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Weltuntergang

Heute nachmittag ging hier in Augsburg sozusagen die Welt unter. Ich war gerade mit Stefan auf dem Rückweg von der City Galerie als es gegen 17:30 hier stockdunkel wurde und zu hageln anfing. Gleichzeitig kamen etliche Anrufe weil Anna heute einen Termin bei ihrer Jugendgruppe am Klinikum hatte und dort möglicherweise abgeholt werden sollte. Und zu allem Überfluss bekam unser Hund Lucy noch die Panik und flüchtete mit ein paar Sprüngen über die Gartenzäune bei uns und beim Nachbarn.

Nach dem Heimkommen von der City-Galerie habe ich erst mal daheim nachgesehen, wie die Situation ist. Kurz darauf klingelte die Nachbarin und meinte unser Hund, der eigentlich im Haus hätte sein sollen, wäre gerade über die Gartenzäune verschwunden. Schlechte Nachricht, aber in dem Moment kam auch die Meldung meiner Tochter, dass sie eben am Klinkum abgeholt werden wollte, und das hatte natürlich Priorität. Also los mit dem Auto auf die B17 Richtung Norden.

Das ging bis zur Ausfahrt Leitershofen. Die dortige Unterführung stand in Richtung Süden ungefähr 1m unter Wasser, und der Stau in Richtung Norden ließ vermuten, dass es in dem Tunnel bei Stadtbergen möglicherweise ähnlich aussah. Also runter von der B17 und ab nach Leitershofen. Hier herrschte das blanke Chaos. Armdicke Äste die überall verstreut waren, riesige Pfützen und aus einem Gulli sprudelte das Wasser ungefähr 50cm hoch.

Kreuzung an der Ackermannstraße

Kreuzung an der Ackermannstraße

Irgendwie habe ich es dann nach Pfersee geschafft. Die Kreuzung mit der Ackermannstraße habe ich dann bei roter Ampel mal kurz fotografiert. Auf der Ackermannstraße ging es im Schritttempo weiter bis zur Auffahrt an die B17, da wieder Stau weil kurz danach wohl ein Baum auf der rechten Fahrspur lag. Also rechts rein und wieder hoch Richtung Ulmer Straße. Dummerweise gibt es kurz vor der Ulmer Straße eine Baustelle und der Verkehr wird nach links in die Ranzbergstraße geleitet. Ha, das kenne ich, da hat ja früher die manomama residiert. Also irgendwie gings weiter bis zur Ulmer Straße. An der Haltestelle Kriegshaber stehen zwei Straßenbahnen mit Warnblinker, auf der Ulmer Straße die nächste mitten in der Fahrspur. Die Schienen liegen voll mit Ästen und in Richtung Klinkum sieht es nicht besser aus. Gut, dass Anna abgeholt werden wollte, denn wäre sie mit der Straßenbahn gefahren wäre das wohl die Oddysse schlechthin geworden. Nach ungefähr 50 Minuten bin ich also am Klinkum und sammle Anna auf.

Mittlerweile kam auch der Anruf, dass Lucy gefunden ist, sie hat sich in ihrer Panik bis in die Tiefgarage an der Hofackerstraße geflüchtet und dort zum Glück einen Freund von uns getroffen der dann daheim anrief. Nachbarn machen sich auf den Weg um den Hund heimzuholen, denn ich bin ja noch im Chaos.

Also Heimweg. Keine Chance von der Kinderklinik in Richtung Kobelweg abzubiegen, alles staut sich und am Kreisverkehr in Neusäß steht die Feuerwehr. Also wieder Richtung Ulmer Straße. Dort vorbei an der Straßenbah die immer noch die rechte Fahrspur blockiert. Kurz darauf gibt es wieder kein weiterkommen, statt bis zur Kreuzung Kobelweg und Rheinölstraße werde ich vorher nach rechts wieder Richtung Ackermannstraße umgeleitet. Dort links in Richtung Innenstadt. An der Gabelung geht es auch nur geradeaus Richtung Rosenaustraße weiter, die Feuerwehr bemüht sich verzweifelt einen Gulli frei zu bekommen und wir fahren wieder durch knietiefes Wasser. So langsam frage ich mich, was passiert wenn der Auspuff unter Wasser ist? Bleibt mein Auto dann stehen.

Als wir dann oben an der Kongresshalle ankommen können wir aufatmen, das schlimmste scheint überstanden zu sein. Noch eine Megapfütze in der Eichleitnerstaße und wir sind auf der B17. Die Ausfahrt Haunstetten ist zum Glück nicht überflutet und so sind wir dann um 19:30 wieder daheim.

Augsburg hat es kalt erwischt. Ich werde nacher mal auf den Webseiten unserer Zeitung nachschauen, wieviel Schaden passiert ist. Auffällig war jedenfalls, dass nirgendwo das Wasser abfließen konnte weil die Gullis alle verstopft waren. Und für Kanalreinigung hat die Stadt offensichtlich kein Geld, also passiert es im Unwetterfall dann wie es heute passiert ist. Zum Glück ist in unserem Haus kein Wasser eingedrungen, eine Freundin aus dem Umland hat den Keller voll Wasser und den Wintergarten verhagelt.

Jetzt ist das unwetter vorbei, der Himmel hängt zwar noch voller dunkler Wolken, aber es regnet nicht mehr und die Vögel zwitschern. Und Lucy ist auch wieder daheim, ein wenig verstört aber wohlauf.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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