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Der Blutdruck, der Streß und die Diskussionskultur

Twitter taugt nicht zum Diskutieren. Das habe ich heute vormittag wieder erfahren müssen als ich straßenbahnfahrend einen Hinweis in meiner Timeline fand dass man als Mensch mit Bluthochdruck eben Dinge wie Alkohol, Nikotin und auch Streß vermeiden solle. Ja, Zustimmung bei Alkohol und Nikotin, das brauche ich wirklich nicht, aber ich fragte dann mal an, wie ich denn Streß vermeiden kann. Der kommt ja nach meiner Empfindung immer von außen.

Da wurde ich dann gleich belehrt, dass der Streß im Menschen selbst entsteht:

Es kann sein, dass ein Teil der Ursachen von Stress von außen an einen heran getragen wird, aber die meisten Ursachen von Stress liegen in einem selbst.

Das hat mich dann schon ins Grübeln gebracht, denn natürlich habe ich einen Blutdruck der deutlich verbesserungsfähig ist. Ich muß mir nur mal das Histogramm der Blutdruckwerte der letzten 15 Tage (30 Messungen, jeweils morgens und abends) anschauen um zu sehen, dass es nicht optimal für meinen Blutdruck aussieht.

histplotJa, ich messe jeden Morgen und Abend meinen Blutdruck und hacke das in den Rechner rein, habe so mittlerweile fast 2500 Messwerte in den letzten Jahren gesammelt. Das ganze kann dann mit dem Statistik-Werkzeug „R“ ausgewertet werden und das Histogramm der letzten Messungen zeigt auf einen Blick, dass viele Werte in den letzten 15 Tagen einfach viel zu hoch waren. Also bin ich durchaus froh, wenn jemand gute Tipps hat was man gegen den Bluthochdruck unternehmen kann.

Und auch zum Streß weiß ich durchaus wie der sich anfühlt und daher finde ich es schon sehr seltsam, wenn mir jemand erklären will, dass der Streß hauptsächlich in mir selbst entsteht. Nicht, dass ich das total dementieren würde, denn die Erfahrung mit diversen wiederkehrenden Streßsituationen zeigt mir deutlich, dass es durchaus von der jeweiligen Tagesform abhängt, wie ich auf eine Streßsituation reagiere. Es gibt Tage, da nehme ich manches sehr locker und es gibt Tage, da bringt es mich zur Weißglut und der Blutdruck geht in Bereich die ich auch ohne Blutdruckmeßgerät als ungesund wahrnehme.

Zur Untermauerung der These des Mitdiskutanten kam dann aber ein Beispiel, dem ich gar nicht zustimmen konnte.

Denke einmal z.B. an Rentner @kinghaunst. Viele davon haben NULL Stress von außen, leiden aber trotzdem an innerem (selbst gemachtem) Stress.

Wer bin ich, dass ich mir anmaßen würde über den individuellen Streßlevel einer Bevölkerungsgruppe zu urteilen? Ganz spontan fiel mir da die Diskussion um die Altersarmut ein und ich denke, dass ein Rentner hier durchaus Stress bekommen kann wenn er sieht, wie toll seine Rente sich über die Jahre entwickelt und wie es mit den Lebesnhaltungskosten aussieht.

Hinzu kommt natürlich, dass man im Alter von diversen anderen Gesundheitsproblemen nicht verschont bleibt und auch das kann Streß machen. Oder man macht sich Sorgen um den Nachwuchs der gerade in diesem unseren Land eine sehr bescheidene Zukunftsperspektive hat.

Natürlich hängt es immer daran wie man auf eine Stress-Situation reagiert. Ich möchte das mal ganz blöd mit meinem Testlabor in der Arbeit vergleichen. Da teste ich gerade eine Xeon-Phi Coprozessor-Karte, die hat 240 Prozessorkerne und somit kaum Stress wenn man ihr simple Rechenaufgaben gibt. Aber natürlich gibt es auch Berechnungen im Bereich der Computersimulation welche die 240 Kerne einfach zu 100% auslasten und dann kann man sehr schön am Monitor zusehen, wie die Temperatur der Karte ansteigt. Die Karte hat zum Glück einen Mechanismus drin der beim Überschreiten einer bestimmten Schwelle einfach die Notabschaltung einleitet und dann macht die Karte eben erst mal keine Berechnungen mehr bis die Temperatur wieder im Normalbereich ist.

