Artikelformat

Making of Frühlingskonzert-Video

Seit Ende April wartet das Frühlingskonzert das ich damals in der Schule aufgenommen habe auf die Bearbeitung und das Brennen einer Konzert-DVD. Mittlerweile habe ich mich aufraffen können dieses Projekt in Nachtschichten anzugehen und da es sozusagen ein Meisterwerk werden woll blogge ich hier mal mit, welche Schritte durchgeführt wurden um das Endergebnis zu erreichen.

Einlesen des Videomaterials

Das Einlesen des Videomaterials ging wie üblich über Kino. Einfach die Kamera über Firewire verbinden, die Cassette komplett zurückspulen und dann alles was kommt erst mal als DV-Dateien auf die Festplatte nageln.

Parallel dazu habe ich den Programmzettel des Konzertes kontrolliert und gleich mal die Interpreten markiert, die nicht anwesend waren, damit ich für die später nicht was zusammenschneiden will wo gar nix ist.

  • Zeitaufwand: Ungefähr eine Stunde inkl. Vorbereitungsarbeiten wie Kamera rausholen und verkabeln.
  • Zwischenergebnis: 50 Mintuen Film in handlichen Schnipseln auf der Festplatte

Konzept erstellen

Nachdm ich jetzt schon mal das „Rohmaterial“ am Stück gesehen habe geht es darum, zu überlegen, wie der fertige Film aussehen soll. Dazu habe ich folgende Ideen:

  • Zu Beginn eine Titelgraphik die etwa 5-10 Sekunden eingeblendet ist
  • Dann langsam die Begrüßung des Schulleiters hochblenden
  • Danach die einzelnen Darbietungen der kleinen Künstler, jeweils mit Crossfade aneinandergehängt
  • Am Ende ein Abspann mit der Liste der Mitwirkenden und einem kleinen Video-Fenster mit „Outtakes“. Hintergrundmusik aus dem fertigen Film für diesen Abspann.
  • Jede Darbietung mit ungefähr 5-10 Sekunden „Bachbinde“ versehen die einblendet wer da gerade was aufführt.

Das bedeutet, dass ich aus dem „Rohmaterial“ all die Passagen rausschneiden muss in denen die Kinder zur Bühne laufen oder ihre Instrumente holen usw. Der Ablauf sollte ungefähr so sein:

…. „Darbietung n“ . „Applaus und Crossfade“ – „Darbietung n+1“ …

Wobei zu Beginn jeder Darbietung dann die „Bauchbinde“ sanft ein und ausgeblendet werden soll, also quasi eine „Hüllkurve“ mit 1 Sekunde „Attack“, 5 Sekunden „Sustain“ und 1 Sekunde „Release“.

Schneiden oder Clipsen?

Jetzt muß der Rohfilm erst mal in Cinelerra eingelesen werden und dort komplett zusammengestückelt werden, also jedes Fragment an das vorherige anhängen. Die Fragmente sind dabei komplett zufällig, sie sind einfach da wo Kino festgestellt hat, dass die maximale Dateigröße für die DV-Datei erreicht ist.

Die Frage ist nun, wenn der „Rohfilm“ komplett in Cinelerra drin ist:

  • Schneide ich all die Passagen raus,die im fertigen Film nicht zu sehen sein sollen und stückle so das Zeugs zusammen oder
  • Markiere ich jede Darbietung einzeln mit Anfang und Ende und definiere diese Schnipsel dann als „Clips“?

Die zweite Methode erscheint mir vom Arbeitsablauf her passender, auch wenn das bedeutet, dass ich nach Definition aller Clips erst mal wieder alle Spuren löschen muss um dann Clip an Clip zu stückeln.

