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Testmanagement-Tool

In meinem Job muss ich immer wieder irgendwelche Tests machen. Und Testen heißt in dem Fall, dass man sich für jede Anforderung einen Testfall überlegen muss und am Ende für das Produkt welches man testen will einen Testplan braucht, der möglichst viele der Anforderungen testet. So etwas schreit förmlich nach einem computergestützem Tool und ich habe schon diverse ausprobiert. Gestern bin ich dann auf ein Tool gestoßen, welches meine Wünsche zu mehr als 90% erfüllt, fürs Erste wenigstens.

Das Tool heißt „Squash-TM“ und ist natürlich OpenSource. Es ist in Java geschrieben und es gibt sogar Binärpakete für Debian. Ich habe das also gleich mal auf meinen Laborserver genagelt und ausprobiert.

Squash-TM bringt drei Workspaces mit, einen für die Anforderungen die bei mir einfach die elementaren Funktionalitäten von PC-Hardware sind. Also z.B. „Netzwerkkarte soll mit jeder möglichen Geschwindigkeit funktionieren“. Diesen Anforderungskatalog kann man in einer Ordnerstruktur organisieren und er ist pro Projekt vorhanden.

Der nächste Workspace beschreibt die Testfälle. Für die Anforderungen an die Netzwerkkarte kann ich also z.B. einen dreistufigen Test formulieren der am Switch jeweils eine der Geschwindigkeiten 10,100 oder 1000 einstellt und dann muss der Tester eben sehen, ob das LAN wirklich mit dieser Geschwindigkeit läuft.

Der dritte Workspace heißt „Campaign“ und hier bastele ich die Testpläne aus einzelnen Testfällen des Testfall-Workspaces zusammen. Für einen PC kann ich also schön alle möglichen Testfälle zu einem großen Plan zusammenbauen. Und für diesen Testplan kann ich dann sogenannte „Iterationen“ definieren, also das tatsächliche Ausführen des Tests der dann einem User des Systems zugewiesen wird. Der Tester kann sich dann ins System einklinken und den Testplan abarbeiten, hier geht für jeden Test den er manuell ausführt ein Popup-Fenster auf in dem die Testschritte aus der Testfall-Beschreibung aufgeführt sind und auch das erwartete Ergebnis. Am Ende kann der Tester festlegen, ob der Test erfolgreich oder fehlerhaft war. Diese Ergebnisse landen wieder in der Datenbank, d.h. als Projektmanager sieht man gleich, wieviel Prozent der Tests schon gemacht wurden und wieviele Fehler es gab usw.

Das Tool passt wunderbar auf mein Hardware-Testlabor, aber natürlich auch für jedes Software-Projekt welches getestet werden soll. Die Datenbank kann man in MySQL ablegen und auch wenn das Tool noch einige nicht optimale Bedienszenarios hat ist es doch das beste Tool das ich bislang für dieses Thema in den Fingern hatte.

Neben diesen Test-Management-Funktionen gibt es zudem die Möglichkeit sich an den Bugtracker Mantis anzuflanschen und Fehler beim Test sofort in Mantis als Ticket aufzumachen, das Testmanagement-Tool versorgt dann den Bugtracker bereits mit den wichtigen Infos, also wie ist der Testfall beschrieben, welches Ergebnis habe ich erwartet und man muss dann nur noch formulieren, worin jetzt das Problem besteht.

Der momentane Wermutstropfen an Squash-TM ist ein Sprachproblem. Das Tool wurde von Franzosen entwickelt und vieles auf der Webseite und auch das User-Forum sind vorwiegend in Französisch, auch wenn im Forum durchaus kompetent auch auf englische Fragen in Englisch geantwortet wird. Ich werde mal versuchen, ob ich mit den Entwicklern in Kontakt komme und einige der Holprigkeiten die mir auffallen als Verbesserungsvorschläge plazieren.

In jedem Fall, wenn einer was zum Testen hat und ein brauchbares Werkzeug sucht, dann sollte er Squash-TM einfach mal antesten. Die Webseite hat auch eine funktionierende Online-Demo der im vergleich zur installierten Version allerdings einige Reporting-Fähigkeiten fehlen.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

2 Kommentare

  1. Auch andere Mütter haben schöne Töchter 😉 Unser „Zeta Test Management“ ist auch komplett kostenlos für den Einsatz im Open-Source-Umfeld.

    • Was mir bei der „schönen Tochter“ von Mutter Zeta fehlt ist ein Linux-Download. 🙂 Irgendwie fände ich es suboptimal in einem Linux-Testlabor eine Windows-Software laufen lassen zu müssen…