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Sorgenvoller Blick auf die Türkei

Heute berichtet die Zeit, dass die Gezi-Park-Demonstranten vom Sommer nun wegen „Terrorismus“ angeklagt werden und ihnen somit eine Haftstrafe von bis zu 58 Jahren droht.

Wenn man die Entwicklung in der Türkei verfolgt, dann bekommt man Bauchschmerzen. Proteste gegen einen Regierungschef der nun, nachdem seine Partei von einer Korruptionskrise erschüttert wurde, die ganze Welt als Feind sieht und der Demonstranten erst mal von der Polizei niederknüppeln lässt.

Und später dann wegen „Terrorismus“ anklagt. Damit überschreitet der Nato-Partner Türkei die Grenze in Richtung Faschismus. Und es ist ein verheerendes Signal, denn natürlich wird damit massive Einschüchterung von potentiellen Demonstranten betrieben, wenn man deren Recht auf freie Meinungsäußerung als „Terrorismus“ interpretiert.

Mir fehlt der tiefe Einblick in die politischen und gesellschaftlichen Probleme der Türkei und daher habe ich auch keine Lösungsvorschläge für die Probleme mit denen die Türken gerade kämpfen. Aber ich weiß aus tiefster Überzeugung, dass ein Gleichsetzen von Demonstrationsrecht und Terrorismus die Frage aufwerfen muss, wie sehr sich die Türkei dann noch von Schurkenstaaten wie Nordkorea unterscheidet.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

3 Kommentare

  1. Wenn man dann noch bedenkt, dass die Türkei unbedingt „nach“ Europa will.

    Und ich habe wenig bis gar nichts davon gehört, dass unsere Bundesregierung hier mahnende Worte an den Regierungschef der Türkei richtet.

    Was verspricht „man“ sich davon?

  2. Michael Drews

    04/01/2014 @ 09:24

    Die Türkei will nicht unbedingt in die EU, das stimmt so nicht. Da gibt es mehrere Lager, wie in jedem anderen Land auch. Für Europa wäre der Beitritt der Türken auch eine Verbindung in den Orient, was für Deutschland als Export Weltmeister auch von Vorteil wäre. Auch da gibt es in Deutschland unterschiedliche Lager, die das befürworten, wie auch ablehnen. Aufgrund des Menschenrechtsverständnisses der Türkei, welches für die meisten Deutschen, wie auch für mich, schwer nachvollziehbar ist, halte ich es momentan für sehr schwierig, die Türkei in die EU aufzunehmen, da diese in sich viel zu instabil sind und zur Zeit einen zerfahrenen politischen Kurs fahren.

  3. Nein „die“ Türkei will es vielleicht nicht, aber die jetztige Regierung der Türkei.

    Und unsere jetztige Regierung ist dem nicht abgeneigt.

    Auf beiden Seiten geht es lediglich um wirtschaftliche Interessen. Auf Erdogans Seite vielleicht auch noch um mehr. Ich habe durchaus zur Kenntnis genommen, was er hier vor unseren türkischen Landsleuten so gesagt hat.

    Was mich wundert, dass Herr Erdogan sich nun so „offen“ zeigt.

    Ich bin ehrlich gespannt, wie lange dieser Hickhack noch weitergeht. Und was ein etwaiger Nachfolger dann für Ziele verfolgt.

    So macht es mir schon Sorge, welche Botschaft er damit vermitteln will, die Hagia Sophia wieder in eine Moschee umzuwandeln.

    Auch hier spricht er nicht für das Gros der türkischen Gesellschaft.