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Killer-Spielzeug

Seit ein paar Tagen läuft die Meldung durch die Newsticker, dass die Bundesregierung jetzt die Anschaffung von bewaffneten Drohnen plant. Der passende Euphemismus für das Killerspielzeug ist auch schon gefunden: „Fähigkeitserweiterung für bestehende Wirksysteme„. Das hört sich doch ganz harmlos an, oder?

Tatsächlich handelt es sich um Killermaschinen die ferngesteuert den Tod über Menschen bringen. Erfahrungswerte haben wir dank unseres amerikanischen Friedensnobelpreisträgers der ja täglich Drohneangriffe in fremden Ländern (denen er natürlich nicht den Krieg erklärt hat) autorisiert. Wikipedia hat eine Statistik über die Angriffe allein in Pakistan. Schauen wir uns das mal an:

  • Total strikes: 350
  • Total reported killed: 2,586 – 3,375
  • Civilians reported killed: 472 – 885
  • Children reported killed: 176
  • Total reported injured: 1,252 – 1,401
  • Strikes under the Bush Administration: 52
  • Strikes under the Obama Administration: 298

Obama hat also knapp 6 mal soviel Angriffe angeordnet wie sein Amtsvorgänger, wahrscheinlich hat er deswegen auch gleich den Firedensnobelpreis bekommen. Und natürlich gibt es bei jedem dieser Angriffe die sogenannten Kollateralschäden, eben mal zwischen 472 und 885 Zivilisten die sich eben zur falschen Zeit am falschen Ort befanden und darunter auch 176 Kinder. Im Angesicht dieser Zahlen ist die Bestürzung des Präsidenten über die in Newtown von einem Amokläufer umgebrachten Kinder pure Heuchelei.

Nach meiner bescheidenen Meinung sollten Kampfdrohnen schnellstmöglich international geächtet werden, denn sie machen den angeblichen Kampf gegen den Terror noch asymmetrischer als er sowieso schon ist. Auf der einen Seite das Ziel des Drohenangriffs, ein mutmaßlicher Terrorist der ohne ein ordentliches Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt wurde und das Urteil soll per Drohnenangriff überbracht und vollstreckt werden. Ohne dass der Angeklagte Gelegenheit hat sich zu verteidigen und wenn dabei andere Menschen zu Schaden kommen, dann ist das eben „shit happens“. Auf der anderen Seite der „Drohnenpilot“ welcher bequem per Fernsteuerung den Feuerknopf betätigt. Für unseren Verteidigungsminister ist das kein qualitativer Unterschied zu einem Kampfjet-Piloten:

„Unbemannte, bewaffnete Luftfahrzeuge unterscheiden sich in der Wirkung nicht von bemannten. Immer entscheidet ein Mensch, eine Rakete abzuschießen“

Ja Herr Minister, wir sind wirklich glücklich, dass die Entscheidung über den Tod von Menschen immer noch von einem anderen Menschen getroffen werden muss und die Kampfdrohnen nicht autonom entscheiden. Der qualitative Unterschied dürfte wohl darin liegen, dass der Soldat an der Front unmittelbar sieht, welche Wirkung sein Angriff hat und, das dürfen wir nicht vergessen, er trägt das Risiko selbst verletzt oder gar getötet zu werden.

Die moderne Drohnentechnik macht es aber nun möglich, dass der Angriff aus der Ferne gesteuert wird. Das ist so anonym wie in einem Ballerspiel, man hat sein Target das anvisiert wird und drückt den Feuerknopf, dass damit an einem anderen Ort der Welt reale Menschen ins Jenseits befördert werden kann man sicherlich einfacher verdrängen als wenn man vor Ort wäre. Im Zweifelsfall kann man die Bilder vom Einsatzort sicherlich auch „schönrechnen“ und tote Leute die nicht das direkte Angriffziel waren werden eben als „Aufständische“ deklariert die sich mit dem Angriffziel zu einem konspirativen Meeting getroffen haben.

Es gibt ein einfaches Wort für das was Drohnen verbreiten: Terror. Ein Staat der Drohnen zur Durchsetzung seiner Interessen einsetz muss nach meiner Meinung in die Schublade „Schurkenstaat“ einsortiert werden, auch wenn klar ist, das die gängige Definition von Schurkenstaaten die Staaten bezeichnet, die sich nicht so verhalten wie es das Imperium und sein Präsident gerne hätten.

Deutschland will also auch in die Reihe der Schurkenstaaten aufgenommen werden. Angeblich sollen die Drohnen ja der Abschreckung dienen, aber das ist angesichts einer nicht existenten Bedrohung durch einen realen Feind eher ins Reich der Märchen einzuordnen. Tatsächlich sollen die Drohnen wohl eher unsere wirtschaftlichen Interessen weltweit durchsetzen oder gar im Inland bei Demonstrationen oder Aufständen eingesetzt werden.

Es zeigt mir leider, dass die Politik nichts, aber auch gar nichts gelernt hat. Jeder Status Quo der mit Gewalt erreicht wurde lässt sich definitionsgemäß nur mit weiterer Gewalt aufrecht erhalten. Es passt in das Konzept des immerwährenden Krieges, denn es sichert die Profite der weltweiten Rüstungsindustrie. Moralische Bedenken oder ähnliches müssen da einfach außen vor bleiben. Hauptsache Profit, Leute hat dieser Planet eh schon genug, oder was?

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.