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Die Arbeitskosten steigen

So lautet der Tenor verschiedener Artikel die in den letzten Tagen durch die Medien geistern. Das ganze ist meiner Meinung nach aber nur „angewandte Mathematik“. Hierzu gucken wir mal in den Online-Artikel bei der Augsburger Allgemeinen:

Die Arbeitskosten in Deutschland sind im Rezessionsjahr 2009 deutlich gestiegen. Grund ist die verbreitete Kurzarbeit. In der Privatwirtschaft kostete eine geleistete Arbeitsstunde die Arbeitgeber im Schnitt 30,90 Euro, berichtet das Statistische Bundesamt. Viele Unternehmen drosselten ihre Produktion, reduzierten Überstunden und setzten auf Kurzarbeit, um ihre Mitarbeiter nicht entlassen zu müssen.

Was heißt das im Klartext? Arbeitskosten kalkulieren sich stark vereinfacht als:

Arbeitskosten = Lohnkosten + Infrastrukturkosten

Das was ich unter Infrastrukturkosten führe ist sozsagen der Arbeitsplatz, also die Miete fürs Büro, der Schreibtisch, der Computer, das Werkzeug usw. Diese Arbeitskosten können auch gut ins Geld gehen und je nachdem was da für ein Aufwand getrieben wird locker genauso hoch sein wie die Lohnkosten.

Wenn ich jetzt 4 Wochen a 40 Stunden arbeite, dann sind das 160 Stunden für die der Arbeitgeber Lohnkosten zahlt. Nehmen wir mal einen Stundenlohn von 10 Euro an, dann sind das 1600 Euro Lohnkosten. Wie gesagt grob vereinfacht. Dann setzen wir mal die Infrastrukturkosten auf ebenfalls 1600 Euro fest, also sind die Arbeitskosten im Monat 3200 Euro oder eben in Arbeitskosten ausgedrückt kostet eine Arbeitsstunde 20 Euro.

Jetzt kommt Kurzarbeit, der Mitarbeiter arbeitet 10% weniger. Also macht er nur noch 144 Stunden und dafür entstehen dann 1440 Euro Lohnkosten. Zusammen mit den unveränderten 1600 Euro für die Infrastruktur bedeutet das, dass die monatlichen Arbeitskosten 3040 Euro sind und das bei nur 144 Stunden. Die Arbeitskosten für eine Stunde sind daher 3040/144 Euro oder eben 21,11 Euro.

Das ist mathematisch eigentlich so trivial dasss man sich wundert, dass so etwas die Top-Schlagzeile auf der Titelseite einer Zeitung ist. Also fragt man sich, welche Absicht da wohl dahinter steckt. Könnte es vielleicht sein, dass man mit solchen Schreckensmeldungen über gestiegene Arbeitskosten die Leute wieder zu mehr Lohnzurückhaltung „motivieren“ will damit Deutschland nichts an seiner Wettbewerbsfähigkeit einbüßt? Meinetwegen müssen wir nicht jedes Jahr Export-Weltmeister werden, denn unser Handelsbilanzüberschuss ist das Defizit des Auslandes und wo das endet sieht man aktuell bei z.B. Griechenland.

Einen interessanten Artikel zum Thema „gestiegene Arbeitskosten“ gibt es auch auf den NachDenkSeiten.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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