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Zum Thema Verschärfung des Jugendstrafrechtes

Heute mußte ich mal wieder einen Leserbrief schreiben. Es geht um die neue Sau die durch das Dorf getrieben wird: Verschärfung des Jugendstrafrechtes.

Wie gut, daß es so viele Überwachungskameras gibt. Da können wir dann perfekt
die Gewaltszenen filmen die sich aktuell überall abspielen und zur besten
Sendezeit in den Nachrichten solange wiederholen bis auch der letzte Bürger
für die neue Sau geeicht wird die nun durchs Dorf getrieben wird:
Verschärfung des Jugendstrafrechtes, Erhöhung der Höchststrafe auf 15 Jahre.

Es ist schon seltsam, mit welchen populistischen Parolen sich die Politiker
hier hervortun. Dabei gibt es wissenschaftliche Studien die durchaus belegen
können, daß von höheren Strafandrohungen keine größere Abschreckung ausgeht.
Dem Straftäter dürfte es im Moment der Tat relativ egal sein, ob er dafür
eventuell nun 15 Jahre statt 10 Jahre kassiert. Aber es ist mir durchaus
klar, daß ein Staat der sogar bereits einsitzende Terroristen in Beugehaft
nehmen will zu solchen Erkenntnissen wahrscheinlich gar nicht fähig ist.

Da freut es mich doch den Textblock „in den Tag gesprochen“ mit dem Zitat von
DGB-Chef Sommer zu lesen. Ja, es ist ein Problem unserer Gesellschaft wenn
Kinder und Jugendliche straffällig werden. Um das zu beheben braucht es keine
schärferen Strafen sondern Konsequenzen an vielen Stellen. Warum bewegt sich
ein jugendlicher Straftäter mit ellenlangem Vorstrafenregister immer noch
frei? Welche Gründe führen zur „Verrohung“ der Jugend? Brauchen wir mehr
Freizeitangebote für Jugendliche?

Deutschland wird sicherlich nicht sicherer wenn wir nun noch mehr Kameras
installieren und dabei gleichzeitig die Anzahl der Polizeireviere reduzieren.
Ein Überwachungskamera kann zwar die Tat aufzeichnen, aber einem Opfer leider
nicht zur Hilfe kommen. Und mit längerem Wegsperren der Straftäter lösen wir
das Problem auch nicht, weil diese Maßnahme nicht an den Wurzeln des Übels
ansetzt. Letztlich steuern wir auf amerikanische Verhältnisse, wann werden
wir wohl das Strafmündigkeitsalter auf Kindergarten-Niveau senken und alle
unsere Probleme mit Wegsperren zu lösen versuchen?

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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