Artikelformat

Wir werden alle sterben

Kaum ist das Urteil zur Vorratsdatenspeicherung gesprochen, schon kriechen die Befürworter aus ihren Löchern und malen den Teufel an die Wand. Die Augsburger Allgemeine versüßte mir das Frühstück mit den Prophezeihungen des Polizeigewerkschafters Konrad Freiberg, der vor „Tausenden Opfern und Tausenden von Straftaten die wir nicht aufklären können“ warnt. Grund genug, mal wieder eine Mail an die Redaktion der Zeitung zu schicken:

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu den Äußerungen des Polizeigewerkschaftlers Konrad Freiberg fallen mir folgende Anmerkungen ein:

Wenn wir tatsächlich zukünftig „Tausende von Opfern und Tausende von nicht aufklärbaren Straftaten“ haben werden weil wir auf die Vorratsdatenspeicherung verzichten, dann kann mir Herr Freiberg sicher die Tausende von Zeitungsartikeln über dank Vorratsdatenspeicherung aufgeklärte Verbrechen aus der Zeit zeigen, als der Staat die Schnüffelei betrieben hat. Kann er oder kann er nicht? Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, täglich von Verbrechen gelesen zu haben die nur Dank der Datenspeicherung geklärt werden konnten.

Vielleicht sollte Herr Freiberg mal die pensionierten Polizeikollegen fragen, wie sie in ihrer Amtszeit Straftaten aufklärten, also zu Zeiten als es noch gar keine Vorratsdatenspeicherung gab.

Ein weiterer Irrtum des Herrn Freibergs liegt in der Formulierung „ein Gesetz vorzulegen das die Rahmenbedingungen des Verfassungsgerichts einhält“. Herr Freiberg, eigentlich sollten sie als Polizist doch wissen, dass nicht das Bundesverfassungsgericht die Rahmenbedingungen definiert in denen Gesetze zulässig sind sondern das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. So was hat man in meiner Jugend noch in der Schule gelernt.

Allen Unkenrufen zum Trotz ist der gestrige Urteilsspruch ein Erfolg, denn der Regierung wurde deutlich gemacht, dass man eben nicht mal schnell 82 Millionen Bürger unter Generalverdacht stellen kann.

Mit freundlichen Grüßen
Rainer König

Für mich erinnert das ganze stark an die Propagandamethode eines Joseph Göbbels: Sage dem Volk es wäre bedroht und es wird allem zustimmen um gegen diese Bedrohung anzukämpfen. Ja, ich weiß, mit dieser Meinung schramme ich wieder haarscharf an Godwins Law vorbei, aber das was Herr Freiberg hier ablässt ist jede Menge heiße Luft und sollte aus Rücksicht auf die Klimaerwärmung (so wir eine haben) in der Öffentlichkeit vermieden werden.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

3 Kommentare

  1. Ein guter Artikel und eine „nette“ Mail an die Zeitung (Ich vermute mal AZ.). Hast Du eine Reaktion von der Zeitung erhalten? Würde mich fast schon wundern, wenn da was verwertbares zurück kommen würde. Ich selber habe das lesen der AZ aufgegeben, nachdem mir aufgefallen war, das die Überschrift nicht zwingend zum drunter stehenden Artikel passt. 🙁
    Ausserdem ist mir die Werbeflut innerhalb der Publikation einfach zu viel.
    Sieht man sich mal in der LUGA?

    • Der Leserbrief wurde am Samstag abgedruckt und am Nachmittag rief dann auch einer an der meinte, ich solle doch aufhören über Dinge zu schreiben von denen ich keine Ahnung habe. Ich war leider mit dem Hund unterwegs, so hat er dann meine Frau genervt. Diese zitierte dann auch ganz locker mal den Benjamin Franklin worauf der Anrufer meinte, dass wir ja jetzt andere Zeiten haben und man froh sein muss über die Vorratsdatenspeicherung, denn damit kann dann z.B. augeklärt werden wenn irgendwo eingebrochen wird. Tja, was soll ich da als Unwissender noch dazu sagen. 🙂
      Was die LUGA angeht, ich werde versuchen, am LIT da zu sein, schaffe es aber wohl nicht gleich am Morgen.

      • Naja, man soll die vorgefasste Meinung der Schreiberlinge nicht mit Tatsachen trüben. Aber das Argument in seiner Einfachheit ist mir noch nicht in den Sinn gekommen. Warscheinlich denke ich da zu kompliziert. Gibt es da nicht auch ein Law? So etwa komplizierte Probleme haben in den meisten Fällen eine einfache Lösung? Or so?

        LIT ist ein MUSS! 🙂 Ich werde versuchen die Keynote mal nicht zu verpassen. Aber wie ich mich kenne schaffe ich das auch dieses Jahr wieder nicht. Ich wohne einfach zu nahe dran. Ich will aber mal schauen, ob ich wen finde der mir ein paar Impule in Sachen WLAN geben kann. 🙂 Es fehlt quasi eine Initialzündung….