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Sound-Desaster

Die Aufgabe war eigentlich ganz einfach: Schließe ein Mikrofon an die Soundkarte des Rechners an und nimm darüber was auf. Die Umsetzung war allerdings ein Drama in mehreren Akten.

Prinzipiell habe ich ja ein Mikrofon, nämlich das in meiner Webcam das sich als USB-Audio-Device identifiziert und man kann damit auch wunderschön in Skype arbeiten, aber so profane Programme wie der Gnome-Sound-Recorder oder guvcview können damit gar nicht. Auch das obere Ende der Tools, nämlich Audacity ignoriert dieses Mikrofon geflissentlich.

Also am Samstag mal beim Discounter ein Hama-Mikrofon besorgt und guter Dinge an den Mic-in der onboard Soundkarte (Intel HDA mit ALC260 Codec) angestöpselt. Ergebnis: nix, njente, keine Aufnahme möglich, weder mit guvcview noch mit dem Sound Recorder. Ok, der ALC 260 bietet ja eine Menge möglicher Modelle als Moduloptionen für den Treiber und ich habe sie alle der Reihe nach ausprobiert, mit exakt dem gleichen Ergebnis.

Dabei ist es nicht so, dass das Mikrofon nicht funktionieren würde. Schiebt man den Mic-Regler hoch und den für die Mastervolume, dann kommt es irgendwann problemlos zur akustischen Rückkopplung, d.h. das Mikrofon schickt ein Signal an die Soundkarte welches auch wieder am Ausgang der Soundkarte rauskommt, aber irgendwie kriegt dieses Signal einfach nicht die Kurve in Richtung „Capture“.

Nachdem alle Moduloptionen durchgenudelt waren und auch ein versuchsweises Installieren der aktuellesten ALSA-Treiber auf meinem Squeeze nix nützte habe ich mich entschlossen, es einfach mal mit einer Soundkarte für PCI zu versuchen. So eine habe ich heute besorgt und eingebaut. Siehe da, das Playback der Systemsounds ging am Anfang ohne Probleme, doch Aufnehmen ging genauso gut wie mit der onBoard-Karte, nämlich gar nicht.

Irgendwie fängt man dann an zu zweifeln und vermutet das Problem doch eher in einer verkorksten Sound-Konfiguration als in der Hardware, denn das zwei Karten die so grundverschieden sind die exakt gleiche Macke haben ist eher unwahrscheinlich. Also mal geschaut, was da sonst noch rödelt und ein Pulseaudio gefunden. Nebenbei bemerkt habe ich es aber wohl auch geschafft, die Steckkarte so zu verwirren, dass die am Schluß einfach still war und nicht mal mehr Sounds abspielen wollte. Also Steckkarte wieder ausgebaut, zurück zu onboard Sound und diesemal ohne Pulse-Audio.

Ja, und dann ist es mir doch tatsächlich gelungen mit dem Mikrofon aufzunehmen, zwar immer noch mit dem Damoklesschwert der akustischen Rückkopplung, aber immerhin. Es funktioniert jetzt leidlich gut am Mic in und am Front-Mic-in der onbard Karte, nur viel zu leise. Unbefriedigend. Also die PCI-Soundkarte (übrigens eine Hercules Muse Lt) wieder eingebaut und das Mikrofon dort angeschlossen, in der Hoffnung, dass der Mic Boost dieser Karte das Mikrofon etwas lauter macht. Fehlanzeig, genauso leise. Das Mikrofon funktioniert in guvcview, allerdings nicht im Gnome-Sound-Recorder.

Das Fazit aus etlichen Stunden Arbeit ist mehr als ernüchternd:

  • „Plug & Play“ ist nicht, eher plug & pray. Wobei natürlich meine Konfiguration mit mehreren Hardware-Soundkarten (neben USB gibts auch noch eine DVB-T-Karte) nicht trivial ist, aber es fehlt einfach an einer übersichtlichen Konfigurationsmöglichkeit.
  • Die beste Mischpult-Darstellung hat alsamixer in der Kommandozeile, andere graphische Mixer haben bei gleicher Hardware sehr divergierende Anzeigen und so ganz blicke ich z.B. auch nicht, was die Checkbox „Input-Source“ im Gnome-Alsamixer ausdrücken soll.
  • Die Soundprogramme bieten unterschiedlichste Auswahldialog zur Einstellung von Aufnahme- und Wiedergabegerät an. Das ist absolut nicht konsistent.
  • Einige Programme bieten zwar Devices wie das USB-Mikrofon an, können aber dann doch nicht damit umgehen.

Tja, ich bin jetzt erst mal fertig mit der Hardware-Bastelei und werde wohl entweder ein paar Mikrofone durchprobieren oder mal gucken, ob irgend ein Elektronikversender noch so was wie einen Mikrofonverstärker im Angebot hat. Bislang kann ich jedenfalls nicht sagen, dass ich mit den Aufnahmeergebnissen zufrieden bin, genügend Lautstärke gibts erst wenn man das Mikrofon fast in den Hals einführt.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

1 Kommentar

  1. Frank Ridderbusch

    08/08/2011 @ 23:29

    Tja, wenn ich das so lese, speziell den Anfang, dann liegt es wohl mal wieder an den Versionen. Ich habe jetzt vor kurzem eine Logitech C510/C310 Webcam erworben. In allen den von dir beschriebenen Szenarien funktioniert es (Aufnahme mit guvcview = guvcview-1.4.4, audacity = audacity-1.3.13, gnome-sound-recorder = gnome-media-2.32.0, pulseaudio-0.9.23) .

    Und Kernel ist 2.6.38-gentoo-r7 (müsste der letzte 38er Vanilla sein) mit integriertem ALSA 1.0.23. Im wesentlichen läuft es mit meinem ALC889A Motherboard recht schmerzfrei. Wobei ich aber immer mal wieder einem Schluckauf mit den ALSA Verionen hatte, speziell auf dem alten Firmen Pentium 4.