt hat. Viele dieser Demonstranten waren zudem Kinder und Jugendliche die sich auf einer bei den Ordnungsbehörden angemeldeten Demonstration befanden. Später wird man dann in den Mainstreammedien wie der Bild-Zeitung wohl lesen, das Pflastersteine von den feigen Demonstranten die sich hinter Kindern verschanzten geworfen wurden.

Twitter brachte mit #s21 sozusagen die embedded Live-Reportage vom Schauplatz des Geschehens. Und was man dort von den Leuten vor Ort gemeldet bekam war angsteinflößend. Ein Polizeikessel und der willkürliche Einsatz von Wasserwerfern und Tränengas gegen Demonstranten egal welchen Alters. In den SWR3-Nachrichten kam meinte dazu der Polizeisprecher,  dass die Leute hätten gehen können nachdem sie aufgefordert wurden und Kinder die Reifen zerstechen eben mit Konsequenzen rechnen müssen.

Wenn diese Eskalation in einem Staat der Achse des Bösen passiert wäre würden sich jetzt die Mainstream-Medien übeschlagen mit der Berichterstattung über die Menschenrechtsverletzungen durch das Terrorregime. Da es aber in Deutschland passiert ist versucht man sich in Ausflüchten.

Für einen massiven und total unverhältnismäßigen gewaltsamen Polizeieinsatz gegen Kinder und Jugendliche gibt es aber keine Ausrede. Die Anwesenheit von Kindern und Jugendlichen war bekannt und wurde aber offensichtlich als Gelegenheit benutzt um unserem Nachwuchs gleich mal zu zeigen, wie wenig sein im Grundgesetz verankertes Recht auf körperliche Unversehrtheit wert ist wenn es darum geht ein vom Volk nicht gewünschtes Milliardenprojekt (oder auch Milliardengrab) umzusetzen.

Nicht mal bei den Montagsdemonstrationen in der damaligen DDR deren Ende wir in 3 Tagen öffentlich zelebrieren wollen hat man sich getraut mit solcher Gewalt gegen die Demonstranten vorzugehen. Wasserwerfereinsätze kenne ich eigentlich nur aus dem vorigen Jahrhundert als es zu Krawallen gegen die Rüstung (Pershing II) , die Startbahn West in Frankfurt oder die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf kam. Oder eben aus Filmberichten aus totalitären Staaten die damit Bürgerrechtler drangsalieren.

Was in Stuttgart heute passiert ist lässt sich nicht mehr ungeschehen machen. Die Landesregierung muss dafür zur Verantwortung gezogen werden und die sollte sich nicht nur auf Rücktrittsforderungen für Ministerpräsident Mappus und Innenminister Rech beschränken, sondern auf orderntliche strafrechtliche Ermittlungen. Körperverletzung im Amt ist das Mindeste was hier in meinen Augen vorliegt.

Hier mal ein paar Links zu weiteren Berichten:

Presse

Blogsphäre

Heute nacht um Mitternacht soll der erste Baum auf dem Gelände gefällt werden. Ein deutlicheres Zeichen für die fehlende Zustimmung des Projekts beim Volk gibt es kaum als die Tatsache, dass man solche Arbeiten mitten in der Nacht machen muss. Aber Nacht- und Nebelaktionen oder geheime Absprachen sind in Deutschland ja mittlerweile schon fast an der Tagesordnung.

Eine Regierung die zu solchen Mitteln wie heute in Stuttgart geschehen greift hat in meine Augen jedenfalls jegliche demokratische Legitimation verloren und sollte schleunigst aus dem Amt gejagt werden.

Große Worte – keine Taten

Heute bin ich bei der morgendlichen Zeitungslektüre über zwei Artikel gestolpert, die sehr deutlich den Unterschied zwischen Theorie und Praxis in der Politik aufzeigen. Der erste Artikel handelt von den Feierlichkeiten zum Gedenkan an den 65. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) erinnerte während der Gedenkveranstaltung an den Schwur der “Buchenwalder”, eine Welt des Friedens und der Freiheit aufzubauen. Dieser Schwur sei noch nicht erfüllt, Freiheit, Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit müssten immer wieder verteidigt und errungen werden, sagte Lammert.

