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Das Ende eines Schauprozesses

Bradley Manning, der Informant von Wikileaks dem wir unter anderem das Collateral Murder Video verdanken ist heute von einem Militärgericht zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Damit geht ein Schauprozess zuende der mich zweifeln lässt, ob wir im 21. Jahrhundert leben oder im Mittelalter.

Das Strafmaß hätte durchaus auch höher ausfallen können, denn der Ankläger hatte ja 60 Jahre gefordert. Trotzdem ist das jetzt kein Grund zum Jubeln, denn 35 Jahre sind verdammt viel für jemanden dessen „Verbrechen“ eigentlich nur darin besteht, die Wahrheit veröffentlicht zu haben.

Damit zerstörte er das von den „embedded Journalists“ verbreitete Propaganda-Bild vom „sauberen“ Krieg der mit gezielten Schlägen auf „feindliche Stellungen“ den bösen Gegnern den Garaus macht und dabei die Zivilbevölkerung verschont. Nicht, dass Leute mit ein wenig Verstand im Kopf das nicht schon geahnt hätten, aber nun war die Illusion des sauberen Krieges dahin und jeder sah, wie Menschen unter dem Gelächter ihrer Mörder dahingemetzelt wurden und posthum dann als „Aufständische“ deklariert wurden.

Die Mörder aus Collateral Murder laufen immer noch frei herum, ein Kriegsverbrechen zu begehen ist also deutlich weniger gefährlich für die persönliche Freiheit wie eines aufzudecken. Wobei ich mir hier nicht anmaßen möchte, die Besatzung des Helikopters der die Menschen da (unter ihnen ein Fotograf und Kinder) unter Feuer nahmen vorschnell zu verurteilen, möglicherweise gibt es Umstände die den Fall durchaus relativieren, z.B. dass sie vielleicht unter Drogeneinfluß standen. Aber es gibt kein Verfahren in dem irgendwelche Randbedingungen dieses Verbrechens berücksichtigt werden müssen, die Täter sind einfach unbehelligt.

Ebenso unbehelligt sind die eiegentlichen Kriegsverbrecher welche den Irak-Krieg unter der fadenscheinigen Ausrede, dass es dort „weapons of mass destruction“ gäbe vom Zaun gebrochen haben. Hier warte ich eigentlich seit Jahren, dass Leute wie George W. Bush, Dick Cheny, Donald Rumsfeld oder Tony Blair sich vor einem Kriegsverbrechertribunal für diesen Krieg in dem Hundertausende sterben mussten zu veantworten haben.

Eigentlich sollte auch der Rest der Welt sich für den Irakkrieg verantworten, denn sind wir doch mal ehrlich, die Story von den Massenvernichtungswaffen war so unglaubwürdig dass jeder halbwegs vernünftige Mensch dieses Spiel des Imperiums USA problemlos durchschauen konnte, aber keiner hatte den Mumm, sich offen gegen diesen Konflikt auszusprechen. Die Welt sah zu wie die USA einen souveränen Staat einnahm, sich dort den Zugang zu den Rohstoffen sicherte und die Kulturgüter die dort vorhanden waren als Kollateralschaden den Bach runtergingen.

Bradley Manning hat wohl diesen Gewissenskonflikt sehr wohl gesehen und gehandelt in dem er Dokumente veröffentlichte welche das Imperium gerne im Verborgenen gelassen hätte. Dafür wurde er nun in einer Art „modernen Hexenprozess“ zu einer langen Haftstrafe verurteilt die nach meinem persönlichen Rechtsempfinden jedweder Rechtsstaatlichkeit entbehrt. Was aber im „Land of the free“ ja leider nichts ungewöhnliches ist, die dortige Auffassung von „Justice“ ist für objektive Beobachter jedenfalls sehr schwer nachzuvollziehen. Unter diesen Gesichtspunkten ist auch absolut verständlich, warum Edward Snowden keinerlei Lust hat, seine alte Heimat wiederzusehen.

Ich zolle Bradley Manning den größten Respekt, er darf nun ausbaden, dass die niemand auf dem internationalen politischen Parkett genügend Mumm hat, die USA in Schranken zu weisen.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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