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Spendenaufruf

Bloggerkollegin Julia („Juna“) hat heute einen etwas anderen Spendenaufruf zu Weihnachten gepostet. Es geht um die kleine Aurela die an Leukämie erkrankt ist und dringend auf Spendengelder angewiesen ist, denn in ihrem Land gibt es keine Krankenkasse welche die Behandlungskosten übernimmt.

Und natürlich ist ein kleines Kind für unsere Konsumgesellschaft auch nicht systemrelevant. Für die Banken haben wir Milliarden von Euro um ihnen aus der Patsche zu helfen, nur um dann zu erfahren, dass die Bankster uns seit Jahren mit der Manipulation von Leitzinsen und Wechselkursen betrogen haben. Aber klar, die behaupten von sich ja auch sie seien „too big to fail“, also muss man denen ja helfen, wenn sie ins Straucheln geraten.

Ja, jetzt in der Vorweihnachtszeit wäre mal der passende Zeitpunkt sich über den Konsumwahn gerade zur Weihnachtszeit ein paar Gedanken zu  machen. Müssen bei den Geschenken immer neue Superlative her? Ich bekomme jedesmal Brechreiz wenn ich im Auto die weihnachtliche Werbung höre und dann z.B. für den Kran von Lego geworben wird der ja für nur 149 Euro zu haben ist. Hallo, jemand zuhause? 149 Euro ist viel Geld für einen Haufen Plastikteile die für ein paar Cent Herstellungskosten produziert werden.

Natürlich will jeder dass seine Kinder glücklich sind, aber ich frage mich ernsthaft, ob ein Kind das mit Spielsachen zugeschüttet wird überhaupt glücklich ist. Aber klar, wenn Noah-Kevin ein iPhone bekommt, dann will man natürlich auch eines um in der Gruppe nicht als „armes Würstchen“ zu gelten.

Und selbst wenn man sich bei den Geschenken zurückhält kann es teuer werden. Wir haben heute die ersten Geschenke an die international verstreute Verwandtschaft und Freunde verschickt. Weihnachtsgebäck, Tee und von meiner Frau in Occi-Technik handgemachte Ohrringe. Dafür durfte ich ein kleines Vermögen an den „Logistikpartner“ abdrücken, bei den Tarifen die das Paket für die Schweiz kostete könnte man ernsthaft in Erwägung ziehen, es persönlich mit dem Auto auszuliefern.

Natürlich ist das alles Geld das man für Menschen ausgibt zu denen man eine persönliche Beziehung hat, eben Verwandtschaft oder Freundschaft. An deren Schicksal hat man naturgemäß mehr Anteil als an dem Schicksal von Leuten die man nicht kennt. Heute nacht ist wieder ein 18-jähriger bei einem Verkehrsunfall hier in der Stadt ums Leben gekommen, eine weitere Nummer in der Unfallstatistik. Kennt man allerdings das Unfallopfer, dann ist man weitaus mehr betroffen wie ich auch schon mal erfahren musste. Und basierend auf dieser Erfahrung stelle ich mir jetzt vor, wie sich die Eltern von Aurela fühlen die ihr krankes Kind sehen und jeden Tag hoffen und bangen müssen, ob ihr Kind es schafft oder ob sie in unserer egoistischen Welt auf der Strecke bleibt. Und allein diese Vorstellung motiviert mich etwas für dieses kleine Mädchen das ich nicht kenne aber vor dessen Schicksal ich meine Augen nicht verschließen kann zu tun. Klar, ich bin ein alter sentimentaler Trottel der nicht erkannt hat, wie die Welt funktioniert, aber vielleicht motiviert dieses Posting ein paar andere alte sentimental Trottel es mir nachzumachen.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

3 Kommentare

  1. Pingback: Alle Jahre wieder … (Kein Kinderlied) | juna im netz

  2. <3 !! Ich danke Dir, nicht nur für die Unterstützung, sondern allem voran für Deine persönliche Einschätzung unserer momentanen, deutschen Vorweihnachtszeit (ich bemühe mich hier gerade um Neutralität;)).
    Es hilft schon enorm zu merken, dass man als sentimentales Etwas, das keine Ahnung hat, wie die Welt funktioniert, sooo alleine nun doch nicht ist!
    Und ich habe bei mir, nach der Lektüre Deines Posts, auch noch etwas geändert. Ich finde es schön, wie Du auf dieses etwas Zerissene eingehst – selbstverständlich wollen Eltern ihren Kindern "alles" ermöglichen – und das ist eben innerhalb der deutschen Gesellschaft, sofern die Eltern ein brauchbares Einkommen haben, materiell etwas völlig Anderes als in ärmeren Ländern. Auf der anderen Seite aber dies: Wenn wir sagen, dass 149 Euro für einen Lego-Bagger einfach eine Unverschämtheit sind und wir das nicht kaufen werden, zwingt ja keiner von uns seine Kinder damit gleich in eine Lehmhütte und verlangt von ihnen, mit einer Schale Reis am Tag auszukommen. Also was ist Verzicht, was kann man erwarten? Schwer …

    Vielleicht ist das Beibringen von Dankbarkeit und das Lernen von Verzicht etwas, das wir zwar erklären und vorleben, aber nicht verlangen können. Daher ging es bei meiner Bitte an meine Familie auch explizit um mich und nicht um Einschränkungen, die die Kinder betreffen. (Auch wenn ich das jetzt nicht so grauenvoll fände ;)). Vielleicht verstehen die Kinder ja, warum ich darum bitte. Naja, das ist zumindest meine Hoffnung. Insofern habe ich schon zwei Weihnachtswünsche. Ich bin maßlos ;))
    Danke, noch einmal und schon wieder!

    • 2 solche Wünsche zu Weihnachten zu haben ist nicht maßlos sondern nobel. 🙂 Ich denke mal, Weihnachten wäre oft viel schöner wenn es nicht zur Materialschlacht verkommen würde. Es geht ja schon damit los, dass in den Supermärkten die Weihnachtsartikel bereits Ende August rausgekramt werden. Und pünktlich zum Auszahlen des Weihnachtsgeldes gab es hier in der Stadt dann die „Shopping-Night“ mit Ladenöffnungszeiten bis Mitternacht, nur damit das Weihnachtsgeld auch gleich „richtig“ angelegt wird. Der Kapitalismus tanzt hemmungslos um sein goldenes Kalb. Ich finde es sehr schön, wenn man irgendwie einen Gegenpol gegen diesen Konsumwahn setzen kann und die „besinnlichen Tage“ nutzt um tatsächlich mal zur Besinnung zu kommen. Auch wenn es viel schwieriger ist gegen den Strom zu schwimmen als sich von ihm mitreißen zu lassen…