Beim Menschen haben wir diese Notabschaltung nicht. Ok, es gibt den schönen Spruch „Death is nature’s way of telling you to slow down“, aber das wäre dann die ultimative und nicht mehr reversible Notabschaltung. Ansonsten reagieren wir eben „gestresst“ wenn das Lastprofil sich den Grenzwerten nähert. Und hier ist dann auch klar, dass unsere Reaktion eben immer kontextabhängig erfolgt, denn die anderen Bedingungen (unsere momentane Last) schwankt eben auch.

Selbstverständlich kann ich nun argumentieren, dass es ja immer meine Entscheidung ist, wie ich auf Streß reagiere, aber kann ich das wirklich frei entscheiden? Streß ensteht in meiner Erfahrung meistens aus Interessenkonflikten, wenn ich also jetzt hier so viel über den Streß philosophiere habe ich mit mir selbst den Konflikt, dass ich eigentlich auch gerne wieder Gitarre üben würde, aber momentan hat eben das Thema Streß den Fokus.

Schwieriger wird es, wenn der Konflikt mit anderen besteht. Wenn der Boss irgend einen Bericht bis in einer Stunde haben will, dann ist das ein Streßfaktor und ich bin gezwungen zu reagieren. Also statt entsprechend meiner Tagesplanung zu agieren muss ich jetzt was erledigen was gar nicht auf der Liste stand. Stress!  Ich kann  mich diesem Stress auch kaum entziehen, Notabschaltung geht nicht und latent hat man auch noch im Hinterkopf, dass diese Anforderung beim nächsten „Performance-Review“ womöglich wieder einem aufs Brot geschmiert wird, also weiterer Stress, durchaus selbst erzeugt, aber eben von extern getriggert.

Noch schlimmer ist es, wenn z.B. die Kinder kommen und sehr ungeplant was spielen wollen. Spielen wäre ja eigentlich entspannend wenn da nicht die lange ToDo-Liste wäre die auf einen wartet. Auf der anderen Seite will man aber durchaus diese Spielzeiten nutzen denn sonst ist das Kind traurig und man sieht sich sofort im Konflikt „gute Eltern“ bzw. „schlechte Eltern“.

Ja, man kann das alles als „selbstinduziert“ bezeichnen, aber ich sage jetzt mal ganz frech:

Schmerz entsteht im Gehirn. Trotzdem wird keine eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt ohne örtliche Betäubung machen wollen weil man ja nur ein anderes Verhältnis zum Schmerz braucht um damit umzugehen.

Ja, das Umgehen mit Stress-Situationen ist etwas, das auch nicht skaliert. Ich habe z.B. keinen besonderen „Stress“ wenn mein Auto wegen Hagels ein paar Dellen hat, das ist einfach manchmal nicht zu vermeiden. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass es Leute gibt, die so etwas sehr stresst, auch wenn ich persönlich das nicht wirklich nachvollziehen kann.

Eine mögliche Streßvermeidungsstratege wäre natürlich die Flucht vor Stress. Aber manchen Stress denke ich muss man einfach aushalten, denn wenn ich z.B. ein quengelndes Kind habe während ich was tun will das Konzentration erfordert, dann ist das Stress für mich, aber ich kann deswegen nicht davonlaufen. Die Entscheidung für Kinder impliziert auch, dass man die nächsten Jahrzehnte unplanbaren Stress haben wird, denn mit der Geburt sind Kinder ja noch nicht „fertig“ sondern die Entwicklung zum fertigen Menschen findet außerhalb des Mutterkörpers statt. Darum brauchen wir im Schnitt auch ca. 1 Jahr um laufen zu lernen während das Antilopen-Junge gleich nach der Geburt laufen kann.

Eine andere Option wäre im Konfliktfall das Nachgeben, aber damit wäre dann unser Dasein komplett fremdbestimmt wenn wir unsere eigenen Ziele und Prioritäten ständig den Wünschen anderer unterordnen würden.

Ihr seht schon, eine tatsächlich perfekte Lösung zur Vermeidung von Stress will mir einfach nicht einfallen. Wenn ihr eine wisst dürft ihr das gene in die Kommentare schreiben.

