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Der Dichter und sein Henker

Man verzeihe mir diese Entfremdung des Dürrenmatt-Titels, aber eine bessere Überschrift  fiel mir für das was ich schreiben muss leider nicht ein. Ja, es geht um einen deutschen Schriftsteller um den es lange still war und der sich nun mit einem Gedicht wieder zu Wort gemeldet hat. Es geht um Günter Grass.

Ich selbst muss gestehen, dass ich kein großer Fan von Grass bin was nicht zuletzt auf den Kinofilm „Die Blechtrommel“ zurückzuführen ist den ich mir als Jugendlicher angesehen habe und der für meine damalige geistige Entwicklung nicht passend war. Sei es drum.

Was Grass aber nun in Form eines Gedichtes von sich gegeben hat kann und muss ich nur vorbehaltlos unterschreiben. Die Entwicklung im nahen Osten ist bedenklich und wie man heute an anderer Stelle lesen durfte wurde nun auch der iranische Sender Press TV vom Satelliten Astra genommen, wohl damit unsere gut informierte europäische Union nicht noch auf die Idee kommt sich beim „Feindsender“ zu informieren.

Was der Nobelpreisträger Günter Grass hier geschrieben hat ist natürlich auch maximal unbequem für unsere Regierung denn im Gedicht wird natürlich auch die Lieferung eines deutschen U-Bootes an Israel angeprangert. Das passt natürlich gar nicht ins Konzept.

Ein ganz anderes Gras scheint Klaus-Diemar Gabbert von der dpa geraucht zu haben. Sein Kommentar in der Zeit ist ein kläglicher Versuch die Diskussion mit der Antisemitismuskeule 2.0 zu torpedieren. Da wird dann der U-Boot-Deal mit Israel zum „business as usual“ deklariert und die momentane Spannungssituation ignoriert. Außerdem versucht er Grass als „Spinner“ hinzustellen an dem ein Psychologe wie Sigmund Freud seine wahre Freude hätte.

Und wenn er fragt, wie ein Dichter über den nächsten Holocaust unter jüdischer Regie phantasieren kann, dann frage ich mich ob Herr Gabbert mitbekommen hat, was mit den Palästinensern im Gaza-Streifen passiert ist und immer wieder passiert. Und natürlich „weiß“ Gabbert auch, dass die iranische Atombombe insgeheim und schwer verbunkert produziert wird. Irgendwie erinnert das aber wieder an die „weapons of mass destruction“ wegen derer man den Irak angegriffen hat und die bis heute keiner dort gefunden hat.

Wenn das, was die Zeit da abgedruckt hat der „Qualitätsjournalismus“ ist für den wir künftig nach Leistungsschutzrecht Gebühren abdrücken sollen, dann ist es an der Zeit  dass im Land der Dichter und Denker wieder Leute mit Gehirn die Öffentlichkeit informieren und nicht irgendwelche regierungshörigen Schmierfinken.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

1 Kommentar

  1. 1) Der kämpfende Pazifist, der sich der Größe seiner Aufgabe bewusst ist, wird keinen Unterschied machen zwischen Bürger- und Völkerkrieg, zwischen äußeren und inneren Feinden. Für ihn gibt es nur einen Krieg, nur einen Frieden. Mit gleicher Macht erstrebt er den Frieden nach innen wie nach außen.

    2) Der Pazifist, der tiefer in die Beweggründe der Kriege schaut, geht noch einen Schritt weiter in der Beurteilung des Bürger- und Völkerfriedens und sagt, der Kriegsgeist, der Geist der Gewalt, ist ein Kind des chronischen bürgerlichen Kriegszustandes, der die Eingeweide aller Kulturvölker zerreißt. Wer diesen Geist bekämpfen will, muss ihn in erster Linie als Bürger im eigenen Lande bekämpfen. Der Weg zum Völkerfrieden geht über den Weg des Bürgerfriedens und nicht umgekehrt.

    3) Das, was die Völker und Volksklassen in Waffen gegeneinander treibt und immer getrieben hat, sind Dinge wirtschaftlicher Natur, die Notzustände schaffen oder vorherrschen lassen, und für diese Zustände gilt das Gesetz: NOT KENNT KEIN GEBOT. Die Not bricht nicht nur Eisen, sondern auch Verfassungen, Verträge und Bündnisse und setzt sich über alle moralischen, ethischen und religiösen Hemmungen hinweg. Nichts ist schließlich der Not heilig als der Kampf gegen ihre Ursachen.

    4) Auf die Beseitigung solcher Notzustände hat also der ernsthafte Friedenskämpfer sein Augenmerk zu richten, unbeschadet seiner etwaigen Überzeugung, dass der Frieden oder wenigstens der Friedenswunsch mit moralischen, religiösen und ethischen Mitteln auch noch gefordert werden könne.

    5) Der Notzustand, der zu den Kriegen treibt, hat wenigstens bei den heutigen Industrie- und Handelsvölkern seinen Grund nicht in einem naturgegebenen Mangel an Industrie- und Nährstoffen, sondern in unseren gesellschaftlichen Einrichtungen, die die Produktion und den Austausch beherrschen und die Arbeit tributpflichtig machen, wobei der Umstand noch erschwerend wirkt, dass zur Sicherung dieses Tributes der Produktion und dem Tausch Hemmungen bereitet werden müssen, die zu Krisen und Arbeitslosigkeit führen. Die gesellschaftlichen Einrichtungen, um die es sich da handelt, sind das Privateigentum an Grund und Boden und das herkömmliche, aus dem Altertum in unveränderter Gestalt von uns übernommene Geldwesen, dessen Mängel immer offensichtlicher geworden sind. Grund- und Geldbesitzer fordern Zins, sonst sperren sie der Produktion den Boden und dem Austausch der Produkte das Geld. Dieser Zins überträgt sich automatisch auf das gesamte Wirtschaftsleben und schafft das, was als Kapitalismus bezeichnet wird.

    Silvio Gesell (Stabilisierung des Bürger- und Völkerfriedens, 1928)

    Ein geistiger Tiefflieger wie Günter Grass wird das wohl bis zum Jüngsten Tag nicht mehr begreifen.

    http://www.deweles.de/intro.html