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Der teure Wahlkampf der Kanzlerin

Heute wurde beschlossen, dass man ungeachtet der Kostenexplosion das Mammutprojekt „Stutgart-21“ weiterbauen will. Links auf die Nachrichten spare ich mir angesichts des unlängst beschlossenen Leistungsschutzrechtes.

Was man aber sich mal vergegenwärtigen muss ist, dass das Überleben des Projektes eigentlich nur dem aktuellen Wahlkampf geschuldet ist. Angela Merkel will keine „Ausstiegsdiskussion“ haben und somit muss das Projekt um „jeden Preis“ durchgezogen werden. Und jeder Preis sind zum heutigen Stand 2 Milliarden Euro mehr als ursprünglich geplant, wobei die Bahn auch ganz frech behauptet, dass ein Ausstieg ebenfalls bereits 2 Milliarden Euro kosten würde. Kosten die ich persönlich so nicht nachvollziehen kann, denn wenn das Projekt bis zur frühestmöglichen Fertigstellung im Jahr 2022 mit 6,5 Milliarden Euro veranschlagt wird, dann können zum gegenwärtigen Zeitpunkt doch eigentlich nicht bereits 30% der Kosten aufgelaufen sein.

Aber rationale Argumente zählen sowieso nicht im Wahlk(r)ampf und darum heißt es jetzt wohl „Augen zu und durch“. Letztlich darf es eh der Bahnkunde bzw. Steuerzahler bezahlen und da ist es egal, wieviel Geld man noch in den Sand setzen wird. Denn wer glaubt, mit additiven 2 Milliarden die jetzt vom Aufsichtsrat durchgewunken wurden ist die Finanzierung in trockenen Tüchern, dem ist nicht mehr zu helfen. Schauen wir auf andere bundesdeutsche Großprojekte wie den Flughafen in Berlin, dann sehen wir, dass der Teufel im Detail steckt. Und die 6,5 Milliarden Baukosten die man jetzt veranschlagt sind wohl der „best case“ immer hoffend, dass alles wie geplant laufen wird. Wehe, wenn bei den Tunnelarbeiten dann vielleicht doch klar wird, dass die Skeptiker welche auf die besonderen Gesteinsformationen in Stuttgart hingewiesen haben vielleicht doch recht haben werden, dann werden die Kosten noch weiter explodieren. Und wenn man bedenkt, dass seit der Volksabstimmung zu Stuttgart 21 die ursprünglich abgstimmten Kosten um 2 Milliarden gestiegen sind und man diese Kostensteigerungsrate nur linear auf die Zukunft projiziert (2 Milliarden in 15 Monaten) dann kommt man auf 133 Millionen Mehrkosten pro Monat, macht in 9 Jahren bis 2022 also dann weitere 14 Milliarden, also dürften die finalen Baukosten irgendwo im Bereich von 20 Milliarden Euro liegen. Und das ist wie gesagt noch optimistisch geschätzt, normalerweise explodieren Kosten ja exponentiell und dann dürften wir uns in ganz anderen Größenordnungen bewegen.

Das ist also was der Amtseid „Schaden vom deutschen Volk abzuwenden“ im Alltag bedeutet…

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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