Und damit habe ich jetzt meine Gedanken mal als „Braindump“ rausgekotzt, es war deutlich zuviel für die 140 Zeichen die mir Twitter bietet.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

11 Kommentare

  1. Hm, da hatte wohl nicht nur ich ein eher mäßiges Wochenende mit den geschätzten Twitterern 😉 Ich erlebe es genau wie Du: Selbstverständlich gibt es eine Art, naja, Prädisposition. Aber die äußeren Reize machen zum Teil erheblichen Stress. Völlig unterschätzt ist Studien zufolge zum Beispiel der Stressfaktor Lärm. Ein Autor, Aj Jacobs, hat ein Buch über seinen Versuch, ein Jahr lang so gesund wie möglich zu leben, veröffentlicht. Darunter der Punkt: Öfter mal mit Ohropax rumrennen. Man kriegt noch genügend mit und es ist nicht mehr ganz so lärmend – der Stresspegel sinkt. Ansosonsten, tja, auch ich bin dankbar für weitere Tipps :))

    • Stimmt. Lärm ist ein arger Streßfaktor, vor allem weil man den ganz schlecht ausblenden kann. Und ich kenne etliche Kollegen die unter der Arbeitsumgebung „Großraumbüro“ leiden weil ihnen das Grundrauschen schon zu laut ist und damit massiv Streß erzeugt.

  2. Hallo Rainer

    Der hohe Blutdruck scheint dann doch irgendwie ein wenig in der Famile zu liegen 😉

    Mein „Braindump“ dazu 😉

    Stehe seit 18 Monaten unter ärztlicher Beobachtung, kriege ein blutdrucksenkendes Medikament und zusammen mit dem Hometrainer, ein wenig schwimmen und einer umgestellten Ernährung ist der Blutdruck von durchschnittlich 160/110 auf derzeit 125/85 gesunken.

    Den „w[e|a]isen“ Spruch von wegen „Stress macht man sich selbst“ kenne ich nur zu gut und finde ihn schon ein wenig speziell.
    Ja, Stress kann man sich in der Tat selbst machen, wenn man zum Beispiel Umstände oder Gegebenheiten nicht akzeptieren kann (oder will), weil sie nicht dem eigenen Bild oder Gedanken entsprechen.
    Und dennoch oder gerade deswegen, das eigene Bild oder die eigene Meinung zu einer Gegebenheit zeichnet uns als Menschen doch aus. Jeder hat seine Vorstellungen, sein Bild und seine Meinung zu Thema X oder eben der Welt. Und ist deswegen gestresst, weil die Gegebenheiten nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen, diese aber möglicherweise nicht zu seinen Gunsten ändern kann (oder will?).

    Aber gut, ich hatte in den vergangenen zwei Wochen in der Arbeit wieder bemerken können, dass eben NICHT nur der Stress den man sich selbst macht darüber entscheidet wie sich der Blutdruck als Indikator entwickelt.

    Was „bewegte“ meinen Blutdruck dazu von durchschnittlich 114/75 auf mittlerweile durchschnittlich 125/85 zu steigen?