  • Zeitaufwand: 1:20 Stunden um alle Clips und Takeouts zu definieren.
  • Zwischenergebnis: Im Clips-Folder des Ressourcen-Fensters habe ich jetzt alle Darbietungen als Clips und auch ein paar Takeouts für den Abspann

Bauchbinder Wanninger und die Pixelei

Der nächste Arbeitsschritt ist das Erstellen der Titelgraphik (wird zum Filmstart angezeigt und dann ausgeblendet) und der Bauchbinden, die jede Darbietung einleiten sollen.

Hierfür braucht es also Graphiken im passenden Format. Nur, was ist das passende Format? Das Videomaterial liegt im Format „PAL 16:9“ vor. „PAL 16:9“ ist definiert als 720×576 Pixel, aber da dieses Format ausmultipliziert niemals das Seitenverhältnis von 16:9 ergibt ist die Schlußfolgerung, dass wir es mit nicht quadratischen Pixeln zu tun haben. Das ist für das was wir vorhaben ein wichtiges Detail.

So eine „Bauchbinde“ ist ja in erster Näherung nix anderes als ein Text vor einem Balken und der Rest des Bildes ist transparent, sprich es scheint das Video hindurch, wenn man die Bauchbinde auf einer Spur oberhalb der Videospur in Cinelerra anordnet.

Diese Bauchbindengraphik muß also in 720×576 dargestellt werden. Schreibe ich aber nun Text in diese Bitmap, dann wird der Font eben so reingepixelt als wären es quadratische Pixel. Der Text auf dem PC würde also so aussehen:

Text für 720x576

Text für 720x576

Wird das Video jetzt abgespielt, dann wird dieser Text aber „auseinandergezogen“. Das sieht dann auf einem 16:9 Bildschirm so aus:

Text auf 1024x576 (16:9) gestreckt

Text auf 1024x576 (16:9) gestreckt

So richtig schön sieht das aber eher nicht aus. Daher erscheint es mir sinnvoller, wenn ich die Titelgraphik und die Bauchbinden im 16:9 Format erstelle, also in der Bildverarbeitung dann mit 1024×576 Pixeln und sie dann vor dem Einfügen in das Video auf 720×576 stauche. Bei der Wiedergabe werden diese „gestauchten“ Bilder dann wieder auseinandergezogen und sehen deutlich besser aus.

Das Stauchen kann man mit einem Bildverarbeitungsprogramm wie GIMP erledigen oder auch über die Kommandozeile mit convert aus dem ImageMagick-Paket. Damit kann man die Arbeit automatisieren, was bei ca. 25 Bauchbinden durchaus Arbeit sparen hilft. Für diese Aufgabe gibt es auch eine sehr gute Doku auf der ImageMagick-Webseite.

Die Bauchbinden erstellt man sinnvollerweise mit Inkscape. Dieses Programm vereint die Welten von Vektorgraphik und Bitmap-Bearbeitung in iedealer Weise, denn obwohl die Oberfläche von Inkscape wie die eines Vektor-Graphikprogramms arbeitet kann man das Endresultat wunderbar in Bitmap-Graphikdateien (inkl. Transprarenz) ausgeben. Da Inkscape auch Ebenen unterstützt war die Herstellung der Bauchbinden sehr einfach.

Ich habe dbei ein Design gewählt das „oben“ einen leicht transparenten roten Balken hat. In diesem Balken befinden sich 5 Notenlinien und links davon ein Violin-Schlüssel den es in einer Online-Library für Inkscape unter CC-Lizenz gibt.

Dieser Balken kann problemlos mit den Tools für Rechtecke modelliert werden. Das Clipart für den Violinschlüssel bringt auch schon die Notenlinien mit, man muß sie nur auf die gewünchte Breite strecken.

In diesem Kopfbereich sollen später Komponist und Titel eingeblendet werden. Das geschieht in einer darüberliegenden Schriftebene in der ich die Textfelder und „unsichtbare“ Rahmen eingesetzt habe um den Text jeweils mittig im Balken zentrieren zu können.

