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Mein Kopf gehört mir

Heute hat das Handelsblatt einen Artikel veröffentlicht der einen Beitrag zur Urheberrechtsdebatte darstellen soll, aber diese eigentlich um Jahre zurückwirft. Interessant ist, dass sich angeblich „Kreative“ äußern, diese aber eher aus dem Kreis der Verwerter von „geistigem Eigentum“ stammen.

Besonders traurig ist der pauschale Vorwurf, die Piratenpartei würde das Urheberrecht abschaffen wollen und alles „umsonst“ haben wollen. Das läßt vermuten, dass Jahre der Diskussion tatsächlich „umsonst“ (aber nicht im Sinne von gratis) waren weil die Verwerter sich nicht bewegen wollen.

Ja, mein Kopf gehört mir. Aber was ist mit den Ideen die in meinem Gehirn reifen und vielleicht niedergeschreiben werden oder als Komposition in Musik umgesetzt werden? Gehören mir diese obwohl ich dabei auf einen Wissensvorrat aufbaue den etliche Menschen mit mir teilen?

Mal ein praktisches Beispiel: Meine Tochter und meine Frau sind beides extreme Harry-Potter-Fans. Das geht soweit, dass wir die Bücher sowohl in Deutsch als auch in Englisch haben und auch alle Videofilme. Meine Frau ist zudem sehr kreativ und hat sich für den letzten Geburtstag meiner Tochter ein Quizspiel ausgedacht bei dem es um Fragen aus den Harry Potter Romanen geht. So, wem gehört nun diese Spielidee? Gehört sie meiner Frau die dieses Spiel ersonnen hat oder gehört diese Idee Frau Rowling weil diese die Romane verfasst hat? Wer letzteres bejaht möge mir jetzt die Frage beantworten, wem dann die Ideen „Zauberer mit magischen Fähigkeiten“, „Fliegen auf Besen“ usw. gehören? Joanne K. Rowling hat unzweifelhaft ein großes Werk geschaffen, aber ein Monopol auf Zauberergeschichten hat sie nicht. Der Phoenix wurde z.B. schon bei Leonardo da Vinci erwähnt, ebenso der Basilisk. Also keine Fantasiegeschöpfe die sich die Autorin ausgedacht hat, sondern sie hat etwas verwendet was im Genre schon existierte.

Man stelle sich nur mal vor, im Literaturbereich gäbe es die gleichen harten Kämpfe wie bei Musik oder gar dem Markenrecht. Rowling wäre von anderen Autoren die ebenfalls Geschichten von Zauberern schrieben (z.B. „Herr der Ringe“) oder deren Rechtsverwertern in Grund und Boden geklagt worden.

Als ich diese Titelzeile „Mein Kopf gehört mir“ las hatte ich im ersten Augenblick sogar den Gedanken, dass man endlich mal mit dieser blöden Idee des Patentierens von Ideen (oder gar Software) aufhört, denn natürlich kann ich nicht verhindern auf die gleiche Idee zu kommen wie auch vielleicht ein anderer meiner 7 Milliarden Mitmenschen. Und ich will diese Idee genauso nutzen können wie ich sie will und keine Knüppel zwischen die Beine gewofen bekommen weil irgendwer schneller beim Patentamt war als ich. Man gucke sich nur mal die Geschichte von Alexander Graham Bell und Philip Reis an, beide reklamierten für sich das Telefon erfunden zu haben. Haben sie auch, aber unabhängig voneinander.

Ja, mein Kopf gehört mir, aber das Wissen da drin gehört nach meinen bescheidenen Vorstellungen der Menschheit. Natürlich nutze ich dieses Wissen auch um im Beruf mein Geld zu verdienen, aber mein Arbeitgeber hat mir keinen Vertrag aufgezwungen der mir verbietet einem Freund bei Computerproblemen zu helfen bzw. das nur gegen den üblichen Stundensatz zu tun.

Weitere Kommentare zur Diskussion findet ihr hier und hier.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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