    Mein Chef ist so ein Faktor, der den Blutdruck manchmal in ungeahnte Höhen steigen lässt… Ich weiss, das Wort „systemrelevant“ wurde in der Politik in den vergangenen Monaten und Jahren geradezu schamlos inflationär benutzt, aber in „meiner“ Firma gibt es durchaus systemrelevante Komponenten, die ich in Eigenschaft als „Satelliten-Admin“ (wie ich mich selbst nenne, das Mutterhaus ist weiiiit weg und ich bin der Einzige der Ahnung von IT und Computertechnik hat) am liebsten in mehrfacher Ausführung vorrätig hätte.
    Ein Beispiel für eine „systemrelevante Komponente“ wäre der Rechnungsdrucker. Ohne den geht bei uns nichts. Alle Ware die durch unseren Firmenstandort zu den Kunden geht kriegt eine Rechnung mit. Sprich: Fällt der Rechnungsdrucker aus kommt jeden Tag Ware, die nicht weiter versendet werden kann und da Platz ein wertvolles und teures Gut ist kann sich jeder vorstellen was passiert wenn der Rechnungsdrucker ein paar Tage ausfallen sollte.
    Ja, so einen Ausfall von mehr als 24 Stunden hatten wir schon mehrmals. Konstruktionsbedingt hat der Rechnungsdrucker für das Druckvolumen eine Schwachstelle, die zur Ermüdungserscheinungen an einem Kunststoffteil führt, welches irgendwann bricht und dann ist erst einmal Pause bis der Servicetechniker den Drucker zerlegt hat um an das Kunststoffteil zu kommen und es zu ersetzen.
    Nach dem ersten Ausfall dieses Rechnungsdruckers empfahl ich trotz gültigen Wartungsvertrag mit einer Reaktionszeit von acht (Arbeits)Stunden, einen Ersatzdrucker anzuschaffen, weil der Rechnungsdrucker ja doch systemrelevant ist. Der Drucker würde nicht alle Welt kosten, wir sprechen da von einem Anschaffungspreis von knapp 1’100 Euro…
    Tja, meine Empfehlung wurde regelrecht in den Wind geschossen.
    Vor zwei Monaten brach das Kunststoffteil wieder, auch nach diesem Vorfall empfahl ich die Anschaffung eines Ersatzdruckers und/oder eines anderen Druckermodells.
    Einen Ersatzdrucker gab es wieder nicht, denn wir haben ja einen „gültigen Wartungsvertrag“.
    Immerhin aber sollte ich Ausschau nach einem anderen Druckermodell halten. Nach einiger Abklärungsarbeit konnte ich ein Modell empfehlen, das eine andere mechanische Aufbauart hatte und ohne brechende Kunststoffteile auskommt. Weil man sich ja nur ungerne die Finger verbrennt empfahl ich auch hier die Anschaffung eines Ersatzdruckers, einfach um sicher zu sein, dass egal was auch passiert mindestens ein Drucker als Rechnungsdrucker zu gebrauchen ist.
    Das beantragen dieses neuen Druckertyps gestaltete sich erwartungsgemäss nicht einfach, denn der Verkaufspreis erschien dem Chef als zu hoch und durch „die Fehlberatung dieses nicht funktionsfähigen Druckertyps“ solle die Firma uns im Verkaufspreis entgegenkommen. Es entstand eine rege DIskussion und ein reger Emailverkehr mit besagter Firma bis dann endlich der Drucker bestellt werden konnte, natürlich ohne Ersatzgerät.
    Wie es der Teufel so wollte brach dann diese Woche wieder dieses Kunststoffteil. Trotz „gültigen Wartungsvertrag“ kam drei Arbeitstage kein Servicetechniker, im Mutterhaus haben sie vermutlich schon Festplatten für den überquellenden Druckerspool nachgeschoben. Nicht auszudenken, was passieren würde wenn die Druckaufträge einfach so im Datenrauschen verloren gehen würden. Ware die nicht an die Kunden gesendet werden kann, aber auch nicht mehr ins System zurückgebucht wird. Denn: ohne Auftrags- oder Rechnungspapiere weiss man ja nicht was man ins System zurückbuchen soll.
    Als letzter Notanker, bevor dieser ultimative Gau eintreten würde, wurden die Rechnungsausdrucke im Mutterhaus ausgedruckt. Weiss der Teufel wann die bei uns eintreffen, aber dieses Theater nur wegen der fehlenden Bereitschaft und eine funktionierende Infrastruktur zu investieren?

    So wie es um den Rechnungsdrucker steht sind auch andere teilweise „systemrelevante“ Bereiche betroffen, die ich als „Satelliten-Admin“ betreuen darf und die immer wieder Anlass zu Notfallaktionen bieten. Die tagtägliche zu erledigende Arbeit bleibt dann naturgemäss liegen und sollte dann auch noch irgendwie schnellstmöglich abgearbeitet werden. Nicht selten ergeben sich so durchaus als stressig empfundene Situationen.

    Irgendwann entwickelt man zum puren Selbstschutz Strategien um mit solchen Situationen besser umgehen zu können. Es wäre aber falsch zu glauben, dass mich die Situation mit dem Rechnungsdrucker nicht ordentlich und vorallem mit dem Blutdruckmessgerät messbar gestresst hätte.
    Nur, kann man so ein Ereignis wirklich dem hohen Blutdruck zuschreiben oder spielen auch noch andere Komponenten (auch in der Arbeit) eine Rolle?
    Vor einem Jahr noch hätte mich so eine Geschichte wie mit dem Rechnungsdrucker in den Wahnsinn getrieben. Selbst heute noch, als pflichtbewusster und vorausdenkender Mensch, welcher auch nur zu gerne vorausdenkend agieren statt auf eintretende NOT-Situationen NUR noch reagieren kann lassen mich solche Situationen nicht kalt und eben: sie sind auch am Blutdruck ablesbar.
    Nur: ich kann mir mittlerweile TROTZ solcher Vorkommnisse in den Spiegel schauen und sagen: ich habe mein Bestes gegeben, Meine Sicht der Dinge ist in Ordnung und andere stufen Dinge nicht so ein wie ich. Wenn es schief geht, liegt es nicht an mir.
    Selten meldet sich dann eine leise Stimme in mir und meint: „*hmm* hast DU wirklich alles gegeben um so etwas zu verhindern?“. Und – zack – bin ich wieder gestresst 🙁

