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Der Fluch der Social Networks

Mit 51 Jahren bin ich alt genug um auch das „old-fashioned“ Internet zu kennen und es mit dem vergleichen zu können was wir heute haben. Und obwohl ich bei Google+, LinkedIn, Twitter und Co. aktiv bin weiß ich sehr wohl, wie es früher war.

Früher war alles besser. Nein, Spaß beiseite früher war es anders. Es gab durchaus Diskussionsplattformen wie Mailinglisten und Newsgroups, aber hier wurde strikt fachbezogen disktuiert und wehe, wenn jemand es wagte in einem Posting eine Frage zu stellen die für die entsprechende Leserschaft als „off topic“ einzuordnen war, das war und ist immer noch ein wunderschöner Auslöser für Flamewars.

Der große Vorteil dieses Ansatzes ist natürlich, dass ich mich auf das Thema welches mich beschäftigt fokussiere und nicht abgelenkt werde. Schauen wir heute mal in die Social Networks, dann „folgen“ wir nicht mehr Themen, sondern Personen. Personen sind aber deutlich vielschichtiger und natürlich kann Hans Mustermann heute ein Posting zum Thema „Umweltschutz“ loslassen, morgen ein schönes Foto von seinem Hund posten und übermorgen einen Test über das neueste Smartphone. Wenn ich der Person Hans Mustermann folge, dann sehe ich all das.

Die philosophische Frage die sich mir hier stellt ist die, ob das gut oder schlecht ist. Die Antwort ist nicht einfach, denn

  • schlecht ist es weil es mich von dem ablenkt mit dem ich mich aktuell auseinandersetze. Auf der Suche nach einem Treiber sind Fotos vom Hund einfach nur störendes Rauschen
  • gut ist es aber, weil es mich mit Themen konfrontiert, die sonst vielleicht unbemerkt an mir vobeigezogen wären. Ok, hier ist das Hundefoto vielleicht ein schlechtes Beispiel, denn es hat für mich vielleicht wenig Relevanz. Aber ich bin auch gezwungen, über andere Themen zu lesen und da ist durchaus das eine oder andere dabei, was mich in einem anderen Kontext brennend interessiert. So gesehen erweitern Social Networks den Horizont ganz wesentlich, man verliert die Scheuklappen des „Fachidioten“.

Letztlich muss man aber auch feststellen, dass klassische Medien wie Mailinglisten oder Newsgroups mittlerweile vom Aussterben bedroht sind. Fast jeder Zugangsprovider hat mittlerweile seine NNTP-Server abgeschaltet, einfach weil die Nachfrage zu gering war und sich das nicht mehr rechnet. Mailinglisten existieren zwar noch, aber diverse Maildienste bieten immer weniger wirklich gute Filterfunktionen (Stichwort „reguläre Ausdrücke“) an um dem Traffic der Mailinglisten Herr zu werden.

Schöne neue Welt? Für meine Kinder wird sich diese Frage wohl nicht mehr stellen, die kennen nur noch Web zwo-null und sonst nichts mehr.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

1 Kommentar

  1. Als eher sportaffiner Nutzer der sozialen Medien waren früher Foren ein unbedingtes Muss bei der Nutzung von Webseiten, die inzwischen durch die dazu passenden Facebookseiten fast völlig verschwunden sind ohne diese in der Qualität jemals ersetzen zu können … Schade!