Der untere Balken der Bauchbinde ist leicht transparent in grün und soll dann im Film Namen und Instrument des Künstlers enthalten. Links davon habe ich einen „Stern“ modelliert mit ein paar längeren Strahlen (Umwandeln in Kurve und dann Punkte bearbeiten“. Dieser Stern wird vom grünen Balken „subtrahiert“ damit es keine blöd aussehenden Mischfarben zwischen dem leicht transparenten Stern und dem drunterliegenden Grün gibt. Im Stern wird dann auch die „Kapitelnummer“ eingeblendet, da die später zu brennende DVD ja auch Kapiteleinsprungpunkte haben soll. Das ganze sieht dann so aus (wobei der schwarze Hintergrund im Bild in der Baucbinde natürlich transparent ist, d.h. hier scheint das Videobild dann durch):

Demo-Bauchbinde

Demo-Bauchbinde

  • Zeitaufwand: 1:40 Stunden mit Inkscape und Convert
  • Zwischenergebnis: 25 Bauchbinden für jedes Kapitel der späteren DVD und eine Intro-Graphik

Abspann

Im Abspann soll nochmal die Liste der Darsteller durchlaufen und ein paar Infos zum Schnitt usw. Das schreibt man am einfachsten in OpenOffice runter und exportiert es als PDF. In GIMP kann man dann dieses PDF einlesen und in eine transparente Bitmap umwandeln. Um den „Scrolleffekt“ später zu machen bewegt man die „virtuelle Kamera“ in Cinerlerra über diese Mammutgraphik.

Zusammenbauen

Das Zusammenbauen in Cinelerra ist eigentlich relativ einfach, man legt zwei Videospuren an, eine fürs Filmmaterial und eine darüber für die Bauchbinden-Einblendungen. Dann fangen wir in der obersten Spur mit dem Einleitungsbild an und setzen leicht versetz darunter den ersten Clip. Die untere Spur sollte dann nicht „armed“ sein, also nicht mehr zu Bearbeitung wenn wir den oberen Clip langsam ausblenden.

Am Ende von jedem Clip dann den nächsten Clip anhängen und Video- und Audio-Übergänge einfügen. Außerdem sollte man seine Arbeit regelmäßig speichern, denn hin und wieder verabschiedet sich Cinelerra auch grußlos ins Nirwhana.

Ein anderer „Bug“ in Cinelerra ist mir auch aufgefallen, eigentlich habe ich bei jedem neuen Clip an der Einfügeposition ein Label gesetzt, aber so ab dem zehnten Label vergisst Cinelerra das oder würfelt die Positionen wild ducheinanander.

  • Zeitaufwand: 3 Stunden weil jeder der 25 Clips auch gleich an den Übergängen kontrolleirt wird.
  • Zwischenergebnis: Alles startklar zum Rendern

Rendern

Das Rendern kann ja eigentlich ohne Beisein ablaufen. Also habe ich so kurz vor Mitternach mal kurz die Audio-Spur gerendert, denn das geht nebenbei wenn man sich die Zähne putzt. Dann das Rendern der Videospur angestoßen und ins Bett.

Dummerweise war der Rechner am nächsten Morgen tot. Abschuß irgendwann in der Nacht, wahrscheinlich beim Rendern. Also nochmals das Projekt geladen und das Rendern wieder angestoßen. Diesmal war dann men Sohn Stefan der Saboteur, denn er fand so nach etwa der Hälfte der Renderzeit einen PC mit offenen Programmen und sein Ordnungssinn meinte, die müsse man zumachen wenn keiner da ist der damit was macht.

Also ein dritter Anlauf, diesmal mit gesperrtem Desktop um kleine Saboteure abzuwehren und nach 50 Minuten ist danna uch die Videospur fertig.

Das ganze kurz durch mplex jagen und man hat den fertigen Film als Datei.

DVD-Brennen

Eigentlich wollte ich die DVD so gliedern, dass man vom Hauptmenü in ein Kapitel-Menü mit 5 Seiten verzweigen kann um jedes der 25 Kapitel über einen Button gezielt anzusteuern. Aber leider hat QDVDAuthor beim Anlegen des 4. Submenüs sich jedesmal zielsicher vom Desktop verabschiedet.

