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Musik mit Verfallsdatum

Gerade eben kam auf Slashdot der Hinweis auf einen Artikel in dem man über die Frage diskutiert, was mit Musik passiert, wenn die Lizensierungsserver abgeschaltet werden.

Was man dort lesen kann ist in der Tat sehr aufschlußreich.

We reject the view that copyright owners and their licensees are required to provide consumers with perpetual access to creative works. No other product or service providers are held to such lofty standards. No one expects computers or other electronics devices to work properly in perpetuity, and there is no reason that any particular mode of distributing copyrighted works should be required to do so.

Also vereinfacht ausgedrückt: „Weil kein anderes Produkt oder ein anderer Service für die Ewigkeit funktionieren weisen wir auch die Ansicht zurück, daß Copyright-Inhaber und ihre Lizenzen verpflichtet sind, dem Kunden zeitlich unbegrenzen Zugriff auf ihre kreative Arbeit zu gewähren. Niemand erwartet daß Computer und andere elektronische Geräte für immer ordnungsgemäß funktionieren und es gibt keinen Grund daß irgend eine bestimmte Methode zum Verbreiten von copyright-geschützer Arbeit das so handhaben soll.“

Irgendwie erinnert mich das an die „Garantie auf Lebenszeit“ die automatisch mit dem Ende der Lebenszeit des Gegenstandes erlischt. Gegenstände können altern und dabei ihre Funktionalität einbüßen, das ist ein relativ normaler Vorgang. Digitale Kopien von Musik können aber per Definition jederzeit „refreshed“ werden, sprich wenn ich merken würde daß meine selsbstgebrannte CD mit Musik sich ihrem Lebensende nähert kann ich problemlos die Musk auf eine andere Scheibe umkopieren und diese weiterhin verwenden. Im „Big Business“ sagt man auch „Investitionssicherheit“ dazu.

Stellen wir uns mal vor, dieser Anspruch auf Verfallsdatum (nix anderes ist das ja) würde auf andere „kreative Werke“ übertragen werden. Dann haben wir irgendwann ein Szenario wie in Ray Bradburys „Fahrenheit 451“ wo die Feuerwehr nicht mehr zum Löschen vorbeikommt sondern um Bücher zu verbrennen.

Und stellen wir uns mal vor, frühere Generationen hätten genauso bescheuert über ihre „kreativen Werke“ argumentiert, dann

  • hätten wir heute möglicherweise keine Bibel, denn vor der Erfindung des Buchdrucks wurden die Bibeln ja von Mönchen per Handschrift kopiert
  • Wären Komponisten wie Mozart oder Beethoven heute nicht mehr bekannt, denn ihre Noten wären einfach dem „Zahn der Zeit“ zum Opfer gefallen.

Angesichts dieses Standpunktes unserer Unterhaltungsindustrie bin ich froh, daß es alternative Angebote wie Jamendo gibt wo man sich Musik einfach gratis runterladen kann und sogar frei weiterverteilen darf. Und um Kaufmusik mit Verfallsdatum werde ich künftig noch einen weiteren Bogen machen als jetzt schon.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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