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Energiewende mit Intelligenztest

Heise schreibt heute dass eine Arbeitsgruppe im Wirtschaftsministerium plant, für die sogenannten intelligenten Stromzähler vom Verbraucher auch noch Geld zu verlangen:

Jeder Haushalt soll demnächst eine Abgabe in Höhe von jährlich 8 Euro für einen intelligenten Stromzähler zahlen – auch wenn gar keiner eingebaut ist. Bei Neubauten und bei Modernisierungen soll der obligatorische Einbau eines Smart Meters 72 Euro pro Jahr kosten.

Wie bitte, ich soll also zahlen auch wenn ich gar keinen superschlauen Stromzähler im Haus habe…? Und wenn ich so ein Ding habe, dann soll ich sogar 72 € im Jahr abdrücken. Plus natürlich den Stromverbrauch dieses Superteiles. Und welcher Mehrwert ergibt sich für mich als Stromkunden? Verbrauche ich mit diesem Teil weniger Strom weil, ja warum eigentlich? Die im Artikel vorgeschlagenen Maßnahmen zur Lastverteilung auf die Nacht setze ich (dank Reihenhaus) eh schon um, sprich hier läuft die Waschmaschine abends bzw. in der Nacht einfach auch weil tagsüber niemand da wäre der das Ding befüllt und startet. Aber den Strom brauche ich, egal ob tagsüber oder nachts, an der End-Rechnung wird sich nix ändern. Oder wird es irgendwann den Strom zum „Geisterstunden-Tarif“ geben?

Auf der anderen Seite hat der Stromlieferant durch so ein Ding natürlich tolle Vorteile. Denn statt seinen Stromzählerableser von Haus zu Haus zu schicken schickt ihm der „intelligente“ Stromzähler die Verbrauchsdaten notfalls sekundenaktuell zu. Der Stromlieferant dürfte damit sehr viel Einsparpotential bei der Rechnungserstellung haben und genau dafür dass er weniger Kosten hat soll der Kunde nochmals zahlen? Zumal es ja soweit ich weiß im deutschen Handelsrecht so geregelt ist, dass die Kosten der Rechnungserstellung nicht extra berechnet werden dürfen sondern eben in den Preis für die Waren oder Dienstleistungen einkalkuliert werden müssen.

Ja, ich lese meine drei Zähler für Strom, Gas und Wasser jeden Monatsersten ab und trage das in eine Tabelle ein um einfach zu sehen, ob irgendwelche Energiesparmaßnahmen tatsächlich greifen. Mit einem „intelligenten“ Stromzähler könnte ich vielleicht sogar täglich sehen, wann wieviel Energie verbraucht wurde, aber muss ich das? Heute z.B. verbrauchen wir mehr Strom weil uns jemand freundlicherweise einen Heizlüfter geliehen hat der die Bude warm halten soll solange unsere Heizung nicht repariert ist.

Datenschutzrechtlich sehe ich hier schon diverse Probleme kommen. Klar, der Zähler wird nicht übermitteln, ob da jetzt die Waschmaschine läuft oder das Bügeleisen, aber wenn z.B. jemand wissen will ob momenatan jemand im Haus ist oder nicht, der kann aus den aktuellen Verbrauchsdaten schön ermitteln, wann z.B. der beste Termin für einen kleinen Einbruch ist. Das mag weit her geholt sein, aber wir hatten hier vor Jahren mal einen Einbrecher der immer dann zuschlug wenn die Bewohner auf einer Beerdigung waren, die Daten holte er sich aus der Tageszeitung.

Der Vorschlag ist also alles andere als unbedenklich und in meinen Augen eine Unverschämtheit sondersgleichen wobei ich mich stark bemühe, das Wort Korruption zu vermeiden. Wenn ich aber die vielen Vergünstigungen welche Unternehmen beim Strom bekommen sehe, dann drängt sich hier der Verdacht förmlich auf, dass man den kleinen Endverbraucher einfach abzocken will.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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