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U96 – versenkt von einem Lizenztorpedo

Heute war mal wieder Zeit für einen Leserbrief an die AZ. Auslöser war die Berichterstattung um die Filmkulisse für die Innenaufnahmen von „Das Boot“. Diese Kulisse steht in der Bavaria Filmstadt und ist ein originalgetreuer Nachbau von U96. Und die Buchheim-Stiftung will hier nun soviel Lizenzgebühren für diese Kulisse haben, daß es für die Filmtour nicht mehr wirtschaftlich betrreibbar ist. Hier mein Leserbrief:

als gelegentlicher Besucher der Bavaria Filmstadt der sich dann auch jedesmal ein paar Beulen in der Kulisse des Bootes geholt hat und sich immer noch wundert, wie das damals die Kameraleute viel schneller ohne Kopfschmerzen eschafft haben kann ich über diese Lizenzgebührenposse nur den (mittlerweile schmerzfreien) Kopf schütteln.

Vor allem will mir so ganz und gar nicht einleuchten, welche Rechte Buchheim oder die Buchheimstiftung an dieser Kulisse haben. Die Kulisse ist ein originalgetreuer Nachbau des „Innenlebens“ von U96 und entsprechende Urheberrechte künnte eigentlich nur die Germaniawerft in Kiel oder deren Rechtsnachfolger haben wo das Boot zwischen 1939 und 1940 gebaut wurde.

Wenn das Beispiel der Lizenzgebühren für Filmkulissen Schule macht werden Besucher des Kurhauses in Göggingen demnächst dann auch Lizenzgebühren für die Buddenbrocks-Drehbuchschreiber zahlen, denn im Lokalteil lesen wir ja, daß das Kurhaus hier die Kulisse für Filmaufnahmen war.

Somit stellen wir fest, daß eine beliebte Attraktion der Filmstadt nun von einem Torpedo versenkt wurde der wohl in der Absicht ohne eigene Arbeit möglichst viele Einnahmen zu generieren abgefeuert wurde.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

1 Kommentar

  1. Bernd Schröeter

    11/07/2013 @ 11:53

    Es ist ein bisschen wie das Ei und das Huhn. Ohne L. G. Buchheim hätte niemals jemand geglaubt, das Thema U-Boot könnte ihn auch nur ansatzweise etwas angehen. Dann fesselte ein Buch und ein schonungsloser Film jeden Leser oder Betrachter – auf Jahrzehnte. Nun wurde jeder Mann zum intimen Kenner der Materie. Die Filmkulisse, im Maßstab 1:1 dem letzten VIIC-Boot in Laboe mit teilweise Originalarmaturen nachgebaut, bleibt erhalten. Millionen von Pommes fressenden Sandalenträgern latschen da durch, und bemängeln die Tatsache, dass der Kaleu „nicht an Bord“ ist. Das ist doch Betrug! Und der Buchheim erst: Immer fein die Hand aufhalten, alle verarschen und Kohle kassieren. Wie war das mit dem Ei und dem Huhn? Egal. Mittlerweile ist auch das Boot in Laboe erneut abgesoffen. Unter lecknasigen Farbschichten, geklauten Armaturen und jeder Menge Bilgen-Müll. Handräder und Kurbeln aus dem Zubehörhandel haben die Originale bis zu nächsten Diebstahl ersetzt. Da bringen manche Besucher extra Werkzeug mit! Wie kann man es diesem Pöbel bloß recht machen. Sollte es etwa strafbar werden, wenn jemand in die Bilge pisst? Wegen diesem Nazi-Schrott? Am Abend kommt dann X-Man auf RTL. Das ist was genaues. Nicht so ein altes Gelumpe.Lasst den alten Zossen in Würde absaufen. Weit vor der Küste. Er hat es doch wirklich verdient. Und jegliches hat seine Zeit.