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Der peinliche Präsident

Jetzt muß ich doch auch mal was zur Causa Wulff bloggen. Das Thema beherrscht ja wie kein anderes die Timelines bei Twitter und Google+ und manchmal frage ich mich, was im Hintergrund alles klammheimlich passiert während alle Welt auf den Bundespräsidenten guckt.

Gleich mal vorweg, Herr Wulff war nie mein Präsident. Wenn es in dieser Republik eine bekannte Persönlichkeit gibt, die nicht nur die nötige moralische Reife und Integrität für dieses Amt hat sondern auch die notwendige Kenntnis der Zusammenhänge und tief im Herzen ein echter Demokrat ist, dann wäre das kein anderer als Georg Schramm. Nur wollte den bei der letzten Wahl zum Bundespräsidenten keiner vorschlagen.

Wie dem auch sei, Christian Wulff repräsentiert momentan weniger die Bundesrepublik Deutschland als vielmehr den Kapitalismus über den wir täglich schimpfen. Aber ich bin ehrlich, hätte ich ein Angebot für eine Eigenheimfinanzierung zu minimalen Zinsen bekommen hätte ich natürlich sofort dieses Angebot angenommen. Wenn ich sehe, wieviele Zinsen jeden Monat bezahlt werden und wieviel getilgt wird, dann lechze ich natürlich auch nach niedrigem Zinsniveau und tue damit doch genau das, was der Kapitalismus jeden Tag predigt, nämlich „möglichst günstig einkaufen“.

Und auch die Übernachtung bei Freunden haben wir dieses Jahr schon praktiziert als wir in Genua waren, hat uns das Hotel erspart. Ok, Wulff hat das wahrscheinlich auf einem anderen Niveau praktiziert als wir und das obwohl er wahrscheinlich (vor allem dank der günstigen Eigenheimfinanzierung) wohl deutlich weniger Geldsorgen hat als der Mittelstandsbürger.

Was aber total zur Lachnummer wird ist dann die Telefonaffäre mit ausgerechnet der Zeitung die für ihren „investigativen Journalismus“ bekannt und berühmt ist. Da fragt man sich dann doch, wie blöde muß man eigentlich sein um ausgerechnet dort eine emotionsgeladene Ansage auf dem Anrufbeantworter zu hinterlassen?

Lustig auch die Aussage, dass er ja nur einen Aufschub wollte weil er ja im Ausland war und damit keine Stellungnahme zum Artikel abgeben konnte. Aber hallo Herr Präsident, noch nie was von den modernen Kommunikationsmöglichkeiten gehört? Fax, Email und sogar Videokonferenz exisitiert und wird sogar vom gemeinen Volk problemlos genutzt und da wollen sie mir erzählen, dass der Bundespräsident keine Äußerungen abgeben kann wenn er nicht gerade in Berlin weilt?

So etwas ist einfach nur peinlich. Peinlich ist auch die erneute Debatte, ob man nun den O-Ton oder die Niederschrift vom Anrufbeantworter veröffentlichen soll. Es interessiert mich ehrlich gesagt nicht, denn eigentlich hat Deutschland aktuell ganz andere Sorgen als diese Berliner Provinzposse. In mancher Hinsicht kommen hier Erinnerungen an die damalige öffentliche Diskussion hoch, ob Gerhard Schröder seine Haare gefärbt hat oder nicht. Gleichzeitig hat uns der damalige Spaßkanzler Hartz-IV und die Heuschrecken eingebrockt.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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