Ich höre zwar die schönen Worte, allein mir fehlt der Glaube, denn auf der anderen Seite gibt es gerade auch die Diskussion was mit den Häftlingen aus Guantanamo passieren soll:

Obama will das Lager schließen, den Termin musste er auch wegen der Schwierigkeit, Aufnahmeländer für die Häftlinge zu finden, mehrfach verschieben. Derzeit werden in Guantanamo noch rund 180 Terrorverdächtige festgehalten. Das Bundesinnenministerium prüft nach eigenen Angaben die Aufnahme von Gefangenen. Besonders in den unionsgeführten Bundesländern stößt das aber auf Widerstand.

Ja meine Damen und Herren Unionspolitiker, sind wir mal froh, dass die Befreiung des KZ Buchenwald nicht heute passiert, denn dann hätte man wahrscheinlich auch Probleme, die Insassen unterzubringen. Ja, ich weiß dass ich jetzt ganz hart an Godwin’s Law vorbeischramme, aber in meinen Augen ist Guantanamo ebenso wie Buchenwald ein Konzentrationslager. Der marginale Unterschied mag darin bestehen, dass in Guantanamo kein Holocaust an den Menschen stattfindet, aber der Status der dort inhaftierten Menschen ist ein eklatanter Verstoß gegen die Menschenrechte und die Grundprizipien die unsere sogenannte zivilisierte Welt von den Nazis des dritten Reiches unterscheiden.

Wenn dort auch mehr als 8 Jahre nach dem 11. September 2001 Menschen festgehalten werden die immer noch als “Terrorverdächtige” bezeichnet werden, dann kommt mir das kalte Grausen. Eines der elementaren Rechte in einem Rechtsstaat besteht auch darin, dass einem Verdächtigen in angemessener Zeit ein rechtsstaatliches Gerichtsverfahren eröffnet wird. Stellt dieses Gericht eine Schuld fest, so wird der Verdächtige verurteilt, kann es keine ausreichenden Beweise für eine Schuld feststellen, so heißt das der Verdächtige ist unschuldig, “in dubio pro reo” wie der Lateiner sagt, im Zweifelsfalle für den Angeklagten. Das gilt natürlich nicht für die Guantanamo-Häftlinge, denn denen wird ja schon das Grundrecht auf eine ordentliche Anklage verwehrt.

Ja, das Zerstören von menschlichen Existenzen war in Buchenwald deutlich brutaler und endgültiger, aber auch das jahrelange Einsperren von Menschen in Käfigen und unter entwürdigenden Bedingungen fällt in die Kategorie “Wie zerstöre ich eine menschliche Existenz”.  Auch ohne Psychologiestudium kann ich mir vorstellen, dass diese Menschen nach 8 Jahren Gefangenschaft eine leere ausgebrannte Hülle sind die ihrer Existenz und Identität beraubt wurden.

Am vergangen Freitag konnte man auch folgenden Eintrag bei Fefe lesen:

Ein Mitarbeiter von Colin Powell spricht aus, was alle schon längst gewusst haben: George W. Bush wusste, dass die Guantanamo-Insassen zum Großteil unschuldig waren. Er hat sie aber trotzdem dort sitzen lassen, weil ihre Freilassung die Legitimität seines Kreuzzugs unterminiert hätte.

Wir stellen also fest: 65 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft kann man folgende Argumente von Politkern lesen die einer “christlichen” Partei angehören:

“Nach Bayern kommt mir jedenfalls keiner rein”, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Die übrigen Bundesländer sind skeptisch. “Bevor über die Aufnahme von Guantánamo-Gefangenen konkret gesprochen wird, sollten die Sicherheitsfragen geklärt sein”, sagte Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) der WELT. Bei aller Solidarität mit den USA müssten die Sicherheitsinteressen Deutschlands Vorrang genießen.

Offensichtlich haben die CDU Innenminister noch nichts von der “Unschuldsvermutung” gehört und sehen diese Menschen als Bedrohung an. Angesichts dieser Geisteshaltung erscheinen die Worte von Bundestagspräsident Norbert Lammert bei der Gedenkfeier in Buchenwald dann auch als reine Frace.

Der nackte Wahnsinn

Neulich gab es ja wieder einen vereitelten Anschlagsversuch auf ein Passagierflugzeug. Und als Folge daraus drehen wieder alle heftig am Rad. Die Politik erinnert sich an das Thema “Nacktscanner” und will das wieder einführen. Im Radio hörte man heute, dass in Holland die Nacktscanner innerhalb der nächsten drei Wochen wohl installiert werden sollen. Und dass die Technologie anders als im Gegensatz zum Röntgen wohl unbedenklich ist, da es sich hier um Stahlung im Terahertzbereich handelt.

