Artikelformat

Digitale Lochkamera

Am 29. April 2012 ist World Pinhole Day, der Tag an dem die Lochkamera gefeiert wird. Grund genug für mich, meine eigene digitale Lochkamera zu basteln.

Unbearbeiteter Deckel

Gehäusedeckel für meine Nikon.

Als geeignete Ausgangsbasis diente bei mir der Gehäusedeckel für meine Nikon, nicht das Original sondern ein Bajonett-Deckel der mit meinen Makro-Zwischenringen geliefert wurde, denn der hat genau in der Mitte so eine kleine trichterförmige Mulde die wohl vom Spritzguß her kommt und die natürlich der ideale Ansatzpunkt für ein mittiges Loch im Deckel ist.

Also habe ich mal mit einem 8mm Spiralbohrer ein Loch in die Mitte gebohrt und das ganze dann mit einem Senkbohrer auch ein wenig entgratet. Das kann man von beiden Seiten machen und hat damit schon mal eine ganz gute Ausgangsbasis für die Lochkamera. Rechts seht ihr den aufgebohrten Deckel.

Jetzt wird es schwieriger. Denn natürlich ist ein 8mm-Loch viel zu groß für eine Lochkamera. Also muß eine dünnere Folie dieses Loch schließen und diese Folie soll dann das „Pinhole“ bekommen. Doch wie bekomme ich dieses Loch schön mittig? Die Lösung sieht man wenn man den Deckel von hinten anschaut. Da gibt es eine Art kurzen Hohlzylinder den ich mal vermesse:

Diese Öffnung hat einen Innendurchmesser von 39mm. Meine Idee ist nun, dass ich die eigentliche „Lochplatte“ quadratisch mache und zwar genau so groß, dass die Ecken gerade den 39mm-Kreis berühren.  Nach dem Lehrsatz des Pythagoras hat diese Quadrat dann eine Kantenlänge von:

\sqrt{\frac{39^2}{2}} = \sqrt{\frac{1521}{2}} = \sqrt{760,5} = 27,57

Diiese etwa 27,6mm übertrage ich auf mein Streichmaß. Damit kann ich dann eine etwas dickere Alufolie mit einem Tapeziermesser passend zurechtschneiden. Als Alufolie dient mir hier ein Teil einer Alu-Gefrierdose wie man sie im Supermarkt billig einkaufen kann. Diese Folie ist nicht ganz so filigran wie die Alufolie auf Rollen aber trotzdem noch relativ dünn und sollte hoffentlich für die Lochkamera brauchbar sein.

Mitte bestimmenDie Mitte der Alufolie ist natürlich nun leicht zu finden, man zeichnet einfach die beiden Diagonalen des Quadrates und da wo sie sich kreuzen ist der Mittelpunkt des Quadrates.

Nun heißt es hier ein Loch zu bohren. Meine Bastelkiste bietet hier ein paar ganz filigrane Bohrer und ich verwende einen mit 0,8mm Durchmesser um das Loch in die Folie zu bohren.

Die gebohrte Folie und den entsprechenden Bohrer seht ihr im Bild rechts. Das Loch sieht schon ganz nett und vor allem winzig aus, was ja sehr wichtig ist für die Lochkamera.

Die Alufolie wird nun von hinten mit 2 Klebestreifen in den Gehäusedeckel eingeklebt. Damit ist das „Objektiv“ meiner Lochkamera fertig und weil ich ja die Zwischenringe für meine Nikon habe kann ich sogar mehrere verschiedene „Brennweiten“ nutzen, sprich den Deckel mit dem Loch verschieden weit vom Sensor plazieren. Das fertige „Objektiv“ seht ihr im unteren Bild.

Nun kam der große Moment, das Lochkamera-Objektiv wurde montiert und dann ging es raus in den Garten. Ein Blick durch den Sucher zeigte annäherungsweise die Umgebung, wenn auch mit vielen Farbringen und relativ dunkel. Dann der Klick auf den Auslöser und nichts passiert!

Ein Blick aufs Kameradisplay zeigt, dass die Kamera motzt weil kein Objektiv das sie irgendwie erkennen kann montiert ist. Was natürlich bei den Automatikprogrammen relativ schlecht kommt weil die Automatik ja dann auch keine Blende steuern kann. Also habe ich meine D40 auf Manuellbetrieb umgestellt und da ging dann auch der Auslöser.

Die ersten Bilder waren allerdings viel zu kurz belichtet und zappenduster. Dann probierte ich längere Belichtungszeiten bis hin zu ca. 2 Sekunden und konnte zumindest ein Ergebnis am Kameramonitor sehen.

Die Bilder dann am PC zu sehen zeigte, dass sie relativ unscharf sind. Das läßt den Schluß zu, dass 0,8mm für das Loch noch zu groß sind und vielleicht ist die Alufolie dafür auch noch zu dick. Ich werde morgen mal ein weiteres Experiment mit noch dünnerer Folie, einem noch kleineren Loch und natürlich dann Stativ und Fernauslöser probieren.

Unabhängig davon muß ich sagen, es hat riesig Spaß gemacht. Das Ergebnis des heutigen Tages könnt ihr hier sehen:

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 votes, average: 5,00 von 5)

Loading...

 

 

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

1 Kommentar

  1. Suche mal nach „pinholedesigner.exe“ und nach „pinhole.exe“

    Beides sind Rechner, die dir dabei helfen, die ideale Lochgröße zu berechnen.

    🙂