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Willkommen Lenny

Am Valentinstag wurde Debian GNU/Linux 5.0 (Codename „Lenny“) offziell freigegeben. Heute, am Montag danach habe ich angefangen meine Rechner umzustellen.
Der erste in der Reihe war mein Firmennotebook das ja schon seit einiger Zeit mit „Lenny“ lief und nun lediglich einen finalen Update auf die neuesten Pakete brauchte. Das ging auch erwartungsgemäß ohne Probleme über die Bühne.

Dann der Sprung ins kalte Wasser nach dem Motto „no risk – no fun“. Mein Firmen-Desktop lief bisher unter Etch mit AMD64-Architektur (also ähnlich wie mein Arbeitspferd zuhause) und da war es natürlich interessant zu sehen was ein Update von Etch nach Lenny an Fallstricken mit sich bringt. Am Tag 1 von Lenny auf meinen Rechnern kann ich zusammenfassend folgendes sagen:

  1. Das heftigste Problem im Vorfeld war, daß „aptitude dist-upgrade“ diverse Paketabhängigkeiten nicht auflösen konnte und sozusagen aufgegeben hat. Die Ursache waren zum Teil allerdings auch Pakete die aus anderen Repositories kamen und die zum Teil halt auch völlig veraltet waren. Hier half dann nur, sich die Liste der „Problempakete“ vorzunehmen und all das wegzuwerfen was man eh nur mal angeguckt hat und gar nicht mehr braucht. Also 100% der angemeckerten Pakete.
  2. Eines der großen Probleme war heute wohl, daß alle Welt nun am updaten ist. Ich hatte zeitweise Timeouts beim Herunterladen der Pakete, d.h. „aptitdude dist-upgrade“ hat dann nach dem letzten Paket nicht angefangen auszupacken und zu installieren sondern erst mal gestoppt. Ein erneuter Aufruf von „aptitude dist-upgrade“ sorgte dann dafür, daß auch die paar Pakete wo es den Timeout gab runtergeladen wurden.
  3. Der nächste Knackpunkt war, daß der nVidia-Treiber für die Graphik erwartungsgemäß mit dem neuen Kernel nicht lief. Allerdings funktionierte auch nicht das Bauen des nVidia-Kernelmoduls, obwohl das pasende Linux-Headers-Paket eingespielt war. Keine Ahnung, woran es da klemmte. Letztlich hat Lenny aber auch eigene Pakete aus dem „non-free“ Zweig mit dem Kernel-Modul und nVidai GLX, das ist dann sogar besser weil es dem „Debian-Weg“ entspricht Dinge zu tun. Und man kann so auch mehrere Kernel funktionsfähig haben die alle das passende Kernelmodul und den GLX-Treiber haben, beim proprietären Installer von nVidia installiert man für Kernel X und danach geht X mit Kernel Y nicht mehr.
  4. Die gemeinste Aktion war allerdings, daß der DNS-Resolver nun anders funktioniert. Zum einen meinte Debian mir beim KDE-Start unbedingt den Networkmanager starten zu müssen, obwohl ich nur eine Netzwerkkart e mit statischer Konfiguration habe, zum anderen war die /etc/resolv.conf nach dem Update „leer“ weil von resolvconf neu erzeugt. Da mußte ich dann ein wenig suchen um in /etc/resolvconf/… meine original Datei mit den Nameservern wiederzufinden. Die steht in einem Verzeichnis“resolvconf.d“ und heißt da „original“. Kopiert man diese auf „base“ im gleichen Verzeichnis, dann baut resolvconf beim Start die „richtige“ /etc/resolv.conf wieder zusammen und man hat wieder die Namensauflösung.
  5. Icewasel (Firefox) und Icedove (Thunderbird) meckern über ein paar Extensions die mit den jeweils neuesten Versionen nicht mehr kompatibel sind. Damit kann ich leben, auch wenn mir z.B. auffällt, daß es für Enigmail keine locale-de mehr gibt. Icedove startet jetzt auch mit integrierten Kalendermodul Lightning, mal sehen ob das langfristig den KDE-Kalender ablösen kann.
  6. Beim Runterfahren motzt die Kiste jetzt immer, daß sie das Volume im LVM nicht deaktivieren kann. Muß mal weiterverfolgen was da dahintersteckt.

Zusammenfassend war das Update auf Lenny jedenfalls erfolgreich. Und im Gegensatz zu meinen Kollegen von der Windows-Fraktion die gerade ihr SP3-Update zwangsinstalliert bekommen hatte ich keine 4 Stunden Wartezeit in der die Kiste nicht nutzbar war. Meine „Downtime“ war maßgeblich durch die Punkte 3 und 4 aus obiger Liste verursacht, ansonsten konnte ich mit der Kiste problemlos arbeiten während das Update halt im Terminalfenster lief. Sogar ein Restart von kdm (der mir das Terminalfenster abgeschossen hätte) wurde vom Installer aus eben diesem Grunde unterbunden.

Bei der nächsten Maschine wird es sicher einfacher werden, weil dann der Traffic-Peak weg ist und man die Erfahrungen des „Rohrputzers“ hat.

Glückwunsch und Danke an das Debian Team für Lenny.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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