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150 Euro für die Bildung

Heute nachmittag im Autoradio gehört und jetzt bei der TAZ gefunden:

Die neue Bundesregierung werde „jedem neu geborenen Kind ein Zukunftskonto mit einem Startguthaben von 150 Euro einrichten“, heißt es in dem Papier, das der taz vorliegt. Darüber hinaus wolle man Einzahlungen bis zur Volljährigkeit mit einer Prämie unterstützen. Die Initiative, die sich an der bisherigen Förderung des Bausparens orientiert, solle „ein wirksamer Anreiz für mehr private Bildungsinvestitionen“ sein.

Na, das hört sich ja wieder toll an. „Zukunftskonto“. So wie es da oben steht entnehme ich, dass das ein Sparbuch wird welches am 18. Geburtstag fällig werden wird und mit 150 Euro Startkapital ausgestattet wird. Und wer seinem Kind da was einzahlt bekommt Prämien auf die eingezahlten Beiträge, die dann auch erst mal auf diesem Zukunftskonto gebunkert sind.

Warum nur erinnert mich das ganze irgendwie an die Riester-Rente. Hier ist der Köder der einem hingeworfen wird nicht die angebliche „Versorgungslücke“ im Alter, sondern natürlich die Zukunft der Kinder. 150 Euro sind, wenn es um die Ausbildung der Kinder geht nicht viel, das reicht aktuell gerade für einen guten Schulranzen und Turnbeutel im Set. Aber halt, das Geld gibts ja erst mit 18, also nix mit Schulranzen.

Hier wird unterschwellig ein Druck auf die Eltern aufgebaut, fleißig für die Zukunft ihres Nachwuchses zu sparen damit der dann später seine Studiengebühren bezahlen kann. Wobei es ja nicht so ist, dass ich meinen Kindern keine Ausbildung finanzieren will, wer es sich leisten kann hat jetzt schon so etwas wei eine „Ausbildungsversicherung“, also eine spezielle Kapitallebensversicherung die im Falle des Todes dann auch den Betrag auszahlt und man so den Kindern in jedem Fall eine Ausbildung ermöglichen kann. Wie gesagt, wenn man es sich leisten kann, denn pro Kind wollen die Versicherungskonzerne hier im Monat schon um die 50 Euro.

Also wird nun für die Geringverdienenden ein „Zukunftskonto“ angelegt, damit die halt das Geld, was eventuell (wenn auch sehr unwahrscheinlich) am Monatsende noch übrig ist vorbildlich in dieses Zukunftskonto stecken und so das Geld erst mal den Banken zum Spekulieren geben.

Statt nach dem Gießkannenprinzip 150 Euro über jedes Neugeborene auszuschütten (Kinder der „Reichen“ werden das sicher nicht nötig haben) hätte man eher die zukünftigen Kosten der Bildung der Kinder angehen können. Der Wegfall von Studiengeübhren dürfte um einiges sinnvoller sein, als dieses angebliche „Zukunftskonto“.

Nur meine Meinung und vielleicht irre ich mich hier ja auch, aber ich bin zu oft schon von unserer neoliberalen Elite veräppelt worden um so etwas ohne es gründlich zu hinterfragen zu bejubeln.

Update: Das ganze steht jetzt auch im Koalitionsvertrag ab Zeile 2594 also kriegt der Artikel jetzt auch „Koalitionsvertrag“ als Stichwort..

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

1 Kommentar

  1. Ich fürchte, du irrst dich nicht.
    Das sieht mir eher nach einem der typischen Jubelpakete aus, die zur Zeit grad verteilt werden und nach dem Kassensturtz, der aber komischereise erst nach der NRW-Wahl stattfinet, wieder einkassiert werden.
    Und selbst wenn, hast du recht: davon profitieren wieder nur die, die es sich eh leisten können.
    Außerdem die Banken und Versicherungen, die diese Konten anbieten (es handelt sich um mehrere Milliarden langfristig angelegtes Geld!)
    Für die Chancengleichheit bringt das genau Null.

    Was ich vermisse, sind die einfachen, aber verbindlichen Aussagen:
    * mehr und besser ausgebildete Lehrer
    * besser ausgestattete Schulen
    * kostenloses Mittagessen
    * volle Lernmittelfreiheit
    * kostenloser Förderunterricht
    * …
    Damit wären die Milliarden langfristig besser angelegt.

    Gruß, Arno