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Godwins Law und die Geistlichkeit

Telepolis berichtet heute über den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller der die aktuelle Berichterstattung über die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche mit der kirchenfeindlichen Haltung des Nazi-Regimes vergleicht. Also wieder ein klassischer Fall von Godwins Law und der letzte „Geistliche“, unser Bruder Barnabas vom Nockherberg musste nach dem Vergleich dann seinen Hut nehmen.

Nein, einen Rücktritt des Bischofs will ich gar nicht fordern, wohl aber eine nüchterne Debatte mit dem Unfassbaren, auch wenn es noch so unangenehm ist. Ein Ungenannter sieht in Müllers Äußerung die Geisteshaltung der Kirche. Interessant ist in diesem Zusammenhang auf jeden Fall der Wikipedia-Artikel über das songeannte Schutzalter:

In Malta und der Vatikanstadt liegt das Schutzalter bei 12 Jahren…

Ich selbst habe in den letzten Tagen öfter mal verwundert geguckt, beispielsweise bei der Äußerung des Münchner Bischofs Marx, dass man eine Meldepflicht für Missbrauchsfälle fordert. Hier hat die Kirche wohl vom Staat einen Persilschein in §139 StGB bekommen der jetzt erst mal verhindert, dass diese Missbrauchsfälle öffentlich werden:

(2) Ein Geistlicher ist nicht verpflichtet anzuzeigen, was ihm in seiner Eigenschaft als Seelsorger anvertraut worden ist.

Wenn also der Dorfpriester seine Verfehlungen beim Bischof beichtet, dann muss dieser das nicht dem Staatsanwalt erzählen. Ja, ich verstehe durchaus den Sinn dieses Paragraphen, aber wenn ich an den letzten Sommer und die Schlachten um das Zugangserschwerungsgesetz denke, dann müsste ich jetzt eigentlich auch nur laut rufen „Die Kirche darf kein rechtsfreier Raum sein!“.

Der Regensburger Bischof täte also gut daran, wenn er jetzt nicht einen auf „verfolgtes Opfer“machen würde. Niemand will die Kirche diffamieren und ich habe sehr viel Respekt vor dem recht auf freie Religionsausübung und werde sicherlich nicht wegen des Fehlverhaltens von Priestern die ganze Organisation verdammen, aber ich erwarte dann auch, dass die Organisation diese Fälle nicht zu vertuschen versucht sondern eben die notwendigen Konsequenzen zieht.

Es ist auch müßig darüber zu disktutieren ob das Zölibat daran schuld ist oder nicht, denn letztlich geht es um den Missbrauch von Kindern und der Priester der gegen das Zölibat verstoßen will hätte auch andere Möglichkeiten dies zu tun ohne dass Kinder dabei zu Schaden kommen.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

1 Kommentar

  1. Ich denke nicht, das hier das Zölibat die alleinige Ursache der Missbrauchsfälle ist. Ich denke, es ist zum einen ein Konglomerat an Ursachen, in dem evtl. das Zölibat eine Rolle spielt, dann aber keine wesentliche. Zum anderen sind es genau die gleichen Fälle von Missbrauch, wie sie anderswo innerhalb unserer Gesellschaft vorkommen. Wenn man sich die Strucktur eines solchen Missbrauchs anschaut, sieht man, das es in den wenigsten Fällen externe Personen sind, die gegenüber den Kindern eine solche Gewalt ausüben. Meistens sind es eben die Personen, denen die Kinder vertrauen. Eltern, Verwande und eben auch die Priester/Pfarrer sind solche Personen. Es werden immerwieder Missbrauchsfälle innerhalb der Familien bekannt und jetzt eben Missbrauchsfälle innerhalb der Kirche. Nein, damit will ich sowas weder verallgemeinern noch verharmlosen. Jeder dieser Fälle gehört restlos aufgeklärt und die betreffenden Täter bestraft. Aber man sollte auch nicht vergessen, das auch die Täter Hilfe brauchen. Wegsperren alleine hilft niemanden.
    Hier, in der momentanen Situation ist als erstes natürlich die Kirche gefragt. Mir ist klar, das in dieser Institution der erste Reflex dahin geht, alles zu deckeln – nicht zu vertuschen, aber alles intern zu handeln. Das funktioniert aber nicht länger. Durch die Medien sind die Bürger ausreichend im Bilde (damit meine ich aber nicht, die Blut- Angst- und Tränenberichterstattung einer Tageszeitung mit vier Buchstaben, die jeder liest, aber keiner kauft), was passiert ist. Wenn sich jetzt die Kirche sperren würde und deckelt, nimmt der Imageschaden epische Ausmaße an. Es sind in einigen Ländern jetzt schon Bürger aus den Kirchen ausgetreten (obwohl das eher eine Protestgeste ist, aber keinen weiteren Nutzen hat -IMHO) und das Vertrauensverhältinis dürfte ebenfalls schon gestört sein.
    Was kann man also tun? Die Eltern sollten wieder die Erziehung übernehmen und nicht alle Verantwortung an die Schulen abschieben (Ist das tatsächlich so? Oder ist das wieder nur Meinungsmache?). Wie erkennt man Missbrauch? An wen kann man sich wenden, wo Hilfe holen? Das sind die Dinge die nicht nur Betroffene, sondern die jeder wissen sollte.