Als Techniker kriege ich hier aber ganz heftige Assoziationen mit dem Mikrowellenherd und den diversen fällen wo Leute, die vor Radarantennen standen dann Verbrennungen durch die Radarwellen erlitten. Zu behaupten, Wellen im Terahertzbereich wären unschädlich erscheint mir hier als etwas blauäugig.

Unabhängig davon ist der Sicherheitsgewinn durch so einen Nacktscanner relativ gering. Der Checkin am Flughafen wird noch länger dauern und die Leute werden noch genervter sein, aber ich wage jetzt mal die kühne Behauptung, dass auch Nacktscanner kein echtes Hindernis darstellen, wenn es jemand wirklich darauf anlegt, ein Flugzeug zu sprengen.

Es ist vielmehr eine schöne Einnahmequelle für die Firmen, die diese Geräte herstellen und ein schöner aber nutzloser Aktionspunkt für die Politiker, die sich jetzt wieder zu profilieren versuchen, dass sie ja alles tun um diese Welt sicherer zu machen.

Ich wage hier auch wieder die sehr wilde und nicht beweisbare Behauptung, dass wir unsere Welt viel einfacher viel sicherer machen könnten, wenn wir statt ständig neuer Sicherheitsfeatures zu erfinden einfach mal den “root cause” des Problems angehen würden. Terrorismus und Selbstmordanschläge geschehen ja nicht, weil der Selbstmordattentäter Langeweile hat und es mal so richtig krachen lassen will, sondern weil die Menscheit tief gespalten ist. Auf der einen Seite gibt es die “Gewinner” im System und auf der anderen Seite die enteigneten Verlierer die dann genau den Nährboden darstellen auf dem Terror wächst. Ich denke, wenn wir nur 10% des Geldes was in den letzten beiden Jahren zur Rettung von “notleidenden Banken” geflossen ist in sinnvolle Aufbauprojekte in der dritten Welt investiert hätten, dann würde das weitaus mehr dazu beitragen die globalen Spannungen zu verringern als das festhalten und supporten eines kaputten Finanzsystems.

Aber klar, die Spirale dreht sich immer weiter. Heute sind es die Nacktscanner, und demnächst wird wohl der erste Poliiker auf die Idee kommen, dass man nur noch nackt in den Flieger darf. Hey, ist doch nicht schlimm, in der Sauna sind ja auch alle nackt.

Zum Glück gibt es aber auch noch Politiker die sich von der Massenhysterie nicht anstecken lassen und das Thema nüchterner sehen. Ingo Jürgensmann hat hier einen schönen Artikel verfasst.

Links für 2009-11-29

Heute mal wieder ein paar Links auf lesenswerte Artikel im Internet:

Politik und Neusprech

Heute bin ich über ein schon älteres Video vom 25C3 gestolpert. Martin Haase referiert hier über “Neusprech im Überwachungsstaat“. Mein Fazit: Absolut sehenswert, vor allem weil er sehr viele anschauliche Beispiele bringt. In der Abschlußdiskussion mit dem Publikum wird dann auch ein Buch “Politiker-Deutsch für Anfänger” erwähnt. Da habe ich doch gleich mal die Suchmaschine meiner Wahl befragt und bin hier gelandet: “Politiker-Deutsch für Fortgeschrittene“. Sozusagen ein kleines Wörterbuch mit vielen anschaulichen Beispielen, von A wie

Abweichler: Abgeordneter, der sich auf Grundgesetz Art.38 beruft und seinem Gewissen folgt.

bis Z wie

zielgenau einsetzen: “Derzeit fällt es den Politikern im Osten Deutschlands schwer, die Subventionsmilliarden zielgenau einzusetzen.” (Nachrichten BR, 2.10.2006).
Im Klartext: das Geld wird verschwendet.

Allerdings ist diese Seite nicht mehr so ganz aktuell, denn das neueste Buzzword unserer Politiker heißt derzeit ja “Schattenhaushalt“. Ja, wenn ich mir meinen Geldbeutel ansehe, da sieht es auch ganz schön schattig aus, was wohl auch an den gigantischen Tarifabschlüssen der letzten Jahre liegt.