    Übel und vorallem stressig, da ist dieses Wort wieder, finde ich, dass die Arbeit mttlerweile Auswirkungen auf mein Privatleben hat.
    In der Firma sieht man anhand von Erfahrungswerten schon Probleme auf einen zukommen bevor sie wirklich eintreten. Man kann warnen oder Empfehlungen rausgeben, wie eben beim Rechnungsdrucker, aber wenn alle Warnungen und Empfehlungen nicht ernst genommen werden dann geschieht dann vielleicht eben das was man nicht will.
    Privat verfalle ich immer mehr in diese „wo gibt es potentiell Probleme“. Subtilerweise fängt dies schon am Morgen an. Ich gehe gedanklich schon bei der Arbeit aus dem Haus, schliesse die Haustüre ab, hole das Auto aus der Garage und dann… Ist die Haustüre schon abgeschlossen? Ein Automatismus einem Ritual gleichkommend erledigt das Abschliessen der Haustüre. Normalerweise! Heute auch? Mensch, früher agierte ich immer bewusst, heute laufen irgendwie immer mehr fest programmierte Riten ab. Kein Problem, wären im Geschäft nicht all diese Probleme. Unsicherheit? Ich bin gerade gestresst, habe ich die Haustüre wirklich abgeschlossen? Mein Heim, meine sichere Burg, mein Rückzugsort vom tagtäglichen Wahnsinn, der Ort an dem ich mich sicher fühle? LIeber einmal mehr nachschauen ob geschlossen ist. Eine Stimme in mir sagt: „Du hast noch nie vergessen die Türe zu schliessen“. Ich aber bin schon so gestresst und unsicher, das ich lieber nachsehen gehe, trotz der beruhigenden Stimme in mir. Ja, es ist abgeschlossen. Spätestens auf der Autobahn mit 120 km/h und einen mit maximal 5 Meter Abstand hintendran, da ist er wieder der Stress. Oder kurz vor der Firma, wenn in einer Rechtskurve mit Zaun am Strassenrand wieder so ein Rowdy die Kurve schneidet und man sich im Zaun sieht: STRESS PUR. Dann der Chef, der wieder einmal sparen will, Hardware die man nicht dem ärgsten Feind zumuten kann, aber den Mitarbeitern in die Hand drücken muss, wohlwissend das sich die Mitarbeiter ärgern und ich selbst wenn die Hardware kurze Zeit später teilweise bis komplett defekt ist usw usw.

    Es gibt Momente, da kann einen NICHTS stressen. Weder ein Chef der durch sein Verhalten die Leute wahnsinnig macht, noch Autofahrer die sich regelrecht um den Darwin-Award prügeln und alles geben um ihn zu gewinnen noch ob ich die Haustüre geschlossen habe.
    Aber genauso gibt es Tage, an denen selbst absolut harmlose Dinge einen derartigen Stress auslösen, bei denen man sich später fragt: Mensch, bin ich noch normal?

    Dazu kommen manchmal auch die Alltagssorgen, Zukunftssorgen wie „gibt es noch Rente für unsere Generation?“.

    Menschen die meinen, dass man sich den Stress selbst antue und er somit von innen kommt, die sind wirklich zu beneiden. Denn diese Menschen haben es offensichtlich gelernt mit dem Stress umzugehen. Oder die haben beim Chinesen einen Glückskeks mit dem Spruch erhalten und machen einen auf ganz intelligent.

    So oder so: Stress ist nicht schön.

