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Ist Deutschland das „coolste Land der Welt“?

Gestern hat FDP-Chef Rösler auf dem Bundesparteitag der Liberalen für Deutschland geschwärmt und es als das „coolste Land der Welt“ bezeichnet. Das führte auf Twitter zu einem Sturm von Tweets welche die subjektive Realität unter dem Hashtag #ImCoolstenLandDerWelt zusammenfassen.

Sehr viele Twitterer, mich eingeschlossen, nutzten dieses Mem um nochmals den Finger in die vielen offenen Wunden zu legen welche es auch im „coolsten Land der Welt“ gibt. Und natürlich gab es auch Postings die diese öffentliche Kritik als „Schlechtmacherei“ titulierten und einige meinten, wem es hier nicht passt, der könne ja auswandern…

Ja, man könnte ja auswandern wenn man der Ansicht ist, dass hier vielleicht doch nicht das „coolste Land der Welt“ ist. Dem steht aber entgegen, dass Menschen dieses Land als ihre Heimat ansehen, die Stätte ihrer Vorfahren und das Gebiet, in dem sie vom Kind zum Erwachsenen gereift sind. Warum also sollte ich meine Heimat verlasen und vor den Mißständen kapitulieren? Warum sollte ich meine Heimat denjenigen, die sie kaputt machen auch noch kampflos übergeben?

Hier habe ich meiner Wurzeln und auch wenn ich mich mal ganz global als „Terraner“ (in Anlehnung an die Perry Rhodan Heftserie die ich früher gelesen habe) bezeichne, so habe ich doch nicht vor, wie ein Nomade von Land zu Land zu ziehen, immer auf der Suche nach „dem coolsten Land der Welt“. Möglicherweise ist Deutschland ja wirklich so „cool“ und wahrscheinlich sterben deshalb jedes Jahr an den EU-Außengrenzen so viele Menschen bei dem Versuch, das gelobte „coolste Land der Welt“ zu erreichen. Vielleicht schnellt dieser „death toll“ nach Röslers Äußerung nun nach oben, hoffen wir, dass sich dieses Zitat nicht so weit verbreitet, dass es tatsächlich dazu führen könnte, dass Leute auf die Idee kommen hier wäre alles in Butter.

Deutschland hat massive Probleme, besonders das soziale Ungleichgewicht das jeden Tag noch ein wenig mehr ans Limit gerät, als „in Balance“ kann man den Zustand zwischen „arm“ und „reich“ in Deutschland ja schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten nicht mehr bezeichnen.

Eine Regierungspartei welche nun lieber sich selbst in den Himmel lobt und so tut als wäre alles ja super ist in meinen Augen alles andere als geeignet, die dringlichen Probleme von Deutschland und der Eurozone zu adresssieren. Da helfen auch keine neoliberalen Rankings wie eben „coolstes Land der Welt“, das ist alles nur Show. So zeigte dann auch das Einhacken auf die „Konkurrenz“ bei der Bundestagswahl dass die FDP sich selbst groß zu machen versucht indem sie die anderen klein macht.

Und was ich von Brüderle heute im Radio hören konnte erinnerte unterschwellig an „wir kämpfen bis zur letzten Patrone“. Das mag bei einer angeheizten Delegiertenmenge als Parole ankommen, bei nüchterner Betrachtung ist es einfach nur traurig. Meinetwegen darf die FDP in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, ihre Existenz oder Nicht-Existenz wird sicher nicht viel am subjektiven „Coolness-Faktor“ von Deutschland ändern.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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