Also Plan „B“ rausgeholt, eine Untermenü-Seite die halt 25 Buttons enthält. Das hat dann funktioniert und ich habe mal die erste DVD erzeugt und gebrannt. Das ganze dann im Standalone-DVD-Player und auf dem Fernseher angeschaut, und schon kam die Ernüchterung: Der Fernseher meint, er müsse das alles im 4:3 Seitenverhältnis wiedergeben.

Also nochmal nach QDVDAuthor und geschaut. Tatsächlich, die MPEG-Datei des Films ist da als „4:3“ erkannt worden, wobei ich aber sicher bin, bei den ersten Anläufen hier „16:9“ erkannt zu haben, daher habe ich diesen „Unter-Unter-Dialog“ nicht wirklich verifiziert. Aber egal, das kann man ja beheben dachte ich und habe dort dann einfach das korrekte Seitenverhältnis eingetragen. Die DVD-Erzeugung in dvdauthor bricht dann allerdings beim Kapitelmenü ab weil er irgendwie verwirrt ist welches Seitenformat es hat.

Letztlich habe ich erst dann eine 16:9-DVD erzeugen können, wenn ich auf jedwedes Untermenü verzichtet habe. Zwischenzeitlich war ich auch auf der Webseite von QDVDAuthor und habe gesehen, daß es mittlerweile eine neue Version gibt. Die ist zwar schnell gebaut, behebt das Problem aber nicht wirklich.

Fazit: Dann gibt es halt nur eine DVD ohne Kapitelmenü. Man kann allerdings von Kapitel zu Kapitel springen und dank der Bauchbinden weiß man auch immer wo man ist.

Fazit

Alles in Allem summiert sich da schon ein Aufwand im Bereich von einem Tag auf, auch wenn das Endergebnis gerade mal ein Filmchen mit 36 Minuten Laufzeit ist.

Was kann man beim nächsten mal besser machen:

  • Clips nicht mehr am Stück vom Band holen sondern per Clip, dann gibt es weniger „Schnittpunkte“ wegen der Größenbegrenzung bei Kino. Manchmal gibt es an solchen Stellen nämlich „Knackser“ in den Audio-Spuren.
  • Beim Abspann auf „Takeouts“ verzichten, denn beim Betrachten war schnell klar, dass der verbleibende Platz für den Scrolltext damit zuwenig wird und man den Text kaum lesen kann.
  • Scrolltexte auch „stauchen“ sonst sehen die in 16:9 blöd aus

Außerdem ist jetzt dann dringen Zeit, meine Kiste von Debian/Etch auf Lenny zu aktualisieren, denn dann kann ich vielleciht auch auf neuere Versionen der unterstützenden Programme zugreifen. Und ich werde nochmal schauen was sich an der DVD-Authoring-Front tut, denn QDVDAuthor kann massiv nerven wenn man z.B. bei der Eingabe von Chapters irgendwan auf „Return“ drückt statt auf den „Add“ Button verlässt man den ganzen Dialog per „Default“ und der „Default“ ist „Cancel“, also raus ohne speichern. Fragt nicht, wie oft ich die Chapters eingegeben habe..

Da ich in den Suchergebnissen zum Blog auch sehe, dass diese Videothemen mit ein Grund sind daß Leute hier lesen werde ich in der nächsten Zeit wohl ein paar umfangreichere Artikel zu den Tools und ihren Macken machen.

Jetzt heißt es serst mal einen Stapel DVDs zu brennen damit wir die der Schule geben können. Crisitina hat vorgeschlagen, dass jede DVD sich auch als Geld niederschlagen soll, aber das soll dann die Schule für ihren Musikunterricht nehmen, ich will einfach den Kindern ein Stück Erinnerung an diesen schönen Abend geben.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

Kommentare sind geschlossen.