    • Ja, der Blutdruck ist zum Teil auch Vererbung. 🙂 Was Dein Problem mit dem Rechnungsdrucker angeht, Heise hat heute berichtet, dass Conrad jetzt auch einen 3D-Drucker im Programm hat, den könntest Du dann nutzen um Dir beliebig viele Rechnungsdrucker auszudrucken. 🙂

      • Du wirst lachen, aber wir haben einen solchen 3D-Drucker bei uns stehen. Meine Qualitäten den zu bedienen und so an ein brauchbares Ersatzteil zu kommen halten sich aber sehr in Grenzen 🙂 Geschweige denn so ganze Drucker zu drucken :-))

        • Tja, wenn das so ist müssen wir schleunigst darauf hinarbeiten dass das Geld abgeschafft wird. Ich wage mal zu behaupten, dass ohne Geld deutlich weniger Stress auf der Welt wäre, die die jetzt keines haben hätten keinen Stress mehr weil sie keines haben und die die jetzt Stress haben weil sie Angst haben ihres zu verlieren hätten auch keinen Stress mehr. Und ohne Geld bräuchtest Du auch keine Rechnungen mehr zu drucken und hättest auch weniger Stress. 🙂

          • Keine gute Idee, das mit dem Geld abschaffen wollen. Das versuchen einige schon beispielsweise in den USA und das führt dazu das die einen das Geld horten und anlegen, während andere sich mit Essensmarken rumschlagen müssen wenn sie denn überhaupt welche bekommen. Die einen kriegen den Herzkasper weil sie immer wieder neue Betrugsformen ausdenken müssen um das Geld zu vermehren während andere vor lauter Kummer und der täglichen Frage „was kriege ich heute zwischen die Zähne“ in den Wahnsinn getrieben werden.

            Gut, würde man das Geld und deren ungleiche Verteilung aufheben und jeder Mensch bekäme gleich viel oder gleich wenig Luxus wie Dach über dem Kopf,sanitäre Anlagen, zu Essen und Trinken, eine medizinische (Grund)Versorungm Bildung und vielleicht noch Arbeit, das wäre schon.
            Aber sind wir in Europa bereit diesen Schritt zu gehen und den Drittweltländern die Hand zu reichen und ein wenig von unserem Luxus abzugeben?

            Ich wäre dabei, denn das Ersparte ist bald eh nix mehr wert und so wäre jetzt schon eine Sorge und ein Stressfaktor weniger im Leben vorhanden.

            Bei Diskussionen, die in diese Richtung gingen musste ich mich schon als Kommunist oder Verräter unseres Wohlstandes beschimpfen lassen. Aber egal ^^. Interessant sind solche zugegebenermassen ein wenig polarisierende Gedankenspiele und die Reaktion der Menschen darauf alleweil.

  3. Stress, der nur und ausschließlich von innen produziert wird, ist ein Trugschluss.

    Menschen wie ich, die sich Gedanken machen, wie oben beschrieben, können dem Stress nicht komplett ausweichen.

    Und Stress, der von außen herangetragen einen unmächtig / handlungsunfähig zurücklässt, ist der schlimmste!

    Wer behauptet, diesen Stress komplett ausblenden kann, ist nicht wirklich ehrlich zu sich. So jedenfalls mein Empfinden.

    • Ja, den Streß total auszublenden schaffe ich nicht. Die einzige Methode die mir da einfallen würde wäre mich selbst ins Koma zu saufen, das wäre dann sozusagen die Totalabschaltung aller Sensoren, aber wenig zielführend. Ansonsten muss man halt sehen wie man mit dem Streß klar kommt ohne nervlich zusammenzubrechen. Ist manchmal eine sehr extreme Gratwanderung, vor allem wenn sich manche Streßfaktoren einfach nicht so einfach eliminieren lassen.

      • Zu den „nicht abschaltbaren“ Stressfaktoren zähle ich Behördenirrsinn, Schule (zumindest wenn man besondere Kinder hat) und eine Arbeitsstelle, die seit Jahren bedroht ist.

        Dann ist es eigentlich schon keine Gratwanderung mehr, sondern ein „Tanz auf dem Vulkan“.

        Zumindest mein hoher Blutdruck kommt aus den o.g. Faktoren.

        Und wenn dann mein Arzt von „schaffen sie Ruheinseln“ erzählt könnte ich immer einen Lachkrampf bekommen. *Sarkasmus off*

        • Ja, der Behördenstress kann einem den Blutdruck schon nach oben jagen. Und Schule ebenso, heute erst wieder einen Termin mit dem Lehrer unserer Tochter gehabt, das war zwar ein entpanntes Gespräch, aber dafür musste ich von der Arbeit weg und weiß schon, dass irgendwann wieder doof fragen wird warum mein Gleitzeitkonto gerade so niedrig ist. Gerade wieder Blutdruck gemessen 150:98 ist noch einer der besseren Werte der letzten Zeit. 🙂