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Der Untergang des Abendlandes steht unmittelbar bevor

Denn langsam werden die Diskussionen zum Mindestlohn konkret. Und wie ich gestern geschrieben habe wird jedes Erwägen eines Mindestlohns sofort die neoliberalen Kritiker auf den Plan rufen, die ein Katastrophenszenario an die Wand malen. Der erste im Bunde der Unkenrufer ist heute Robert von Heisinger der bei Zeit-Online vor dem 8,50 Euro-Irrsinn warnt. Besonders im Osten wäre das der Todesstoß, denn es würde für ein Viertel bis ein Drittel der Arbeitnehmer eine Lohnsteigerung bedeuten und das wäre katastophal.

Und auch „Egghat’s not so micro blog“ haut in die selbe Kerbe. Und mir geht virtuell der Hut hoch.

Zum einen finde ich es langsam unerträglich, das mehr als 20 Jahre nach dem Fall der Mauer immer noch zwischen „Ossis“ und „Wessis“ unterschieden werden soll. Die Mauer ist wohl physikalisch gefallen, in den Köpfen von manchen Ideologen existiert sie wohl unvermindert weiter.

Es ist auch in billiger statistischer Trick, mit dem hohen Prozentsatz von betroffenen Arbeitnehmern im Osten argumentieren zu wollen. Man muss sich nur die Gesamtanzahl der Arbeitnehmer je Bundesland anschauen dann kommen wir für „Ostdeutschland“ inklusive Berlin auf 6,7034 Millionen Arbeitnehmer in2012, für „Westdeutschland“ auf 30,3636 Millionen. Die 10% die per Mindestlohne im Westen aufgestockt werden sollen, also über 3 Millionen tun also weniger weh als die 1,6  (bei 25%) bzw. 2,2 Millionen im Osten.

Egghat versucht damit zu argumentieren, dass im Osten ja die Lebenshaltungskosten niedriger seien als im Westen und daher der „Ossi“ auch weniger Mindestlohn braucht wie der „Wessi“. Wenn man diesen Faden weiterspinnt, dann braucht der Münchner mehr Mindestlohn als der Augsburger weil in München die Lebenshaltungskosten höher sind als in Augsburg.

Natürlich hat der Osten strukturelle Probleme. Die sind der total vermurksten Einheit geschuldet welche letztlich eine massive Flucht von Arbeitnehmern verursacht hat und die von der Treuhand versprochenen „blühenden Landschaften“ teilweise entvölkert hat. Aber wenn im Osten jetzt 33% der Jobs wegen der Einführung des Mindestlohnes von 8,50 € wegfallen würden, dann wird das zwar einen fürchterlichen Einschlag in die schöngefärbten Statistiken der Bundesanstalt für Arbeit geben, aber vielleicht wird dann auch mal das Problem tatsächlich angegangen statt schöngefärbt. Geschäftsmodelle welche auf der Ausbeutung der Arbeitnehmer basieren (was anderes sind diese Niedriglöhne ja nicht) sind nicht tragfähig und müssen einfach verschwinden. Und dann wird vielleicht auch klar, dass die hohen Sozialkosten die man immer wieder gerne bemängelt zum Teil eben durch Aufstocker von Niedriglöhnen entstehen die eigentlich nur verkappte Subventionen in ausbeuterische Geschäftsmodelle sind.

Vor allem leuchtet es mir nicht ein, warum ich dem Arbeitnehmer im Osten verklickern soll, dass seine Arbeitsleistung weniger wert sei als die eines Kollegen im Westen. Wie verträgt sich das mit dem Grundgesetz Artikel 3 der besagt, dass niemand wegen seiner Herkunft benachteiligt werden darf?

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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