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Wheezy auf dem Büro-PC

Gestern morgen fiel bei mir auf der Arbeit der Startschuß für Debian/Wheezy auf dem Büro-PC. Der Startschuß äußerte sich in Form eines leichten „Plopp“ verbunden mit elektrischem Geruch („Gleich-riecht-er“) und die schnelle Diagnose war, dass wohl im Netzteil der Kiste ein Elko sein Leben ausgehaucht hatte. Ersatznetzteil zu besorgen hätte lange gedauert, also habe ich mich entschlossen, einfach einen „alten“ Rechner aus dem Labor als Ersatz zu installieren.

Und wenn man schon mal einen Rechner neu aufsetzt, dann auch gleich mit der neuesten Distribution, also Debian/Wheezy was ja noch immer im Status „testing“ ist. Das Basissystem war flott von der netinstall-CD installiert und für die nVidia-Graphik wählte ich zuerst den proprietären nVidia-Treiber der anfänglich auch gut lief. Im Laufe des Tages wollte aber plötzlich der Gnome3 nicht mehr so starten wie er soll, sondern lief nur noch in einem Ausweichmodus und glxinfo zeigte immer, dass „direct rendering: no“ ist. Egal was ich auch versucht habe, das Ding wollte nicht mehr rund laufen also bin ich heute nochmal in die Installation eingestiegen und habe mich auf den nouveau-Treiber beschränkt dem man mit der passenden xorg.conf ja auch Dualscreen-Betrieb beibringen kann.

Das nächste „Problem“ war sozusagen das Desaster-Recovery meiner Daten. Klar, ich habe noch die beiden Platten aus dem alten PC und könnte die einfach anstöpseln und die Daten von dort holen. Andererseits habe ich aber seit Jahren ein vollautomatisiertes Backup mit Bacula und das letzte „Vollbackup“ lief letzten Freitag, also eigentlich die ideale Position um mal einen Restore mit Bacula zu machen. Das ging relativ schnell, denn der Büro-PC ist ja nur ein Client und kein Bacula-Director bzw. Storage-Server. Es reichte also auf dem PC mal schnell den Bacula-Client zu installieren. Derweil habe ich die Config-Dateien des PCs für Bacula auf dem Bacula-Server „restored“ und dann via LAN auf den Büro-PC geholt. Dann konnte ich einfach die Bacula-QT-Konsole starten, mein Backup vom Freitag auswählen und die Daten einfach zurückspielen. Klappte wunderbar, also kein Problem beim Recovery des Desasters.

Das eigentlich größte Problem stellte der Citrix-Receiver dar, den ich gelegentlich nutzen muss um an den Windows-Terminalserver zu kommen wenn wir wieder mal „Windows-Only-Anwendungen“ nutzen müssen. Citrix bietet zwar Debian-Pakete auch für amd64 an, aber was da entpackt wird ist leider nicht für die Architektur „amd64“ gebaut sondern weiterhin „i386“-Pakete und in den Abhängigkeiten des amd64-Paketes findet man dann die ia32-libs. Bei Wheezy kommt das ganz bescheiden, denn Wheezy implementiert „multiarch“ und da gibt es kein ia32-libs-Paket mehr. Außerdem will der Citrix-Receiver auch noch den nspluginwrapper nutzen, den es aber bei Wheezy auch nicht gibt.

Also habe ich mir statt des Debian-Paketes einfach den normalen Tarball gezogen und entpackt. Dann Wheezy mit der i386-Architektur bekannt gemacht und im entpackten Tarball die beiden Programme „wfcmgr“ und „wfica“ mit ldd angeschaut. Da sieht man dann nämlich, welche 32-bit-Bibliotheken man noch braucht und dank multiarch kann man die dann auch einfach installieren. Für den nspluginwrapper habe ich mir das Paket von Squeeze geholt aber nicht installiert sondern nur entpackt und die Dateien in die passenden Verzeichnisse verschoben. So vermeide ich nicht erfüllbare Abhängigkeiten bei der Paketinstallation, denn nspluginwrapper von Squeeze hängt auch von den ia32-libs ab. Danach den entpackten Tarball vom Citrix-Receiver mit „setupwfc“ installieren und via nspluginwrapper das npica.so für den Iceweasel (Firefox) installieren. Nach dieser Orgie funktionierte der Citrix-Receiver auf Anhieb.

Ansonsten keine Probleme, bis eben auf den Unsinn den der nvidia-Treiber gestern gemacht hatte. Ich bin immer noch am Grübeln wie dieses Problem entstand, ob es auch durch multiarch kam oder ob einfach zuviele „diversions“ im nVidia-Treiber drin sind und da noch was wackelt, denn anfänglich ging es ja problemlos und irgendwann dann nicht mehr. Egal,. für meine Bürozwecke tut es auch der nouveau-Treiber der ja Open-Source ist und damit einfacher zu warten ist als ein closed-source proprietärer Treiber. Und weil ich die Kiste dann eh schon frei von proprietärer Software halte hat es nun auch Google Chrome nicht mehr auf die Maschine geschafft, fürs Büro tut es auch der Iceweasel (Firefox).

Jetzt läuft also eine „neue“ Maschine bei mir im Büro mit Wheezy und ich bin ganz zufrieden. Gnome3 ist ganz angenehm zu nutzen, auch wenn man ein wenig Umstellungsaufwand hat.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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