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Der kriegerische Präsident

Heute hat unser Herr Bundespräsident vor Soldaten gesprochen und dabei den mangelnden Rückhalt der Auslandseinsätze der Bundeswehr in der Bevölkerung kritisiert. Dafür wich er sogar von seinem Manuskript ab und kritisierte heftig die „glückssüchtige Gesellschaft“. Sorry, aber an diesem Punkt kann ich meine Klappe nicht mehr halten.

Ich kann mich noch gut erinnern wie der letzte Kanzler vor unserer Bundeskanzlerin uns zu Beginn des neuen Jahrtausends eine „Mitnahmementalität“ vorgehalten hat und am Schluß kam heraus, dass er selbst der wohl größte „Mitnehmer“ (AWD-Maschmeyer, Gazprom) war den wir je als Kanzler hatten. Und jetzt kommt ein Bundespräsident und schimpft auf die Glücksucht? Schließt der auch wieder von sich auf andere?

Ich denke, dass das was Herr Gauck als „Glückssucht“ tituliert nichts anderes als der verzweifelte Kampf ums Überleben in der Krise ist. Wenn Herr Gauck sich einmal mit der Maslowschen Bedürfnispyramide auseinandersetzen würde, dann würde er erkennen, dass globalpolitisches Engagement der Menschen erst ab dem erklimmen einer bestimmten Stufe dieser Pyramide überhaupt möglich ist, wer darunter „rumkrebst“ rackert sich ab um seine Grundbedürfnisse abzudecken und vielleicht einen kleinen Hauch von sozialer Sicherheit zu erlangen. Und wenn man die Meldungen des statistischen Bundesamtes liest und sieht, wie hoch das Armutsrisiko in Deutschland ist, dann muss man sich nicht wundern, wenn „Sterben für das Vaterland“ nicht zu den Prioritäten des gemeinen Volkes zählt.

Wenn ich überhaupt jemandem „Glückssucht“ vorwerfen würde, dann den Finanzmarkt-Akteuren die mir ihrer unersättlichen Gier nach dem schnellen und leichtverdienten Geld ganze Volkswirtschaften in den Ruin treiben.

Was das Thema Kriegseinsatz der Bundeswehr angeht, so muss ich feststellen, dass wir hier auf verlorenem Posten kämpfen. Am Hindukusch wird ein Krieg geführt der nicht zu gewinnen ist, ja bei dem mittlerweile wahrscheinlich schon keiner mehr weiß, wie überhaupt der Sieg aussehen soll. Die Invasoren (ich verwende diesen Begriff bewußt) machen sich auch mit jeder zerbombten Hochzeitgesellschaft neue Freunde und der Big Brother der das Spiel gestartet hat ist raus und führt nun ferngesteuerte Drohneneinsätze ohne Rücksicht auf Landesgrenzen.

Ich selbst kann mich aufgrund meines Alters noch an Ausgaben des Grundgesetzes erinnern in denen die Bundeswehr nur zum Einsatz kommen durfte, wenn Deutschland angegriffen wird und der sogenannte Verteidigungsfall ausgerufen wird. Aber das war im letzten Jahrtausend. Mittlerweile mischen wir wieder an allen Fronten mit und dank der Position 3 beim weltweiten Waffenexport rollt der Rubel für die Waffenproduzenten.

Ja Herr Gauck, Freiheit ist nicht ohne Verantwortung zu haben wie sie selbst in dieser Rede sagen, aber für mich besteht diese Verantwortung vor allem darin, bewaffnete Konflikte zu vermeiden. Gewalt und Krieg sind immer eine Folge des Versagens der Diplomatie. Und für mich gehört zum Freiheitsbegriff auch die Freiheit des Gegners, sein Leben selbstbestimmt und ohne meine Einmischung zu leben.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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