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Die Bahn und die Schwarzfahrer

Die Meldung die heute durch die News geistert ist, daß die Bahn jetzt verschärfter gegen Schwarzfahrer vorgehen will und auch schneller zum Mittel „Strafanzeige“ greift.

In gewisser Weise kann ich das schon verstehen, denn Schwarzfahren ist nicht nett. Und so ist durchaus nachvollziehbar, dass im Zeitalter der klammen Kassen die Bahn eben auch nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ ihre Einnahmen aufbessern will.

Nicht nachvollziehbar ist für mich aber der letzte Absatz des dazugehörigen Artikels im Focus:

Durch Schwarzfahrer entsteht der Bahn nach internen Schätzungen ein Schaden im dreistelligen Millionenbereich. Wie hoch die Zahl der ohne Fahrschein erwischten Bahn-Nutzer ist, die mit Nachlöse und Strafgebühr davon kommen, wollte die Bahn nicht mitteilen.

Hier wird wieder mit einer „großen Zahl“ argumentiert und keinerlei echtes Zahlenmaterial zum Beleg dieser Schätzungen abgeliefert. Wenn dsa Zugpersonal seinen Job gut macht, dann müßten nach meiner blauäugig naiven Einschätzung ja eigentlich 90% der Schwarzfahrer erwischt werden. Was ich bei meinen Ausflügen mit der Bahn aber oft genug beobachtet habe ist daß auf „Kurzstrecken“ wie Augsburg-München eher selten jeman die Fahrkarten kontrolliert.

In gewisser Weise erinnert diese Aussage aber auch an den Lokführer-Streik damals vor der Wirtschaftskrise als man wegen der um 80 Millionen gestiegenen Lohnkosten dann ein Riesen-Gezeter machte und Preiserhöhungen ankündigte um das wieder auszugleichen. Allerdings kann man mit dem Taschenrechner recht einfach ausrechnen, dass sich bei 5 Milliarden Fahrgästen im Jahr (laut Bahn-Geschäftsbericht) die 80 Millionen mehr die individuelle Fahrt eines Fahrgastes bestenfalls um ein paar Cent verteuern dürften.

So gsehen stehe ich auch den Hunderten von Millionen skeptisch gegenüber. Im ersten Halbjahr hat die Bahn knap 40.000 Strafanzeigen gemacht, legen wir das aufs Jahr um, dann sind das 80.000 Strafanzeigen. Hätte jeder dieser angezeigten Schwarzfahrer die Bahn um 1000 Euro geschädigt, dann sind wir gerade mal bei 80 Millionen Schadenssumme, also zweistelliger Millionenbereich. Aber eigentlich kostet ein Bahnticket weniger als 1000 Euro.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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