Artikelformat

Buchkritik: Angriff auf die Freiheit

Gestern abend habe ich das Buch „Angriff auf die Freiheit“ von Ilija Trojanow und Juli Zeh fertig gelesen. Also Grund genung hier ein paar Zeilen über das Buch zu schreiben.

Was mir sehr positiv aufgefallen ist: Die Autoren verzichten auf jegliche Verschwörungstheorie in ihrem Buch sondern setzen einfach voraus, dass sich alles so ereignet hat wie es die offiziellen Stellen behaupten. Damit vermeiden die Autoren es hervorragend in die Schublade „Wirrköpfe mit Verschwörungstheorien“ einsortiert zu werden. Basierend auf diesen Tatsachen analysieren sie dann die daraus abgeleiteten Sicherheitsgesetze und ihre Auswirkungen auf unsere Grundrechte.

Es wird auch ausführlich behandelt, dass Grundrechte nicht vom Himmel fallen sondern erkämpft werden müssen und dass die Definition, die den Terrorverdächtigen einen Status außerhalb jeder Menschenrechte zuweist ein Rückfall ins Zeitalter der Barbarei ist. In meiner Jugend schrieb ich Briefe an die Botschaften südamerikanischer Militärdiktaturen die Leute ohne Gerichtsverhandlung verschwinden ließen oder ohne Anklage für Jahre hinaus in Haft hielten. Also genau das was ein angeblich zivilisierter Staat wie die USA nun mit den Häftlingen in Guantanamo macht.

Die Autoren weisen auch darauf hin, dass jeder etwas zu verbergen hat, nämlich seine Privatsphäre. Ein Punkt der gerne von den Demagogen in der Politik mit dem Argument „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten“ ignoriert wird.

Die einzige tatsächliche Ungenauigkeit die mir in diesem Buch aufgefallen ist steht auf Seite 137:

Wollen Sie warten, bis Ihren Kindern bei der Geburt ein Chip ins Halsfleisch gepflanzt wird, der eine sechzehnstellige Personenkennzahl enthält und über Satellit zu orten ist (so wie es bei Ihrem Haustier, falls Sie eins haen, schon der Fall ist)?

Nein meine lieben Autoren, diese Aussage dass die RFID-Chips mit denen wir unsere Haustiere markieren sogar von Satelliten geortet werden können muß ich als Ingenieur mit genügend technischem Fachwissen leider ins Reich der Phantasie zurückweisen. Ja, ich weiß, diverse Hollywood-Streifen der vergangenen Jahre tun so als wäre das technisch mögich, aber praktisch sind RFIDs nur aus kurzer Distanz auslesebar und auch nur mit speziellen Lesegeräten. Man überlege sich mal die Sendeleistung dei ein solcher Chip haben müsste damit er von einem Satelitten in ein paar hundert Kilometer Höhe überhaupt empfangen werden könnte. Und das ganze generiert von einem Transponder der gerade mal 12×2 mm groß ist.  Der auf Lebenszeit Signale senden kann die Hunderte von Kilometern weit reichen. Wäre das möglich bräuchte wohl niemand mehr sein Handy an der Steckdose aufzuladen.

Bis auf diesen Fehler ist das Buch aber durchweg lesenswert. Für einen alten Verschwörungstheoretiker wie mich enthält es zwar nicht viel neues, aber es erinnert wieder an die Verbrechen gegen die Menschenrechte die unsere zivilisierten Staaten im Namen des „Kriegs gegen den Terror“ begangen haben und die von aktuellen Meldungen wie denen zur Finanzkrise dann aus dem Fokus gedrängt wurden.

Fazit: Sehr empfehlenswert und eigentlich sollte jeder Bürger vor der Wahl am 27. September dieses Buch gelesen haben.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

2 Kommentare

  1. Der Satellit ist natürlich etwas weit hergeholt.
    Wenn man an U-Bahn-Stationen, Taxis, öffentliche Fernsprecher, Ampeln etc. ausreichend RFID-Lesegeräte aufstellt, hätte man schon eine ordentliche Flächenabdeckung für Bewegungsprofile.

  2. Pingback: merkwürdig am September 11th « blogwürdig