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Ist man mit 30 Euro im Monat arm?

Als ich neulich über die Talkshow des Grauens berichtet habe und davon, dass Näherinnen in Bangladesch nur 30 Euro im Monat bekommen habe ich das mit dem Begriff „arm“ assoziiert. In der nachfolgenden Diskussion auf Google+ kam dann die Frage auf, ob 30 Euro in Bangladesch auch als arm gilt oder nicht.

Daraufhin habe ich mal versucht, ein paar Daten über die Lebenssituation in Bangladesch zu bekommen. Eine sehr interessante Seite hat „Bangladesch in Zahlen„. Hier zeigt sich, dass das Durchschnittseinkommen im Jahr 2006 bei 406 US-Dollar lag, 30 Euro sind also wohl ein Durchschnittseinkommen.

Trotzdem denke ich, dass man mit diesem Durchschnittseinkommen nicht weit kommt, denn es fehlt die Aussage über die Einkommensverteilung. Was allerdings dieser Seite zu entnehmen ist sind Aussagen über die Armutsgrenze und wieviele Leute darunter liegen:

Bevölkerung unterhalb der internationalen Armutsgrenze (weniger als 1 US$ pro Tag)
36% = 56 Millionen Menschen

Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze (weniger als 2.122 kcal Nahrung am Tag)

46% = 64,6 Millionen Menschen
Extrem Arme (weniger als 1.840 kcal Nahrung am Tag) 20% = 28,1 Millionen Menschen

Also ist mehr als ein Drittel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze was das Einkommen angeht und sogar fast die Hälfte was die Kalorienzufuhr angeht.

Auch die Daten über die Alphabetisierung lassen den Schluss zu, dass die Leute dort sehr arm sind: 43,1 % der Frauen über 15 Jahren können Lesen und Schreiben. Bei den Männern sind es 53,9 %.

Hier habe ich einfach mal wieder Maslows Bedürfnispyramide im Kopf. Wenn fast die Hälfte der Bevölkerung eines Landes aus Analphabeten besteht, dann ist das für mich ein Zeichen, dass sich der Lebensstandard dieser Leute bislang nur auf die unterste Stufe der Bedürfnispyramide erstreckt und höhere Stufen wie Bildung im täglichen Dasein einfach nicht enthalten sind.

Eben deshalb denke ich, dass die Leute auch bei 30 Euro Monatseinkommen durchaus nicht in Saus und Braus leben, sondern dass es eben gerade so zum Überleben reicht. Und wenn dann so ein Verdienst wegen Arbeitsunfähigkeit wegfällt, dann ist das für die Familie ein schwerer Schicksalschlag, eben so wie man im eingespielten Filmbericht über die Näherin die beim Fabrikeinsturz ihren Arm verloren hat gesehen hat.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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