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Neue Massenvernichtungswaffe in Washington D.C. installiert

Die Zeit hatte heute einen Artikel über 1275 K Street in Washington D.C. den ich aber wegen des Leistungsschutzrechtes nicht verlinke. Aber es gibt ja auch andere Quellen.

Unter dieser Adresse errichtet das Unternehmen Core Site ein neues Rechenzentrum für den Hochfrequenzhandel. Das soll direkt mit der Wall Street verknüpft sein und den Hochfrequenzhändlern den Millisekunden-Vorsprung sichern der ihre Profite maximiert.

Nun werdet ihr sagen, ein Rechenzentrum ist doch keine Massenvernichtungswaffe, der Rainer hat wohl einen an der Waffel. Hier darf ich auf meinen Beitrag vom Juni letzten Jahres verweisen der immer noch aktuell ist.

Sprich: Wir legen die Entscheidungen über unsere Goldene Kuh „Finanzmarkt“ in die Hände von Algorithmen welche auch mal Mist bauen können. Und wenn so ein Algorithmus mal Mist baut, dann rauschen die Aktienkurse in den Keller wie z.B. die Firma Knight Capital letztes Jahr erfahren durfte.

Früher, zur Zeit des „kalten Krieges“ hatten wir immer Angst vor dem automatisch ausgelösten atomaren Vergeltungsschlag weil irgend eine Abwehrsystem mit falschen Daten gefüttert der Ansicht sein könnte der nächste Weltkrieg bricht aus und damit den Automatismus der Vernichtung startet, denn bei Raketenflugzeiten im Minutenbereich werden menschliche Befehlsketten nicht mehr funktionieren.

Heute müssen wir Angst vor falsch programmierten Algorithmen haben welche unser Finanzsystem in Schutt und Asche legen können, oder vor Angreifern, die gefälschte Daten in so einen Algorithmus einspeisen um damit ein Fehlverhalten und den Finanzcrash zu provozieren.

Wie brisant dieser High-Frequency-Trading Programmcode ist zeigt der Fall des ehemaligen Godman Sachs Programmieres Sergey Aleynikov der solche Algorithmen auch daheim optimiert hat und nach seinem Ausscheiden aus der Firma diese weiterhin „besessen“ hat, auch wenn sie für ihn nur noch Dateileichen waren. Goldman Sachs sah das anders und leitete eine Stafverfolgung wegen des Diebstahls von Code ein der Aleynikov 11 Monate Gefängnis und die Zerstörung seiner Ehe und Karriere einbrachte.

Die Händler wissen also sehr wohl um die Brisanz des Codes und reagieren mehr als panisch wenn dieser „geleaked“ werden könnte, eben weil dann zum einen ihr „Wettbewerbsvorteil“ dahinschmelzen könnte, zum anderen eben weil ein offengelegter Code eine eingehende Analyse auf Schwachstellen und Angriffspunkte ermöglicht. Und es wäre doch echt sehr bescheiden, wenn die bösen Terroristen statt sich selbst in die Luft zu sprengen einfach mal diese Hochfrequenzhandelssysteme hacken und damit die Grundfesten der Finanzmärkte ins Wanken bringen würden.

 

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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