Artikelformat

Cyberterrorismus in der Praxis

Heute morgen, noch vor dem Frühstück kam mein gerade 11 Jahre alt gewordener Sohn mit einer sehr undefinierten Fehlermeldung „Computer ist kaputt“ daher und wollte IT-Support haben. Da er Autist ist war es unmöglich ihm die Details des Problems zu entlocken. Als ich dann nach dem Frühstück mal nachsehen wollte was mit seinem PC verkehrt ist saß er da und sah sich die üblichen Straßenbahn-Videos auf Youtube an. Da wurde ich erst mal sauer weil ich kein offensichtliches Problem sehen konnte bis er mich auf ein Browserfenster aufmerksam machte, welches er nicht mehr schließen konnte.

Das sah dann so aus (draufklicken für volle Größe):

Bildschirmfoto-nanuKurzum, mein Sohn hat es bei seinem Straßenbahn-Video gucken wohl irgendwie geschafft auf diese Scareware-Seite zu kommen. Und diese Seite hat wohl ein Javascript am Laufen welches das Schließen des Browsers oder der Seite verhindert, genau das war für ihn also das „Computer kaputt“. Natürlich hilft dieses Java-Script nix wenn man den Browserprozess einfach killt, was ja unter Linux (die Kiste läuft mit Debian) gar kein Problem ist. Das Problem ergab sich dann beim nächsten Browserstart, Söhnchen klickte gleich wieder auf „Sitzung wiederherstellen“ und war wieder da.

Die Frage ist, ob dieses JavaScript ausreichen würde um den Seitenersteller wegen Computersabotage zu belangen. Die Seite selbst fällt ja eher in den Straftatbestand der Nötigung und Erpressung. Natürlich ist es imposant, wenn die Adresszeile im Browser mit „polizei.de“ anfängt, aber wer genauer schaut sieht, dass die Seite von der Domain „s6907.com“ kommt. Diese ist laut whois-Daten auf jemanden in China registiert, also wohl außerhalb der Reichweite der deutschen Strafverfolgungsbehörden.

Der Text ist auch in einem sehr radebrechenden Deutsch verfasst, allerdings ist es durchaus möglich, dass es Leute geben wird die auf so etwas hereinfallen. Besonders lustig bzw. listig ist die Zahlungsmethode mit der Paysafecard, wohl in der Hoffnung dass damit die Geldtransfers zum Empfänger nicht zurückverfolgt werden können, sollte tatsächlich einer darauf hereinfallen und das bezahlen.

Alles in allem jedenfalls etwas, was meinen Blutdruck heute morgen wieder in ungeahnte Höhen getrieben hat, denn mein Sohn kann sehr lästig werden, wenn etwas in seinem Tagesablauf vom normalen Verhalten abweicht. Der Betreiber dieser Seite soll also froh sein, dass ich ihn nicht in die Finger bekomme… 🙂

Allerdings: „So verstoßen sie gegen das Gesetz über die nachlässige Verwendung von Personal-Computer“ hat schon einen gewissen Unterhaltungswert und ein Fünkchen Ideenpotential. 🙂

 

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

4 Kommentare