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Erfolgsmodell A8?

Die Lokalzeitung ist heute voll des Lobes über das erste PPP-Autobahnprojekt (PPP = Public Private Partnership) auf dem A8-Teilstück zwischen Augsburg und München:

Das 37 Kilometer lange Teilstück zwischen Augsburg-West und Parkplatz Palsweis (Landkreis Dachau) ist das erste deutsche Autobahnprojekt mit privater Finanzierung. Es gilt nun nach der Fertigstellung in Rekordzeit und ohne Zusatzkosten für den Bund als Vorbildmodell für viele Verkehrsgroßprojekte in ganz Deutschland.

Und Verkehrsminister Ramsauer spricht sogar von „Effizienzgewinnen“. Gewinnen tut dabei sicherlich das Firmenkonsortium das jetzt für 30 Jahre die Autobahn betreiben darf und dafür die LKW-Maut (und vielleicht auch eine irgendwann eingefährte PKW-Maut?) einsteichen darf.

Als Steuerzahler stehe ich diesen PPP-Projekten allerdings sehr skeptisch gegenüber, denn ein privates Wirtschaftsunternehmen hat vor allem ein Ziel: PROFIT. Das bedeutet, dass es diese Projekt nicht durchziehen würde, wenn am Ende unterm Strich nicht der dicke Profit stehen würde. Die Baukosten wurden mit 250 Millionen Euro angegeben. Wenn wir von einer durchschnittlichen Maut von 20 Cent pro Kilometer ausgehen, dann zahlt jeder LKW für die 52 km also rund 10 Euro. Bei 100.000 Fahrzeugen pro Tag und einem LKW-Anteil von nur 25% wären die Tageseinnahmen also 250.000 Euro. Oder anders gesagt, in 1000 Tagen haben wir überschlägig die Baukosten wieder drin. 1000 Tage sind knapp 3 Jahre.

Jetzt rechnen wir mal das Thema Baukostenfinanzierung durch: Kein Unternehmer wird die 250 Millionen Euro unterm Kopfkissen liegen haben, also ist anzunehmen, dass die Finanzierung der Baukosten über Kredite lief. Wenn der Staat den Bau finanziert hätte wäre das nicht anders gelaufen, aber der Unterschied ist, dass der Staat wohl günstigere Kreditkonditionen bekommt als ein Privatunternehmer, d.h. die Gesamtkosten der Finanzierung sind schon mal höher als wenn der Staat dieses Projekt durchgezogen hätte.

Wenn aber jetzt ein Verkehrsminister sich hinstellt und von Effizienzgewinnen spricht, dann muss ich die Frage stellen, warum die Privatwirtschaft effektiver ist wenn sie selbst die Projektleitung hat? Der Staat hat keine verbeamteten Bauarbeiter, das heißt die Ausführung der Arbeiten wäre so oder so von einer privaten Baufirma vorgenommen worden. Warum also ist dieser private Unternehmer „effizienter“ wenn er auf das Gesamtprojekt durchführt? Müsste der Rückschluß nicht lauten, dass vom Staat beauftragte Unternehmer dann vielleicht sogar absichtlich ineffizient sind weil man es ja gewohnt ist, dass die Kosten bei jedem öffentlichen Projekt unter staatlicher Kontrolle explodieren?

Aber solche Gedanken gehen im Jubel um die tatsächliche Sechsspurigkeit (anders als die gefühlte Vierspurigkeit der Friedberger Straße hier) natürlich unter.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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