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Armutsdiskussion

Meine geschätzte Bloggerkollegin Juna hat das Thema Altersarmut in einem sehr interessanten Blogartikel aufgegriffen. Ein Thema das auch mich stark interessiert und bewegt, deshalb greife ich es hier mal auf statt einen Kommentar in Junas Blog zu posten, denn ich denke, dieser Artikel wird länger und wahrscheinlich werde ich ihn auch nicht nonstop am Stück runterschreiben können.

Kann das Internet die Diskussion verbessern?

Juna hatte wohl ein Schlüsselerlebnis am Pfandautomaten und stellt nun zur Diskussion, ob es helfen würde über das Thema Altersarmut zu bloggen, damit in der Bevölkerung ein Bewusstsein dafür geschaffen wird. Natürlich sind wir alle emotional bewegt, wenn wir von diesen Einzelschicksalen lesen und nehmen uns fest vor, dass „man“ die Welt verbessern muss. Die Frage ist nur, wird eine Diskussion in der Blogsphäre tatsächlich die Welt verbessern? Obwohl ich sonst eher versuche positiv zu denken bin ich hier doch pessimistisch, denn die Frage ist doch, wieviele Menschen erreiche ich mit meinem Blog. Klar, wenn ich einen guten Artikel schreibe, dann regt das zum Nachdenken an und Nachdenken ist die Grundzutat um etwas zu ändern. Andererseits lese ich stark frequentierte Blogs wie z.B. die NachDenkSeiten oder Flassbeck Economics die sich auch mit diesen Themen beschäftigen und versuchen eine vom Mainstream verschiedene Gegenöffentlichkeit aufzubauen, doch die merkbaren Erfolge für die breite Masse sind eher gering. Und gerade bei Heiner Flassbeck spüre ich eine gewisse Verzweiflung angesichts der Ignoranz unserer Politik zum Thema grundlegende wirtschaftliche Zusammenhänge.

Das nächste was mich zweifeln lässt ist die Diskussionskultur im Internet an sich. Früher diskutierte man im Usenet und es gab eine streng geordnete Hierachie der Newsgruppen und man war immer on topic. Heute diskutieren wir im Web und zu jeder noch so nebensächlichen Meldung gibt es ein eigenes Diskussionsforum. Gerade bei wichtigen Themen zersplittern sich die Diskussionen im Zeitalter der Blogs und Diskussionsforen in unendlich viele kleine Diskussionen. Und aus der Zeit des Usenet weiß ich noch das Fazit aus allen Threads: „Es ist zu allen Themen bereits alles gesagt worden, nur noch nicht von allen.

Der andere Faktor der mich pessimistisch stimmt ist die Aufmerksamkeit die dieses Thema im Netz erfahren wird. Klar, ich bin auch noch 14 Jahre von der Rente weg, aber zumindest interessiert mich das Thema. Juna ist wesentlich jünger und in meinen Augen eine krasse Ausnahme. Für die junge Generation bis 25 die sozusagen ständig „online“ ist versinkt das Thema Rente aber wohl eher hinter dem eigenen Wahrnehmbarkeitshorizont. Wenn man 25 ist, dann ist das Rentenalter 40 Jahre in der Zukunft. Also etwas, was in diesem Alter einfach zu weit weg ist um relevant zu sein. Das ganze läßt sich auch ganz einfach mit der Maslowschen Bedürfnispyramide erklären. Junge Leute befinden sich in der Existenzgründung und haben daher kaum die notwendige Energie um sich auf eine Zukunftsplanung zu konzentrieren die für sie erst in 40 Jahren relevant wird.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Revolverblätter der Mainstreampresse gerade auf die junge Zielgruppe mit einem Trommelfeuer der Propaganda „Die Alten fressen uns die Haare vom Kopf“ losgehen um hier einen Generationenkonflikt zu schüren, denn wie Juna treffend schreibt wurde der „Generationenvertrag“ ja einseitig aufgekündigt.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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