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Die Rente ist sicher

Dieses Zitat wird Norbert Blüm zugeschrieben, der zur Zeit der Regierung Kohl der Arbeitsminister war. Und obwohl ich alles andere als ein CDU-Wähler bin so nötigt mir der Herr Blüm mit diesem Zitat doch Respekt ab, denn es war eine sehr einfache Wahrheit die er da verkündet hat. Zu seiner Zeit gab es eine gesetzliche Rentenversicherung die nach dem Umlageverfahren funktioniert, sozuagen den Generationenvertrag. Doch dann kam „Spaßkanzler“ Gerhard Schröder.

Oh, ich kann mich selbst noch gut an die bewegende Ansprache des Bundeskanzlers Gerhard Schröder erinnern als er zum einen die Mitnahmementalität geißelte und zum anderen vor einer Versorgungslücke im Alter warnte. Beim Thema Mitnahmementalität verknüpfte ich das mit den Kapitalisten, die jeden Profit der irgendwo zu holen ist mitnhmen, egal ob sozial oder nicht, aber der Kanzler meinte wohl die Leute am anderen Ende des Einkommensspektrums welche nur das einfordern wollten was ihnen an Gesetzeswegen zustand.

Schröder hatte natürlich auch Lösungen für die von ihm angesprochenen Probleme. Die „Mitnahmementalität“ bekämpfte er mit der Agenda 2010 welche uns Hartz IV und jede Menge Elend eingebracht hatte. Die Versorgungslücke im Alter konnte jeder Bürger angeblich selbst schließen, die Versicherungkonzerne und auch sein „Freund“ und Wahlkampffinanzierer Maschmeyer rieben sich die Hände. Sein Arbeitsminister Walter Riester erfand die nach ihm benannte Rente und alle, ja auch ich war so doof, gingen ihm auf den Leim.

Mittlerweile befindet sich die Welt in einer Finanz- und Wirtschaftskrise von gigantischem Ausmaß und so langsam dämmert es den Riester-Nutzern, dass ihre Versicherungen wohl nicht mehr so tolle Rendite abwerfen wie das mal geplant war. Die Zeit hat heute einen Artikel (wegen Leistungsschutzrecht nicht verlinkt) mit dem Titel „Die Rückkehr der gesetzlichen Rente“ in dem sie zu dem Schluß kommt, dass die Riester-Rente eher einem Glücksspiel gleichzusetzen ist.

Nachdem ich mich in den letzten Jahren intensiver als zu meiner Junggesellenzeit mit Politik und Wirtschaft beschäftigt habe (Kinder verändern da den Fokus und die Prioritäten ganz gewaltig) wundert mich diese Erkenntnis nicht wirklich. Es gibt da einen Ökonomen namens Gerhard Mackenroth der 1952 die nach ihm benannte These aufgestellt hat. Diese besagt vereinfacht ganz schlicht, dass die Leute welche kein Geld verdienen von den Leuten welche Geld verdienen finanziert werden müssen. Rentenversicherung ist kein Sparbuch, sondern die Renten die heute gezahlt werden sind die Einnahmen welche die Rentenversicherung heute macht.

Anzumerken wäre zudem, dass das Mackenroth-Theorem ja nicht nur für Rentner gilt. Es gilt in gleicher Weise auch für unsere Kinder, die verdienen auch kein Geld, kosten aber eine Menge. Und dieses Geld kommt von wem? Richtig, den Leuten die arbeiten.

Die gesetzliche Rente nach dem Umlageverfahren realisiert nun genau das, was Mackenroth sagt, der arbeitende Teil der Bevölkerung zahlt ein und die Einnahmen werden an die Rentner ausgeschüttet.

Klar, Fonds und Versicherungen versprechen immer eine tolle Rendite, aber jedem sollte klar sein, dass Zinsen nicht vom Himmel fallen sondern für die Zinsen irgendwer eine Arbeitsleistung erbringen muss. Und während die Rente nach dem Umlageverfahren nicht von einem profitorientierten Unternehmen ausgeschüttet wird sind Versicherungen vor allem auch an den eigenen Profiten interessiert.

Das führt nun dazu, dass wir zwar einen niedrigeren Prozentsatz unseres Einkommens für die gesetzliche Rente investieren und somit den heutigen Rentnern weniger zur Verfügung steht, aber für den heutigen Arbeitnehmer heißt private Vorsorge dann auch, dass er trotzdem einen hohen Anteil seines Bruttogehaltes in Altersvorsorge investiert, aber eben nicht nur seine, sondern auch die der Versicherungskonzerne die Profit haben wollen.

Dass die kapitalgedeckelte Rentenversicherung ala Riester ein Irrweg ist sieht man auch sehr schön in dieser Präsentation die auf den NachDenkSeiten veröffentlicht wurde. Die NachDenkSeiten halte aktuell sowieso für eine tägliche Pflichtlektüre und als langjähriger Leser bin über solche Neuigkeiten wie den Zeit-Artikel von heute natürlich nicht mehr überrascht.

Ich selbst bin jedenfalls vor einigen Jahren aus den Riester-Verträgen ausgestiegen, mit erheblichem Verlust, ich habe nicht das rausbekommen was ich eingezahlt hatte. Aber angesichts der Wirtschaftskrise stellt sich die Frage, was die Riester-Sparer die bis zur Auszahlungsperiode fleißig „sparen“ am Schluß tatsächlich noch bekommen.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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