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Friedensnobelpreis, quo vadis?

Heute hat die EU den Friedensnobelpreis verliehen bekommen. In der Begründung heißt es:

Die Union und ihre Vorgänger haben über sechs Jahrzehnte zur Förderung von Frieden und Versöhnung beigetragen. Seit 1945 ist diese Versöhnung Wirklichkeit geworden.

Sechs Jahrzehnte Frieden und Versöhnung? Da frage ich mich dann doch, ob das Nobelpreiskommitee mal einen Realitätscheck machen sollte.

Man denke nur mal an die diversen bürgerkriegsähnlichen Konflikte wie z.B. in Nordirland oder dem spanischen Baskenland.  „Frieden und Versöhnung“ würde ich anders definieren. Natürlich kann man anführen, dass die Mitgliedsstaaten der EU untereinander bislang keinen Krieg führten, was aber auch nicht verwundert weil die Gründerstaaten ja größtenteils auch der NATO angehören. Wenn ich aber an meine Kindheit und Jugend zurückdenke, dann war da der „kalte Krieg“ noch richtig aktiv und man erzählte uns, dass die Russen mehr oder weniger vor der Tür stehen. Erinnern wir uns an den Prager Frühling, dann war das sicher auch nicht unbedingt ein Akt der Harmonie.

Und dann sehen wir uns mal an, wo die EU überall mitmischt. NATO-Truppen machen überall da mit wo die USA mit vorgeschobenen Kriegsgründen ihre Kriege gestartet hat. In Afghanistan ist auch unsere Bundeswehr im Kriegseinsatz, Truppen aus EU-Staaten kämpfen auch im Irak und sonstwo auf der Welt um amerikanische Interessen zu schützen.

Zudem ist die EU vor allem dank Deutschland einer der größten Exporteure des Krieges, immerhin sind wir Deutschen auf Platz 3 bei den Waffenexporten. Schön, dass wir uns nicht mehr auf EU-Territorium gegenseitig den Schädel einschlagen, aber wir verdienen gut daran, dass der Rest der Welt Krieg spielt.

Und ja, apropos „verdienen“. Was momentan in der EU passiert könnte man durchaus auch als Krieg von „Reich gegen Arm“ bezeichnen. Der Durchsetzung der neoliberalen Ideologie, welche übrigens bisher noch nirgendwo erfolgreich war, werden EU weit die Demokratie und das Sozialstaats- und Solidaritätsprinzip geopfert. Die damit einhergehende Verelendung eine Großteils der Bevölkerung ist zwar nicht direkt mit einem Krieg wie dem 2. Weltkrieg vergleichbar, aber für die direkt Betroffenen geht es auch um nicht mehr oder weniger als ihre Existenz.

Da bleibt mir jetzt nichts anderes übrig als mich zu fragen, ob ich angesichts der Mißstände die längst nicht mehr verschwiegen werden sondern als „alternativlos“ begründet werden tatsächlich stolz sein soll, einer von etwa 500 Millionen Friedensnobelpreisträgern zu sein. Oder ob ich eben feststellen muss, dass die Verleihung des Friedensnobelpreises einfach zu einer „Unterhaltungsshow“ verkommen ist und streng nach dem Motto „The show must go on“ wird krampfhaft ein Nobelpreis verliehen, obwohl keiner da ist, der ihn wirklich im Wortsinn „verdient“ hätte.

Einer der letzten Friedensnobelpreisträger, der aktuelle US-Präsident Barack Obama, autorisiert weiterhin fleißig die gezielte Tötung von angeblichen Terroristen durch Drohnen, egal ob er damit die Souveränität anderer Staaten verletzt oder Unschuldige ums Leben kommen. Wobei nach meinem Rechtsverständnis auch die Ziele der Drohnen in die Kategorie „unschuldig“ einzuordnen sind, denn ein ordentliches Gerichtsverfahren hatten sie ja nicht.

Also wahrlich keine angenehme Gesellschaft in die man die EU jetzt erhoben hat.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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